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Was mach ich damit?

Suchen, Überlegen, Nachdenken [Quelle: pexels.com, Autor: Clem Onojeghuo]

Quelle: pexels.com, Clem Onojeghuo

Geisteswissenschaftler haben ein breites theoretisches Wissen. Der Berufseinstieg fällt ihnen aber leichter, wenn sie sich spezialisieren.

Wo arbeiten Geisteswissenschaftler?

Typische Arbeitgeber für Absolventen sind Verlage, Museen und öffentliche Kultureinrichtungen. Dort arbeiten Geisteswissenschaftler als Lektoren, Journalisten oder Kuratoren. Sie organisieren Konzerte und Ausstellungen oder entwickeln Konzepte zur kommunalen Kunstförderung. Dabei wollen die meisten Geisteswissenschaftler ursprünglich Lehrer werden.

Das beobachtet zumindest Annette Retsch, die im Career Centre der Uni Würzburg Studenten beim Berufseinstieg berät. Doch: "Die Chancen für Lehrer mit Fächerkombinationen wie Sprache und Geschichte sind in manchen Bundesländern sehr schlecht", meint die Karriereberaterin. Davon gäbe es schlicht zu viele. Deshalb bieten einige Unis wie die in Würzburg Zusatzzertifikate für Wirtschaftsthemen an, mit denen die Absolventen leichter eine Stelle finden.

Und wo kann man sonst noch arbeiten?

Mareike Menne ist ebenfalls Karriereberaterin. Im Blog brotgelehrte.wordpress.com sammelt sie alternative Berufe für Geisteswissenschaftler. Seit ihrem ersten Tag im Geschichtsstudium ärgert sie sich über die Koketterie mit der vermeintlichen Perspektivlosigkeit für Geisteswissenschaftler. Damals sagte ihr Professor: "Was wollen Sie alle hier? Wollen Sie nicht lieber Klempner werden?" Bei ihren Recherchen hat sie Geisteswissenschaftler in den unterschiedlichsten Branchen gefunden: als Gutachter für Kunst bei Versicherungen, als Politikberater, als Spieledesigner oder als Social-Media-Manager. Den einen klaren Karrierepfad gibt es also nicht.

Als Generalisten wissen Absolventen zwar von allem ein bisschen, aber oft wird dann doch jemand mit tieferem Wissen in einer Disziplin eingestellt. Für Geisteswissenschaftler sei es wichtig, ihre Stärken zu erkennen, sagt Menne. "Es lohnt sich zu fragen: Was genau unterscheidet die Fächerkombination Philosophie und Soziologie von Philosophie und Politik? Welche Schwerpunkte hat meine Uni im Vergleich zu anderen?" So könne man sich gezielter bewerben.

Wie kann man sich spezialisieren?

Viele Berufe für Geisteswissenschaftler sind nicht ganz naheliegend. Annette Retsch vom Career Centre der Uni Würzburg empfiehlt daher, schon früh damit anzufangen, Karrierewege zu beobachten, die einem gefallen. Dazu kann man Stellenanzeigen durchforsten und prüfen, welche der geforderten Fähigkeiten man schon besitzt und welche noch fehlen.

"Daran anknüpfend kann man einen roten Faden durch sein Studium ziehen", sagt Retsch: Seminare und Vorlesungen könne man an späteren Berufswünschen ausrichten, vor allem aber seien fachfremde Weiterbildungen wichtig. Goethe oder Mittelhochdeutsch helfen bei einer angestrebten Projektleiterposition vielleicht nicht, Seminare für Projektmanagement dagegen sicherlich schon. Wer eine Stelle in der Öffentlichkeitsarbeit spannend findet, kann mit Kursen wie Photoshop oder InDesign beim späteren Arbeitgeber punkten.

Was verändert die Digitalisierung?

Auch die Geisteswissenschaften sind nicht vor der Digitalisierung gefeit. "Sogar die Archivarbeit oder schrullige Bereiche wie die Ahnenforschung sind hoch digitalisiert", sagt die Historikerin Mareike Menne. Unter dem Schlagwort Digital Humanities legen manche Studiengänge bereits einen Schwerpunkt auf neue Techniken und computergestützte Verfahren, etwa im Bereich der Linguistik. Aber: "Gerade weil sie als Digital Natives gelten, sollten die Studenten ihre IT-Fähigkeiten nicht überschätzen", sagt Menne.

Kann man auch ein Start-up gründen?

Überdurchschnittlich viele Absolventen der Geisteswissenschaften arbeiten zunächst freiberuflich. Einige von ihnen sind auch an Unternehmensgründungen beteiligt, wie Mareike Menne beobachtet hat. Sie entwickeln Nachhilfe-Apps, gründen E-Book-Verlage oder starten eine Kommunikationsagentur. "In der Freiberuflichkeit entstehen derzeit innovative Berufsprofile", so Menne. "Aber im klassischen Start-up gilt oft: Oben sitzen Wirtschaftswissenschaftler, unten die Germanisten."

Was verdient man?

So vielfältig wie die Berufsbilder sind die Verdienstmöglichkeiten für fertige Geisteswissenschaftler. Absolventen verdienen im ersten Job im Schnitt rund 34.500 Euro im Jahr, wie die Vergütungsdatenbank Gehalt.de ermittelt hat. In öffentlichen Verwaltungen oder Behörden verdienen sie im Schnitt rund 41.700 Euro. Freiberufler bekommen meist deutlich weniger als Festangestellte. Bei Museen oder in Verlagen startet man häufig als Volontär, der Museumsbund empfiehlt dabei ein Gehalt von 1.700 Euro brutto im Monat. Bei Zeitungen sind laut Tarifvertrag etwa 1.900 Euro drin.

© ZEIT Online (Zur Original-Version des Artikels)

Geisteswissenschaftler in der Führungsebene?

Ja, auch das ist möglich. Zum Beispiel bietet Bertelsmann mit dem Creative Management Program ein Trainee-Programm an, in dem ausschließlich Geistes- und Sozialwissenschaftler auf eine Karriere als Führungskraft vorbereitet werden.

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