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Bio – und dann? Vier Naturkundler erzählen

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Im Oktober 2016 waren über 5.000 Biologen arbeitslos und mehr als 10.000 als arbeitssuchend gemeldet. Auch fällt gerade in der Biologie ein hoher Anteil an befristeten Stellen auf – nur jeder dritte Job ist dort als Daueranstellung ausgeschrieben. Vier Biologen berichten, wie sie es trotzdem geschafft haben, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Als Biologe – in der Unternehmensberatung

In meinen Studiengängen, Applied Biology und Molekulare Medizin, lag der Schwerpunkt auf akademischer Forschung. Für eine Unternehmenskarriere fühlte ich mich nicht vorbereitet. Also habe ich neben meiner Promotion in der in Humanbiologie allerlei Fortbildungen - von (Projekt-)Management bis zu Marketing & Logistik - belegt. Am Ende stand für mich fest: Ich möchte im Pharma- und Medizintechnik-Bereich arbeiten. Auf einem e-fellows.net-Event bin ich dann ...

... auf Accenture und den Beraterberuf aufmerksam geworden und habe mich schließlich beworben.

Bei Accenture habe ich die Möglichkeit, viele spannende Strategieprojekte in den Bereichen Pharma- und Medizintechnik zu betreuen. Das Unternehmen bietet die Möglichkeit, sich auf verschiedene Industrien zu spezialisieren, mein Job lässt sich also ausgezeichnet an mein Studienwissen anpassen.

Am Anfang musste ich natürlich in kurzer Zeit viel dazulernen, doch Schulungen und erfahrene Kollegen haben mir geholfen, die steile Lernkurve zu bewältigen.

Montag bis Donnerstag bin ich bei einem Kunden vor Ort und freitags im Münchner Büro. An meinem Job gefällt mir die Mischung aus Organisationsanalyse, Daten und wie wir mit Technologie eine Geschäftsstrategie unterstützen oder neu ausrichten können. Die Projektarbeit ist abwechslungsreich und ich kann mich mit vielen verschiedenen Leuten austauschen.

Dr. Fabian Mohr, Unternehmensberater

Als Biologe – in einem Start-up

Mein Studium der Biochemie habe ich recht intensiv und sehr auf das Akademische konzentriert betrieben. An dem Studienfach ragt für mich heraus, dass man in diesem Gebiet immer etwas Neues lernen kann und, in wie viele verschiedene Themengebiete einen das Biochemiestudium führen kann. Auch ist es beeindruckend, wie selbstverständlich international die Arbeit oft ist. Immer von vielen Nationen umgeben, hat mich mein Weg nach ...

... Israel (Masterarbeit Molekulare Evolution), Schweden (Doktorarbeit Strukturbiologie), die USA (Postdoc Immunologie) und jetzt wieder nach Schweden geführt.

Wie vielen Wissenschaftlern, die sich prinzipiell in der Forschung wohlfühlen, ist mir aber auch bewusst geworden, wie radikal sich das Anforderungsprofil in den Übergängen vom Studium zur Doktorarbeit, zum Postdoc und zum Bewerben auf Gruppenleiterstellen verschärft und verbreitert. Deswegen habe ich mich entschlossen, mich nach meinem Postdoc auf unterschiedliche Stellen "in der Industrie" zu bewerben.

Auch wenn dieser Schritt als reiner Akademiker nicht einfach war, war es für mich sehr positiv zu sehen, für wie viele verschiedene Stellen ich dank meiner Erfahrung prinzipiell gut qualifiziert bin und wie viele Wegen einem als Biochemiker offenstehen.

Mittlerweile bin ich in einem jungem Stockholmer Biotec-Start-up in der Forschung und Entwicklung angestellt. Meine Arbeit ist auch hier sehr forschungslastig. Mein Arbeitsalltag hat sich dadurch also nicht stark verändert. Ich bin verantwortlich für die Planung und Durchführung eines Projekts und leite dazu momentan einen jüngeren Mitarbeiter.

Die Koordination mit Kollegen und Vorgesetzten, um Vorgehen abzustimmen und sicherzustellen, dass wir uns entsprechend der Unternehmensstrategie in die richtige Richtung bewegen, spielt natürlich eine größere Rolle als sie das in der akademischen Forschung getan hat.

Persönlich gefällt es mir sehr, wie in der Industrie andere Schwerpunkte gesetzt werden. Zum Beispiel finde ich es gut, dass die Anreize für die Mitarbeiter und die Mission des Unternehmens klarer definiert sind und besser zusammenpassen: Das Unternehmen möchte etwas Wichtiges erfinden und jeder Mitarbeiter will ein erfolgreicher Teil davon sein.

In diesem Maße habe ich das an den Unis nicht erlebt, wo es Fördergelder, Gruppenleiter und Studenten schon gerne mal in verschiedene Richtungen zieht. Praktisch bedeutet das, unter anderem, dass meine Kollegen und ich in größeren Teams zusammenarbeiten und vielschichtige Projekte sehr effizient in Modulen bearbeitet werden können.

