Secondment 2023/2024: Secondment bei Wachtell, Lipton, Rosen & Katz in New York

Hand hält eine Weltkugel. Davor steht eine Frau mit einem Papierflieger

Ein Secondment bietet den Anwältinnen und Anwälten bei Gleiss Lutz die Möglichkeit, für sechs bis zwölf Monate oder in einem kurzen Mini-Secondment von rund einem Monat bei einer befreundeten Kanzlei im Ausland mitzuarbeiten und dort den Kanzleialltag aus nächster Nähe kennenzulernen. Melina Grauschopf, Assoziierte Partnerin im Bereich M&A, hat sich für die renommierte Kanzlei Wachtell, Lipton, Rosen & Katz in New York entschieden. Hier teilt sie ihre Erfahrungen.

Melina Grauschopf ist Assoziierte Partnerin im Bereich M&A im Münchener Büro von Gleiss Lutz. Sie berät nationale und internationale Unternehmen sowie Finanzinvestoren bei grenzüberschreitenden M&A-Transaktionen, Joint Ventures und gesellschaftsrechtlichen Umstrukturierungen. Daneben berät sie börsennotierte und nicht börsennotierte Unternehmen zu gesellschaftsrechtlichen und Corporate-Governance Fragen. Bei Gleiss Lutz angefangen hat Melina im Jahr 2019. 2023 ergab sich für sie dann die Gelegenheit, acht Monate auf Secondment bei Wachtell, Lipton, Rosen & Katz in New York zu verbringen – einer der weltweit renommiertesten Kanzleien.

Persönliche und fachliche Entwicklung

Inwiefern hat das Secondment bei Wachtell Lipton deinen bisherigen Karriereweg geprägt oder deine berufliche Ausrichtung beeinflusst?

Das Secondment hat meinen beruflichen Schwerpunkt nicht verändert – der lag schon vorher auf grenzüberschreitenden M&A-Transaktionen. Ein großer Teil meiner Mandate hat aber einen US-Bezug. Den US-Markt, seine Marktstandards und die Arbeitsweise von US-Kanzleien aus nächster Nähe kennengelernt zu haben, hilft mir daher bis heute in meiner täglichen Arbeit. Daneben habe ich aus der Zeit vor allem für meine eigene Entwicklung viel mitgenommen. Ich bin nach rund viereinhalb Jahren Berufserfahrung zu Wachtell Lipton gegangen – rückblickend ein idealer Zeitpunkt, weil das Handwerkszeug bereits sitzt, man gleichzeitig aber noch dabei ist, den eigenen Stil zu entwickeln. Während meiner Zeit in New York konnte ich mit vielen unterschiedlichen Partnerinnen und Partnern zusammenarbeiten und dabei ganz unterschiedliche Verhandlungs- und Drafting-Stile hervorragender US-Anwältinnen und US-Anwälte aus nächster Nähe erleben – und mitnehmen, welche Ansätze zu mir passen und welche weniger.

Welche Haltung oder Kompetenzen sind aus deiner Sicht hilfreich, um ein Secondment erfolgreich zu gestalten und möglichst viel daraus mitzunehmen?

Acht Monate sind schnell vorbei – gerade in einer Stadt wie New York, in der es auch außerhalb der Arbeit unendlich viel zu erleben gibt. Umso wichtiger ist es, sich vorher zu überlegen, was man aus der Zeit mitnehmen möchte. Für mich waren das vor allem spannende Mandate, der Austausch mit herausragenden Anwältinnen und Anwälten und das Knüpfen enger persönlicher Kontakte. Dafür braucht es Offenheit und Eigeninitiative – insbesondere die Bereitschaft, selbst auf Menschen zuzugehen. Denn meine Erfahrung war, dass sich auch sehr beschäftigte Kolleginnen und Kollegen erstaunlich viel Zeit genommen haben, wenn man den Kontakt gesucht hat. Die organisatorische Vorbereitung des Secondments war übrigens denkbar unkompliziert: Gleiss Lutz und Wachtell Lipton haben mich insbesondere bei Visum und Wohnungssuche hervorragend unterstützt.

Berufliches Umfeld und Integration

Was hat dir geholfen, dich fachlich und persönlich schnell bei Wachtell Lipton einzufinden?

