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Eine Frage der eigenen Ziele

Doktorhut Abschluss Diplom [© Matthias Stolt - Fotolia.com]

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Gibt es Unterschiede zwischen Ph.D. und Doktor? Wenn ja, wovon hängt die Entscheidung für das eine und gegen das andere ab? Wir bringen Licht ins Dunkel.

Langsam, aber sicher wird der internationale Ph.D. auch an deutschen Unis immer beliebter und verdrängt damit den deutschen Doktortitel. Vor allem aufgrund der wachsenden Zahlen von Kooperationsprojekten mit Hochschulen im Ausland entscheiden sich immer mehr deutsche Unis, in Promotionsstudiengängen den Ph.D. zu verleihen.

Promovieren denn alle in Philosophie?

Sowohl der Doktor als auch der Ph.D. sind ein auf den Master aufbauendes Studium. Die Abkürzung Ph.D. steht für Philosophical Doctorate (doctor philosophiae) und spielt auf die Geschichtsdeutung an, welche den Ursprung aller Wissenschaft in der Philosophie des antiken Griechenlands sieht.

Das Ph.D.-Studium ist ein wissenschaftliches Forschungsdoktorat und der häufigste Doktorgrad in englischsprachigen Ländern. Er wird zusammen mit dem entsprechenden Fach geführt, zum Beispiel als "Ph.D. in Political Science". Die Ausnahme bildet der Doktortitel in Medizin (Medical Doctor, MD).

Trotzt ihrer geringeren Bekanntheit genießt auch die deutsche Promotion im Ausland grundsätzlich ein hohes Ansehen. Beide Titel sind also international anerkannt und unterscheiden sich auch kaum in ihrer Wertigkeit.

Was ist der Unterschied?

In der Medizin ist der Doktortitel Standard und eine Sache von wenigen Monaten. In den Geisteswissenschaften kann es aber bis zu sechs Jahre dauern, bis man sich Dr. nennen darf. Ein Ph.D.-Studium dauert hingegen nur zwischen drei und vier Jahren und ist in der Regel verschulter als ein deutsches Promotionsstudium. In Deutschland kursiert daher das Vorurteil, dass ein Ph.D.-Studium leichter zu absolvieren sei als ein deutsches Promotionsstudium. Allerdings ist die individuelle Ausgestaltung von Ph.D.-Programmen länderabhängig. In der Regel arbeiten Ph.D.-Studenten gleichwertig mit mehreren Professoren an einem Projekt und helfen vergleichsweise wenig am Lehrstuhl aus. Das deutsche Doktorandenstudium hat hingegen den Ruf, sich mehr an einem Professor und dessen Lehrstuhl zu orientieren.

Doktortitel gleich Ph.D. und umgekehrt?

Mehr Vielfalt bei der Titelwahl könnte dem Wettbewerb zwischen Akademikern guttun, vorausgesetzt es herrscht Klarheit darüber, was die Titel bedeuten. Einen Doktortitel für die internationale Bewerbung einfach als Ph.D. zu übersetzten ist zum Beispiel ein No-Go. Denn nicht alle herkömmlichen Doktortitel sind Forschungsdoktorate. Umgekehrt ist es jedoch möglich, den Ph.D. in einen Doktor umwandeln zu lassen. Der Ph.D. ist immer ein Forschungsdoktorat und dementsprechend mit einer drei- bis vierjährigen Promotion vergleichbar.

Die Kultusministerkonferenz hat festgelegt, welche im Ausland in einem wissenschaftlichen Promotionsverfahren erworbene Doktorgrade in Deutschland als "Dr."-Titel geführt werden dürfen. Wer  in einem EU- oder EWR-Land  ein Ph.D.-Studium an einer staatlich anerkannten Hochschule absolviert hat, darf in Deutschland den Doktortitel ohne fachlichen Zusatz oder Herkunftsland führen. Das gilt aber nicht für Berufsdoktorate. US-amerikanische Ph.D.-Titel von Universitäten der sogenannten Carnegie-Liste dürfen in Deutschland ebenfalls als "Dr." ohne fachlichen Zusatz oder Herkunftsbezeichnung geführt werden. Für bestimmte Doktorgrade aus Australien, Israel, Japan, Kanada und Russland hat das Kultusministerium eine weitere Liste verabschiedet.

In der Datenbank anabin findest du eine Übersicht diverser Titel aus dem Ausland und kannst dich über deren Anrechenbarkeit in Deutschland informieren.

Wovon mache ich meine Entscheidung also abhängig?

Letztlich ist die Entscheidung zwischen Ph.D. und Doktor abhängig  von den eigenen Vorlieben und Zukunftsvorstellungen.

Wer eine Karriere im Ausland anstrebt, ist mit dem Ph.D. in der Regel besser beraten, da dieser Titel international bekannter ist als ein klassischer deutscher Doktortitel ist. Selbiges gilt, wenn du planst, in die Forschung zu gehen. Denn diese Tätigkeit steht während eines Ph.D-Studiums klar im Vordergrund. In der Regel beinhaltet ein Ph.D.-Studium auch Vorlesungen und Seminare, ist also insgesamt etwas verschulter als die klassische Promotion am Lehrstuhl.

Wer ein Fach mit enger Bindung an die Wirtschaft studiert oder sogar im Unternehmen promovieren möchte, für den eignet sich der Doktor besser. 

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Kommentare (2)

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  1. Anonym

    Anonym, das stimmt so nicht ganz. Die PhD Programme, die 5 Jahre dauern, werden normalerweise mit einem Bachelor angefangen und beinhalten den Master. Für den PhD an sich gelten 3 Jahre als Ziel. Es dauert aber auch mal 4 oder gar 5. In Ingenieurswissenschaften in Deutschland ist eine promotionsdauer von 5 Jahren aber auch sicher keine Seltenheit.

  2. Anonym

    Guter Artikel, aber mit der Dauer etwas durcheinander gekommen, oder? "Ein Ph.D.-Studium dauert hingegen nur zwischen drei und vier Jahren [...]" Die normalen Lehrstuhlpromotionen, die ich kenne, sind zumindest theoretisch auf drei Jahre ausgelegt. Ein normales PhD Programm dauert fünf Jahre (in den USA und auch in Europa). Das ergibt insofern Sinn, da bei einem PhD ja wie beschrieben nicht nur qualitativ sehr hochwertige Forschung betrieben wird (werden soll), sondern zudem noch Kurse im Umfang eines Masterstudiums besucht werden.

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