Ready for the Future: Warum KI bei Gleiss Lutz schon früh zur Ausbildung gehört

Frau schaut durch eine Luppe, um den richtigen Ordner zu finden

Künstliche Intelligenz ist aus der modernen Rechtsberatung nicht mehr wegzudenken und entwickelt sich zunehmend zu einer juristischen Kernkompetenz der Zukunft. Nachwuchsjuristin Franca Kreft berichtet im Interview, wie sie die KI-Plattform Harvey in ihrem Arbeitsalltag bei Gleiss Lutz einsetzt und teilt ihre Tipps.

Nachdem sich KI‑gestützte Tools in der anwaltlichen Praxis bewährt haben, spielen sie heute auch in der Ausbildung eine wichtige Rolle. Nachwuchsjuristinnen und Nachwuchsjuristen arbeiten frühzeitig mit professionellen KI‑Anwendungen und lernen, diese verantwortungsvoll im juristischen Arbeitsalltag einzusetzen. Ziel ist es, technologische Kompetenz von Beginn an mit juristischer Exzellenz zu verbinden und so optimal auf die Anforderungen der Praxis von morgen vorzubereiten.

Zum Jahresbeginn 2026 hat Gleiss Lutz den Zugang zur generativen KI‑Plattform Harvey gezielt auf Nachwuchsjuristinnen und Nachwuchsjuristen ausgeweitet.

Franca Kreft Gleiss Lutz

Franca Kreft absolvierte ihr Jurastudium an der Universität Bielefeld mit dem Schwerpunkt Kriminalwissenschaften und schloss dieses im Jahr 2025 ab. Mit besonderem Interesse an der Arbeit in einer international tätigen Großkanzlei ist sie seit November 2025 als wissenschaftliche Mitarbeiterin Teil des Kartellrechtsteams von Gleiss Lutz am Standort München.

Was war dein erster Gedanke, als du erfahren hast, dass auch Nachwuchsjuristinnen und Nachwuchsjuristen Zugang zu Harvey erhalten?

Ich habe mich sehr darüber gefreut, da ich ohnehin bereits regelmäßig privat, im Studium, aber auch bei der Arbeit mit KI-Tools arbeite. Gerade dort waren die Verwendungsmöglichkeiten allerdings häufig aufgrund sensibler Daten und einer teilweise noch eingeschränkten Funktionsweise limitiert. Zudem hatte ich bereits aus Gesprächen mit einzelnen Anwältinnen und Anwälten gehört, dass sie Harvey bereits nutzen und damit sehr positive Erfahrungen gemacht haben. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich erfahren habe, dass auch wir Zugang zu Harvey bekommen.

Welche Rolle spielt KI für dich persönlich in der juristischen Ausbildung und im Arbeitsalltag?

Gerade für mich als Nachwuchsjuristin kann KI in der juristischen Ausbildung eine große Unterstützung sein. Sie unterstützt mich dabei, komplexe juristische Problemstellungen schneller zu durchdringen, zentrale Aspekte herauszuarbeiten und verschiedene Lösungsansätze miteinander zu vergleichen. Gleichzeitig bietet mir der Umgang mit solchen Tools die Möglichkeit, schon früh ein Bewusstsein für einen verantwortungsvollen und reflektierten Einsatz von KI zu entwickeln.

Auch im Arbeitsalltag spielt KI für mich eine zunehmend wichtige Rolle. Sie unterstützt mich etwa bei ersten Rechercheschritten, beim schnelleren Auswerten umfangreicher Dokumente, beim Zusammenfassen von Inhalten oder beim Entwickeln verschiedener Formulierungsvarianten. Die juristische Bewertung und die letztliche Verantwortung bleiben dabei selbstverständlich bei mir. KI kann aber sehr gut vorbereitend eingesetzt werden und so Arbeitsprozesse effizienter gestalten. Außerdem lassen sich repetitive, eher administrative Aufgaben teilweise effizienter durch solche Tools bearbeiten.

Darüber hinaus nutze ich Harvey auch für eher einfache, aber dennoch hilfreiche Aufgaben, etwa für eine abschließende Rechtschreib- oder Formulierungsprüfung von Texten. Gerade hier ist es sehr hilfreich, dass auch Dokumente mit sensiblen Daten hochgeladen werden können und die Arbeit mit KI somit ohne datenschutzrechtliche Bedenken möglich ist.

Wie hast du das Onboarding mit Harvey erlebt? War der Umgang intuitiv oder musstest du zunächst lernen, die richtigen Fragen bzw. Prompts zu stellen?

