Hitze-Helfer oder Hokuspokus?: 7 Hitze-Mythen im Check
- Maximilian Benda
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Was hilft wirklich, wenn’s heiß wird? Gerade zwischen Vorlesung, Homeoffice oder Büro kann die Wärme zur echten Belastung werden. Doch rund um das Thema Hitze kursieren viele Mythen. Kalte Dusche, eisgekühlte Cola, der Ventilator – was hilft wirklich? Wir gehen der Sache auf den Grund und sagen dir, welche Tipps ein Mythos bleiben und wie du wirklich cool durch den Sommer kommst.
Kalt duschen lässt uns weniger schwitzen
Erstmal kalt duschen – das Bedürfnis kennen wir alle, wenn wir im Sommer nach Hause kommen. Aber was ist dran? Tatsächlich sinkt die Körpertemperatur erst einmal und unser Gehirn signalisiert Kälte. Dabei ziehen sich die Blutgefäße unter der Haut zusammen, um den Wärmeverlust zu verlangsamen. Nach dem Duschen weiten sich die Gefäße wieder und wir schwitzen oft stärker als vor dem Duschen.
Fazit: Mythos!
Was stimmt: Das Wasser sollte lauwarm sein. So fühlen wir uns nach dem Duschen erfrischt und schwitzen nicht übermäßig.
Warme Getränke kühlen besser als kalte
Eine Cola, ein Zitronenwasser oder ein Bierchen, aber bitte eiskalt! Was gibt es Erfrischenderes? Dennoch hält sich hartnäckig das Gerücht, dass warme Getränke bei Hitze besser für uns sind. Wahr ist: Warme Getränke helfen unserem Körper, zu schwitzen und so Wärme abzutransportieren. Gleichzeitig gibt es den Mythos, dass kalte Getränke erst auf Körpertemperatur gebracht werden müssen und der Körper mehr Energie verbraucht. Wahr ist: Kalte Flüssigkeiten werden erst im Magen und Darm passiv auf Körpertemperatur erwärmt. Dadurch kann die Körpertemperatur leicht sinken.
Fazit: Mythos!
Was stimmt: Forschende der Universität Gießen um Dr. Gernot Kuhnen haben herausgefunden, dass kalte Getränke den Körper minimal besser abkühlen. Das Wichtigste ist aber, genug zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen auszugleichen – egal, ob kalt oder warm.
Ventilatoren kühlen die Luft
Die frische Brise eines Ventilators ist wohltuend. Aber kühlt er den Raum wirklich? Nein, ein Ventilator bewegt nur die vorhandene warme Luft. Eine Kühlung des Raumes findet nicht statt.
Fazit: Mythos!
Was stimmt: Die Luft sorgt dafür, dass der Schweiß auf unserer Haut schneller verdunstet, was ein kühlendes Gefühl erzeugt. Pro-Tipp: Häng vor deinen Ventilator ein feuchtes Handtuch. Die Verdunstung kann dabei helfen, den Raum minimal abzukühlen. Achte aber darauf, dass die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ist. Das fördert die Schimmelbildung im Raum. Auch nachts kann der Ventilator eine echte Hilfe sein. Stell ihn an das geöffnete Fenster. Das beschleunigt den Austausch zwischen warmer und kalter Luft.
Helle Kleidung hält uns kühler
Helle Kleidung reflektiert das Sonnenlicht besser als dunkle. Aber der Effekt auf die Körpertemperatur ist im Vergleich zu schwarzer Kleidung laut Forschenden minimal.
Fazit: Mythos!
Was stimmt: Viel wichtiger ist der Schnitt der Kleidung: Locker geschnittene Klamotten sitzen nicht so eng am Körper. So kann durch die Lagen Luft strömen und die Wärme besser abtransportiert werden. Wenn die Kleidung locker sitzt, kann sie ruhig auch dunklere Farben haben.
Im Schatten bekommt man keinen Sonnenbrand
Viele Objekte in unserer Umgebung schützen nicht vollständig vor dem Sonnenlicht. Gleichzeitig reflektieren sie das Sonnenlicht und damit auch die UV-Strahlen. Das gilt übrigens auch am Strand und für den Schnee auf der Skipiste im Winter.
Fazit: Mythos!
Was stimmt: Auch im Schatten ist Sonnenschutz wichtig.
Ab 35 °C gibt es Hitzefrei
Leider mehr Wunsch als Wirklichkeit. Einen Rechtsanspruch oder eine zumutbare Höchsttemperatur gibt es weder für die Schule noch für die Uni oder den Job. Während in der Schule die Aufsichtspflicht gilt, nach Hause schicken also ohne weiteres ohnehin nicht geht, muss der Arbeitgeber dafür sorgen, dass alle Mitarbeitenden vor gesundheitlichen Gefahren geschützt sind.
Fazit: Mythos!
Was stimmt: Ab 26 °C Raumtemperatur soll der Arbeitgeber erste Maßnahmen prüfen, z. B. das Schließen der Jalousien oder Gleitzeit. Ab 30 °C müssen Maßnahmen ergriffen werden, z. B. das Bereitstellen von Getränken oder das Lockern der Kleiderordnung. Ab 35 °C seien Büros keine geeigneten Arbeitsräume mehr, sagen die „Technischen Regeln für Arbeitsstätten“. Der Arbeitgeber muss Lösungen finden, z. B. andere Räumlichkeiten zur Verfügung stellen oder Homeoffice ermöglichen. Einen Anspruch auf Hitzefrei hast du dennoch nicht.
Mittags ist die heißeste Zeit des Tages
Um 12 Uhr mittags ballert die Sonne erst so richtig und es ist die wärmste Zeit des Tages, oder? Das stimmt so nicht. Die Sonne steht aufgrund der Sommerzeit in Deutschland erst gegen 13 Uhr an ihrem höchsten Punkt und auch das kann je nach Ort nochmal um einige Minuten variieren.
Fazit: Mythos!
Was stimmt: Die wärmste Zeit des Tages ist eigentlich viel später, nämlich dann, wenn sich Häuser, Straßen und andere Objekte im öffentlichen Raum so weit aufgeheizt haben, dass sie zusätzlich Wärme abgeben. Das passiert häufig erst am späten Nachmittag zwischen 16 und 18 Uhr.
Du kannst der Hitze also nur schwer entkommen, aber diese Tipps helfen dir zusätzlich dabei, besser mit der Wärme klarzukommen:
- Früh morgens und spät abends lüften
- Tagsüber Fenster geschlossen halten
- Wohnung verdunkeln, am besten mit einer Außenverdunklung, wie Rollladen oder Markisen
- Körperliche Belastungen möglichst auf die Morgen- oder Abendstunden verlegen.
- Regelmäßig trinken
- Lockere Kleidung tragen