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Was Millionäre umtreibt

Geld Euro Scheine Millionär [Quelle: Pixabay.com, Alexas_Fotos]

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Reiche Familien wollen das Vermögen für die nächste Generation erhalten und mehren. Ihre aktuelle Verunsicherung spüren auch die Vermögensverwalter.

Brexit, Trump, Frankreich-Wahl – seit Monaten halten die politischen Großereignisse die Anleger in Atem. Auch die wirklich reichen Familien greifen da öfter als früher zum Handy, um bei ihren Vermögensverwaltern Rat einzuholen. Das Handelsblatt hat sich bei einem Rundgang durch einige der exklusiven Adressen für Millionäre und institutionelle Investoren umgehört, was die Antworten auf die derzeit drängendsten Fragen sind.

Kommt das Thema Nachhaltigkeit unter US-Präsident Donald Trump aus der Mode?

Rund 40 Prozent seiner Kunden hätten sich mit dem Thema Nachhaltigkeit intensiv befasst, sagt Stefan Freytag, Vorstand beim Deutschen Oppenheim Family Office. Es dauere manchmal zwölf bis 18 Monate, um den verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen, auch "Sustainability" genannt, im jeweiligen Portfolio abzubilden. "Das schmeißt man nicht in drei Monaten komplett um, hier geht es um ein Wertesystem, das zum Beispiel Menschrechtsverletzungen ablehnt", erläutert der Chef der Tochter der Deutschen Bank.

Allerdings habe die Deutsche Oppenheim beim Thema Nachhaltigkeit 2016 und auch im bisherigen Jahresverlauf "zum ersten Mal Gegenwind gespürt", weil ein großer Teil des Aufschwungs an den Börsen auf Aktien entfiel, die die Kriterien für Nachhaltigkeit nicht erfüllten, etwa Tabak- und Rüstungswerte sowie einige Energie- und Rohstofftitel. "Man muss erklären, wie der Performance-Nachteil von schätzungsweise rund 1,5 Prozentpunkten in einem Jahr wie 2016 gegenüber den klassischen Anlagen zustande kommt", sagt Freytag.

Wie soll das Vermögen geschickt verteilt werden?

Im Gegensatz zu den Durchschnittsverdienern spielt das Sparbuch bei den liquiden Anlagen Gegensatz zu Aktien und Anleihen kaum eine Rolle unter den Wohlhabenden. "Für einen Familienverband mit höherer Risikotoleranz halten wir eine Aktienquote von circa 50 Prozent für vertretbar", sagt Ulrich von Auer, Chefanlagestratege der JP Morgan Private Bank in Deutschland. Wer einen Teil seines Vermögens in Aktien hält, der müsse zeitweise auch Kursverluste aushalten können und nicht gleich verkaufen wollen. "Im Schnitt sinken die Kurse historisch gesehen binnen eines Jahres im Schnitt um elf Prozent, bevor sie sich später wieder erholen", gibt von Auer zu bedenken.

Bei der Deutschen Oppenheim Family Office liegt die Aktienquote bei den liquiden Anlagen bei 40 Prozent (siehe Grafik) – wobei die Experten dieses Jahr noch etwas Spielraum nach oben sehen bei den Dividendentiteln. "Weltweit kann man 2017 Kursgewinne von etwa fünf bis sieben Prozent erwarten, den Dax sehen wir bei rund 12.500 Punkten am Jahresende, den Dow bei 21.000 Punkten. Aber es wird auch Korrekturen geben, keine Frage", sagt Vorstand Freytag.

Was Millionäre umtreibt [Quelle: Handelsblatt]

Wie wichtig sind Alternativen?

Reiche Familienverbünde legen wegen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und angesichts hoher Bewertungen an den Aktienbörsen einen Teil ihres Vermögens in illiquiden Finanzprodukten an. Dazu zählen neben Immobilien vor allem Unternehmensbeteiligungen – sogenanntes Private Equity. "Dieser Trend ist 2017 ungebrochen. Wir empfehlen unseren Kunden einen Anteil von fünf bis 20 Prozent in alternativen Anlageklassen, gemessen an ihrem liquiden Gesamtvermögen", sagt Armin Eiche, Chef der Vermögensverwaltung Deutschland bei Pictet & Cie.

Geografisch gesehen investieren die von Pictet ausgewählten Private-Equity-Fonds vorzugsweise je zur Hälfte in den USA und Europa. "Bei der Auswahl steht das Vertrauen in die jeweiligen Teams im Mittelpunkt, ungeachtet der Historie der dahinterstehenden Private-Equity-Gesellschaften." Ein Fonds könne für bis zu 20 Beteiligungen stehen. Im Schnitt sei in den vergangenen Jahren eine Netto-Rendite von knapp 20 Prozent erreicht worden, wobei Pictet seit dem ersten Engagement in Private Equity 1989 noch kein negatives Jahr hatte, erläutert Eiche. Bis 2020 würden sich die verwalteten Vermögen der institutionellen Investoren in alternativen Anlagen wie den außerbörslichen Beteiligungsunternehmen auf Basis der Zahlen von 2013 verdoppeln, schätzt Blackrock. "Das liegt besonders am steigenden Anlagedruck", sagt Ingo Heinen, Spezialist für alternative Anlagen bei Blackrock.

Welche Rendite kann man erwarten?

Die reichen Investoren sind vor allem am Kapitalerhalt interessiert, sie wollen ihre Vermögen für die kommenden Generationen sichern. Bei der Verzinsung geht es ihnen in erster Linie um einen Inflationsausgleich und eine relativ bescheidene Zusatzrendite. "Über das gesamte verwaltete Vermögen streben die meisten vermögenden Familien eine Rendite von vier bis fünf Prozent an. Das ist eine realistische Erwartung", sagt von Auer von JP Morgan Private Bank.

Wo liegen die Risiken 2017?

Die meisten Fragen der Kunden drehen sich derzeit um die politischen Herausforderungen. Das größte Risiko sei 2017 die Euphorie-Falle. Schnelle Aufwärtsbewegungen wie die Aktienhausse nach der Wahl des US-Präsidenten Donald Trump seien in der Wirtschaftsgeschichte meistens nicht gutgegangen und entpuppten sich als Strohfeuer, warnt Freytag von der Deutschen Oppenheim. Allerdings sollten die Anleger auch nicht zu viel Respekt haben: "Der Einfluss von Wahlen und anderen politischen Ereignissen wird erfahrungsgemäß vom Anleger überbewertet. Das hat man 2016 auch beim Brexit und der US-Wahl gesehen", sagt von Auer.

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