Der Einstieg in die Arbeit mit Harvey war für mich grundsätzlich sehr intuitiv. Dabei hat mir sicherlich geholfen, dass ich bereits Erfahrung mit anderen KI-Tools hatte. Gleichzeitig habe ich aber schnell gemerkt, dass die Qualität der Ergebnisse stark davon abhängt, wie präzise man seine Prompts formuliert – Prompting entwickelt sich zunehmend zu einer wichtigen Kompetenz im juristischen Arbeitsalltag. Mit der Zeit entwickelt man ein immer besseres Verständnis dafür, welche Informationen man in einen Prompt aufnehmen sollte, um wirklich hilfreiche Antworten zu erhalten. Gerade dafür war das Onboarding sehr hilfreich, da dort noch einmal die Bedeutung präziser Prompts betont wurde.

Gleichzeitig habe ich dabei einige Funktionen und Tools kennengelernt, die ich zuvor noch nicht kannte, die sich im Arbeitsalltag aber als sehr nützlich erweisen – etwa bestimmte Workflows, beispielsweise den für Übersetzungen. Außerdem finde ich die Funktion, Prompts automatisch verbessern zu lassen, sehr praktisch. Auch die Möglichkeit, auf vorformulierte Prompts zurückzugreifen, erleichtert den Einstieg und hilft dabei, schneller zu guten Ergebnissen zu kommen. Zudem wurde im Onboarding noch einmal klargestellt, dass KI ein Assistent ist und keine Aufgaben ohne menschliche Prüfung erledigt werden sollten. Auch wenn das grundsätzlich klar ist, ist es dennoch gut, sich dies noch einmal bewusst zu machen.

Inwiefern verändert der Einsatz von KI deine Arbeit im juristischen Alltag?

Der Einsatz von KI verändert meinen juristischen Arbeitsalltag vor allem dadurch, dass viele Arbeitsschritte schneller und effizienter erledigt werden können. KI kann beispielsweise bei der Vorbereitung von Recherchen oder beim Zusammenfassen von Inhalten unterstützen. Dadurch bleibt mehr Zeit für die eigentliche juristische Analyse, für strategische Überlegungen und für die Abstimmung mit Mandanten.

Welchen Rat würdest du Nachwuchsjuristinnen und Nachwuchsjuristen geben, die bisher noch keine Berührungspunkte mit Legal Tech oder KI hatten?

Mein Rat wäre: Keine Hemmungen zu haben und die Tools einfach auszuprobieren. Man muss kein Technikexperte sein, um von KI zu profitieren. Wichtig ist dabei, die Ergebnisse immer kritisch zu hinterfragen und sie als Unterstützung – nicht als Ersatz – der eigenen juristischen Arbeit zu betrachten.

Darüber hinaus kann ich sehr empfehlen, das ohnehin verpflichtende Onboarding zu nutzen. So kann man das Potenzial von KI-Tools wirklich voll ausschöpfen und lernt zugleich, verantwortungsvoll und effizient damit zu arbeiten.

Worin siehst du Potenzial von KI für die juristische Ausbildung und Praxis?

Ich sehe großes Potenzial in KI sowohl für die juristische Ausbildung als auch für die Praxis. Sie kann dazu beitragen, juristische Arbeit effizienter zu gestalten und den Zugang zu Wissen zu erleichtern.

In der Ausbildung könnte KI beispielsweise dabei helfen, zentrale Rechtsfragen schneller zu verstehen, Meinungsstreitigkeiten übersichtlich darzustellen oder verschiedene Argumentationslinien durchzuspielen, sodass Studierende und Nachwuchsjuristinnen ein besseres Verständnis für komplexe Sachverhalte entwickeln. Auch Aufgaben wie die Erstellung eines Lernplans oder die Rechtschreib- und Formulierungskontrolle von Hausarbeiten können so erleichtert werden. Wichtig ist dabei, dass KI nur unterstützend eingesetzt wird, da man Prüfungen oder Klausuren weiterhin selbst bearbeiten muss – nur wer juristische Fragestellungen und Sachverhalte selbst bearbeitet, kann die erforderlichen juristischen Fähigkeiten erwerben.

In der Praxis kann KI repetitive Aufgaben übernehmen und damit mehr Raum für anspruchsvolle juristische Tätigkeiten schaffen, etwa für strategische Beratung oder den Dialog mit Mandanten. Richtig eingesetzt kann KI also ein klarer Wettbewerbsvorteil sein.

Für mich bietet KI zahlreiche Chancen, und ein verantwortungsvoller Einsatz mit entsprechender Qualitätskontrolle minimiert die Risiken. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass es viele Bereiche gibt, in denen sie die juristische Arbeit durch einen Menschen nicht ersetzen kann – Juristinnen und Juristen werden also keinesfalls überflüssig.

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