Fachlich war der Einstieg leichter, als man vielleicht erwarten würde. Ich habe schnell gemerkt, wie gut mich die Zeit bei Gleiss Lutz auf die Arbeit in New York vorbereitet hatte. M&A ist über Rechtsordnungen hinweg sehr ähnlich, sodass ich vom ersten Tag an auf Transaktionen mitarbeiten konnte. Die Unterschiede bei Marktstandards und einzelnen rechtlichen Konzepten eignet man sich relativ schnell an. Sehr hilfreich waren außerdem die Mentorinnen und Mentoren, die einem bei Wachtell Lipton sowohl auf Partner- als auch auf Associate-Ebene zur Seite gestellt bekommt. Sie helfen bei der Einfindung in der Kanzlei und achten darauf, dass man schnell auf interessante Mandate kommt. Zudem gibt es bei Wachtell Lipton immer eine kleine Gruppe von Secondees aus Kanzleien weltweit, die in derselben Situation sind und sich alle gegenseitig unterstützen.

Was hat dich an der Kanzleikultur bei Wachtell Lipton besonders beeindruckt?

Besonders aufgefallen ist mir, wie wichtig bei Wachtell Lipton das persönliche Miteinander ist. Trotz des sehr anspruchsvollen Arbeitsumfelds wird viel dafür getan, dass sich die Kolleginnen und Kollegen auch außerhalb der Mandatsarbeit gut vernetzen können. Dazu gehören zahlreiche Mentoring- und Socializing-Formate, zum Beispiel gemeinsame Dinner, bei denen Partnerinnen und Partner mit kleinen Gruppen von Associates in exklusive Restaurants New Yorks gehen. Gleichzeitig gibt es einen sehr intensiven fachlichen Austausch jenseits der konkreten Mandatsarbeit. So ist etwa ein ehemaliger Chief Justice des Delaware Supreme Court heute Of Counsel bei Wachtell Lipton und gibt in Lunch Talks immer wieder Einblicke in Entwicklungen des US-Gesellschaftsrechts. Daneben gibt es regelmäßig Veranstaltungen mit hochkarätigen Gästen aus Justiz und Politik. Dadurch bekommt man auch jenseits der täglichen Mandatsarbeit einen unmittelbaren Einblick in Themen und Debatten, die den US-Markt gerade prägen.

Perspektivwechsel und Chancen

Gab es Unterschiede in der Art der Zusammenarbeit oder im Arbeitsalltag, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Wachtell Lipton hat ein sog. Pooling-System. Man ist keiner festen Partnerin oder keinem festen Partner zugeordnet, sondern arbeitet je nach Deal mit unterschiedlichen Teams zusammen. Dadurch habe ich in acht Monaten mit sehr vielen verschiedenen Partnerinnen und Partnern und Associates gearbeitet und die Kanzlei sehr breit kennengelernt. Für mich war das besonders interessant, weil ich dadurch sehr unterschiedliche Arbeitsweisen unmittelbar erleben konnte.

Was macht aus deiner Sicht insbesondere den Standort New York / USA zu einem besonders spannenden Umfeld für ein juristisches Secondment?

Für M&A-Anwältinnen und M&A-Anwälte gibt es kaum einen spannenderen Ort als New York. Viele der international bedeutendsten Transaktionen werden hier strukturiert und begleitet, und man arbeitet mit einigen der versiertesten Dealmakern der Welt zusammen. Gleichzeitig ist New York unglaublich international: Ich habe nicht nur US-Kolleginnen und US-Kollegen kennengelernt, sondern auch zahlreiche Secondees aus Kanzleien aus aller Welt. Und auch jenseits der Mandatsarbeit bietet die Stadt enorm viel – vom Knicks-Game im Madison Square Garden bis zu einer Broadway-Show mit Jeremy Strong, einem meiner Lieblingsschauspieler, hatte ich dort viele einmalige Erlebnisse. Über eine Kollegin bei Wachtell Lipton ergab sich sogar die Möglichkeit, das White House in Washington, D.C. zu besichtigen. Das sind natürlich besondere Highlights.

Highlights und Entwicklung

Was war Dein einprägsamster Moment während deiner Zeit im Ausland?

Was mir rückblickend am stärksten in Erinnerung geblieben ist, sind weniger einzelne Deals oder Ereignisse als die Kolleginnen und Kollegen bei Wachtell Lipton. Über die intensive Zusammenarbeit sind einige enge Freundschaften entstanden. Zwei Jahre später habe ich mit vielen noch immer regelmäßig Kontakt – einige sind weiterhin bei Wachtell Lipton, andere inzwischen in ganz anderen Rollen, und die Secondees sind längst zu ihren Kanzleien in aller Welt zurückgekehrt. Dass aus acht Monaten solche Beziehungen entstanden sind, ist wahrscheinlich das Schönste, was ich aus der Zeit mitgenommen habe.

Infos zu Einstieg und Karriere bei Gleiss Lutz

Bewertung: 5/5 (8 Stimmen)