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Welche beruflichen Ausgaben die größte Steuerersparnis bringen

Buchhaltung Steuererklärung [Quelle: Pixabay.com]

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Fahrtkosten, Arbeitszimmer und Feiern mit Kollegen: Mit beruflichen Ausgaben drücken Angestellte ihre Steuerlast. Alle relevanten Änderungen, Urteile und laufenden Verfahren finden Sie in unserer neuen Serie zur Steuererklärung.

Ausgaben für den Job drücken die Steuerlast von Angestellten meist am stärksten. Sobald sie beruflich 1.000 Euro im Jahr ausgegeben haben, senkt jeder weitere Euro das sonst zu versteuernde Einkommen. Der Pauschbetrag von 1.000 Euro wird ohne Nachweis schon bei der Gehaltsabrechnung berücksichtigt. Einige Angestellte kommen aber allein mit ihren Fahrtkosten auf mehr. Wege zur "ersten Tätigkeitsstätte" – etwa dem Büro – können pro Arbeitstag mit der Entfernungspauschale von 0,30 Euro pro Kilometer der einfachen Strecke abgesetzt werden. Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel können auch die tatsächlichen Kosten angeben – wenn diese höher sind. Autofahrer fühlen sich dadurch benachteiligt, schließlich sind ihre tatsächlichen Kosten auch höher. Doch der Bundesfinanzhof (BFH) erkannte keine unzulässige Ungleichbehandlung (VI R 4/15).

Noch leichter absetzbar sind die Ausgaben für andere berufliche Fahrten, etwa bei Auswärtstätigkeiten, sofern der Arbeitgeber sie nicht erstattet. Pauschal können dann für jeden gefahrenen Kilometer 0,30 Euro abgesetzt werden. Streit gibt es bei Arbeitnehmern, die ständig an wechselnden Einsatzorten arbeiten, wie einem Streifenpolizisten oder einem Außendienstmonteur. Diese fordern, dass auch ihre Fahrten zur Polizeiwache oder dem Betriebssitz mit jedem Kilometer berücksichtigtwerden, weil sie dort nur selten anzutreffen seien. Bislang haben Gerichte das abgelehnt, die Revision beim Bundesfinanzhof läuft (VI R 14/16, VI R 19/16). Die Fälle betreffen noch eine alte Rechtslage, dürften aber Signalwirkung haben. Mittlerweile ist vor allem entscheidend, ob der Arbeitgeber Angestellte einer bestimmten Arbeitsstätte vertraglich zugeordnet hat, selbst wenn diese dort nur selten sind (wie zum Beispiel Piloten am Flughafen). Arbeiten Angestellte an mehreren Orten, ist es attraktiv, wenn ein nah an der Wohnung liegender Einsatzort vertraglich als erste Tätigkeitsstätte festgelegt wird. Kosten für Fahrten zu anderen Einsatzorten lassen sich dann besser absetzen.

Feiern auf Kosten des Fiskus

Im Fokus stehen auch Kosten eines Arbeitszimmers im eigenen Haushalt. Unbegrenzt sind sie nur absetzbar, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit bildet – eher die Ausnahme. Bis zu 1.250 Euro im Jahr berücksichtigt das Finanzamt, wenn Angestellten kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Ein Chemieprofessor profitierte von der Regel, weil er an der Uni nur ein kleines Labor nutzen konnte (Finanzgericht Rheinland- Pfalz, 1 K 2571/14). Heim-Arbeitszimmer müssen allerdings wenigstens zu 90 Prozent beruflich genutzt werden. Ein gemischt, beruflich und privat, genutztes Büro zählt nicht (BFH, GrS 1/14). Dies betrifft auch Arbeitsecken, die etwa nur ein Sideboard abtrennt (VIII R 10/12), oder ein Büro, das ein Coach nur 20 Tage im Jahr beruflich nutzt (VIII R 24/12). Strittig ist, ob der Steuerabzug bei gemeinsam genutzten Heim-Arbeitszimmern halbiert wird. Betroffene wehren sich (BFH, VI R 86/13, VIII R 15/15). Sollte das Finanzamt den Kostenansatz halbieren, können Steuerzahler Einspruch einlegen, auf die ausstehenden Urteile verweisen und das Ruhen des Verfahrens beantragen. Dann können sie von einem möglichen positiven Ausgang profitieren. Selbst Modernisierungsausgaben für ein Bad können eventuell flächenanteilig als Kosten des Heim-Arbeitszimmers abgesetzt werden (Finanzgericht Münster, 11 K 829/14 E). Die Revision läuft (BFH, VIII R 16/15). Auch hier kann es sich lohnen, mehr abzusetzen. Nach Ablehnung Einspruch einlegen.

Neuen Spielraum gibt es bei Feiern für Kollegen und Geschäftspartner. Bleiben die Ausgaben moderat, der Teilnehmerkreis beruflich, muss der Fiskus mitspielen und Kosten berücksichtigen. Das galt sowohl für ein 40-jähriges Dienstjubiläum (BFH, VI R 24/15) als auch für die Habilitationsfeier eines Klinikarztes (VI R 52/15). Selbst wenn neben der Bestellung zum Steuerberater auch ein Geburtstag gefeiert wird, sind Ausgaben absetzbar (VI R 46/14).

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