Dr. Hannes Uchtenhagen, Senior Scientist bei einem Biotec-Start-up

Als Biologe – in der industriellen Forschung

Ich habe Diplom Biologie an der TUM studiert. Die Disziplinen an der TUM beschränkten sich damals auf die drei klassischen Bereiche: Botanik, Zoologie und Mikrobiologie. Mein Interesse lag aber auf der Humanbiologie, so dass ich für Praktika, Diplomarbeit und PhD ins Klinikum "Rechts der Isar" ging. Während meiner Zeit dort ...

... habe ich Kenntnisse zu diagnostischen Verfahren, wie in-vitro Diagnostics, und Bildgebenden Verfahren (PET.), erworben. Auf Grundlage dieser Erfahrungen habe ich mich bei Roche in Kaiseraugst als Testentwickler beworben.
Zum Zeitpunkt meiner Anstellung wurde das Unternehmen Boehringer Mannheim gerade in den Roche-Konzern integriert. Das war eine sehr spannende Zeit, weil das Know-how von zwei Firmen zusammengetragen wurde. Eine meiner Aufgaben lag dementsprechend auch im Wissenstransfer: Von Kaiseraugst ging es für mich nach Penzberg.

Das Werk in Penzberg ist eines der größten Biotechnologiezentren in Europa. Es ist der einzige Roche-Standort weltweit, wo beide Divisionen des Roche-Konzerns – Pharma und Diagnostik – parallel forschen, entwickeln und produzieren.

Ich bin nun seit 18 Jahren in der Firma und seit acht Jahren als Abteilungsleiter im Bereich Forschung und Entwicklung. Aktuell ist es meine Aufgabe, gemeinsam mit meinen Mitarbeitern, ein Entwicklungsprojekt zu starten, das sowohl Geräte- als auch Testentwicklung beinhaltet. Genauso wie Diskussionen von Testmethoden und System Requirements sowie Themen zu Reagenzkonzepten, gehören auch Personalaufgaben wie Stellenausschreibungen, Bewerbungsgespräche und Infrastrukturorganisation zu meinem Aufgabengebiet. Die tägliche Arbeit in meinem Büro in München ist also sehr abwechslungsreich.

Bei Roche bin ich schon solange, weil es unterschiedliche berufliche Möglichkeiten und zahlreiche verschiedene und interessante Fragestellungen gibt. In der Vergangenheit habe ich bereits mit den Standorten in Europa, USA und Japan zusammengearbeitet. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen und die Kultur bei Roche sind zwei der Hauptargumente, warum ich hier auch noch lange bleiben werde.

Dr. Peter Heiss, Abteilungsleiter in Forschung & Entwicklung bei Roche

Als Biologin – in der Wissenschaft (sowie Zahlen & Fakten)

Ich habe im Bachelor-Studium Life Sciences studiert, ein sehr weit gefächertes Fach, das grundsätzliche Einblicke in viele Fachgebiete liefert. Am Ende des Studiums habe ich mich dann entschieden, den Standort und auch das Studienfach zu wechseln. Dazu habe ich mich ...

... bei einem Forschungsinstitut der Technischen Hochschule Mittelhessen für meine Bachelor-Arbeit beworben.

Meine Sorge, mit einem so breit gefächerten Studium keine Spezialisierung vornehmen zu können, ist schnell verflogen, als ich mich während meiner Bachelor-Arbeit in die Zellkulturtechnik vertieft habe und mir in diesem Bereich sehr viel neues Wissen angeeignet habe.

Mit dieser Zuversicht habe ich dann den Biotechnologie-Master an der Technischen Hochschule Mittelhessen angefangen. Während meines Studiums konnte ich weiter am Institut für Bioverfahrenstechnik und Pharmazeutische Technologie arbeiten und war in einem Projekt mit einem Industriepartner beschäftigt. Dadurch konnte ich meine Master-Arbeit in dieser Firma schreiben. So habe ich acht Monate Industrieluft in einem GMP-Betrieb geschnuppert – eine Erfahrung, auf die ich nur ungern verzichtet hätte.
Da meinem Institut im Rahmen eines Forschungszentrums Förderungen in Millionenhöhe zugesagt wurden, wurden viele Promotionsstellen ausgeschrieben. Meine Arbeitsgruppenleiterin fragte mich noch während meiner Master-Arbeit, ob ich Interesse an einer Promotion am Institut hätte. Das hatte ich.

Nun arbeite ich seit knapp drei Jahren an meiner Doktorarbeit. Meine Kollegen sind zum Großteil auch Doktoranden und es herrscht eine gute Stimmung im Team. Die Institutslabore sind sehr gut ausgestattet und jedem Doktoranden wird ermöglicht, auch an internationalen Kongressen teilzunehmen und seine Forschungsergebnisse zu präsentieren und diskutieren.

Rückblickend ist der Stein für die Promotion bereits ins Rollen gekommen, als ich mich entschlossen habe, an das IBPT zu gehen. Ich kann heutigen Studierenden nur empfehlen, sich schon während des Studiums an der eigenen Hochschule umzusehen, was an Forschung betrieben wird. Praktika oder eine Hiwi-Tätigkeit am Institut können vieles erleichtern. Beim Lernen der Theorie konnte ich oft den Bogen zu den Arbeiten in der Praxis schlagen.

Jasmin, Doktorandin der Biotechnologie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen

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