Partner von:

Berufseinstieg für Geisteswissenschaftler

Arbeit junge Frau Schreibtisch [Quelle: Unsplash.com, Bonnie Kittle]

Quelle: Unsplash.com, Bonnie Kittle

Explizit gesucht werden Geisteswissenschaftler fast nie. Aber ohne Arbeit bleiben sie deshalb nicht – sie müssen nur flexibler sein. So funktioniert der Berufseinstieg.

Wie ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt?

Geisteswissenschaftler müssen beim Berufsstart flexibler und kreativer sein als andere. Ausdrücklich gesucht werden sie fast nie. Das zeigt der Adecco-Stellenindex, der Inserate in 32 Online-Jobbörsen und 166 Printmedien auswertet. So richtete sich im ersten Halbjahr 2016 nur ein Prozent der Anzeigen für akademische Berufseinsteiger explizit an Geisteswissenschaftler. Viele dieser Angebote sind außerdem Teilzeitstellen oder befristet – und oft schlecht bezahlt. Der Grund: Häufig werden sie mit Förder- oder Projektmitteln finanziert, die nur für begrenzte Zeit fließen. "In der Privatwirtschaft bekommt man leichter einen unbefristeten Vertrag als bei einer kulturellen oder sozialen Einrichtung, die von der öffentlichen Hand finanziert wird", sagt Kolja Briedis, Absolventenforscher am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Diese seien aber bei Geisteswissenschaftlern besonders beliebt.

Dass Geisteswissenschaftler in die Arbeitslosigkeit hineinstudieren, ist dagegen ein Mythos. Die Arbeitslosenquote liegt bei unter drei Prozent – und damit nicht höher als im Durchschnitt aller Akademiker. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den Fächern. Bei den Historikern liegt die Quote mit knapp fünf Prozent deutlich höher als bei den Sprach- und Kulturwissenschaftlern (knapp drei Prozent).

Einen Nachteil haben Geisteswissenschaftler vor allem gleich nach dem Abschluss. Sie müssen oft länger nach Jobs suchen, und viele bekommen nicht die ersehnte Stelle in der Medien- oder Kulturbranche. Am Ende gelingt es zwar fast allen, im Berufsleben Fuß zu fassen, doch die ersten Jahre sind oft mühsam. Eine Befragung des Absolventenjahrgangs 2013 durch das DZHW ergab, dass sich eineinhalb Jahre nach dem Studium 40 Prozent der Geisteswissenschaftler für ihre Stelle überqualifiziert fühlen.

In den ersten drei Berufsjahren seien Jobwechsel und Neuorientierungen nichts Ungewöhnliches, sagt der Absolventenforscher Kolja Briedis. Die berufliche Etablierung dauere bei einem Teil der Geisteswissenschaftler zwar eine Weile, doch nach vier bis fünf Jahren seien viele angekommen. "Spätestens dann haben die meisten einen angemessenen Job mit entsprechender Bezahlung", so Briedis.

Wie verbessert man seine Chancen als Bewerber?

Sobald man seinen Berufswunsch kennt, kann man den Lebenslauf mit Studienschwerpunkten, Zusatzqualifikationen und Praktika darauf ausrichten. "Legen Sie eine Mappe an, in der Sie Stellenausschreibungen von Traumjobs sammeln", rät Annette Retsch vom Career Service der Uni Würzburg. "So sehen Sie, welche Kompetenzen gefragt sind, und können gezielt die passenden Zusatzqualifikationen sammeln, zum Beispiel mit einem Photoshop-Kurs, einem Moderationstraining oder auch durch ein Ehrenamt, mit dem Sie Ihr Talent fürs Projektmanagement unter Beweis stellen", so Retsch.

Je genauer die Bewerbung auf die ausgeschriebene Stelle zugeschnitten sei, desto größer die Erfolgschance, sagt auch Ulrike Kretzschmar, die Präsidentin des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin. Für ein Museumsvolontariat mit Schwerpunkt Kommunikation und Marketing etwa brauche man neben dem Masterabschluss praktische Erfahrungen in der Kultur- oder in der Medienbranche und sehr gute Englischkenntnisse. Außerdem sollte man mit Content-Management-Systemen umgehen können. Habe das Volontariat dagegen einen wissenschaftlichen Schwerpunkt, sei neben Museumserfahrungen eine inhaltlich passende Promotion von Vorteil, in der Regel in Geschichte oder Kunstgeschichte.

Gute Chancen hätten Interessenten vor allem dann, wenn sie ihre Motivation mit eigenen Erfahrungen begründen können. "Wenn jemand schon mal in einem Museum gearbeitet hat, kann er uns besser davon überzeugen, dass eine Museumslaufbahn genau das ist, was er machen will", sagt Kretzschmar.

nach oben

Im e-fellows.net wiki kannst du dein Wissen teilen und von den Erfahrungen anderer Stipendiaten profitieren.

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren