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Wissenschaftlichkeit hängt nicht an den Schwerpunkten

Die Krux mit der Zweiten Examensprüfung

Zweitens: Das zweite Staatsexamen ist derzeit eine Kopie der ersten Juristischen Prüfung, angereichert mit ein paar Zunftbräuchen, zum Beispiel um den Aufbau des Urteils, und erweitertem Stoffkanon bei deutlich schlechteren Vorbereitungsbedingungen. Zwischen den in den einzelnen Referendarstationen abverlangten praktischen Leistungen und der weitgehend theoretischen Prüfung des zweiten Staatsexamens besteht kaum ein innerer Zusammenhang.

Auch sind die Referendar-Arbeitsgemeinschaften (AG) von Bundesland zu Bundesland höchst unterschiedlich ausgestattet: Hier hauptamtliche Arbeitsgemeinschaftsleiter, dort lediglich nebenamtliche. Hier eine durchgehende Justiz-AG, dort lediglich eine Justiz-AG während der entsprechenden Station. Dem Bericht des KOA hätte es gutgetan, sich auch dieses Themas anzunehmen. Referendariat und zweites Staatsexamen gehören in den Fokus der Diskussion gerückt.

Dabei sollte grundsätzlich im zweiten Staatsexamen kein über die erste Juristische Prüfung hinausgehender Stoff abverlangt werden. Für eine Stofferweiterung bietet das Referendariat die denkbar schlechtesten Voraussetzungen.

Wissenschaftlichkeit des Studiums hängt nicht an den Schwerpunkten

Drittens würde nicht eintreten, was viele Befürworter der Schwerpunkte befürchten: Der wissenschaftliche Charakter des Jura-Studiums würde nicht durch die Abschaffung der Schwerpunkte in Frage gestellt. Wohl aber hat der wissenschaftliche Charakter durch eine zunehmende Verschulung des Studiums und die Überbetonung von Soft Skills gelitten.

Im Gegensatz zu anderen Wissenschaftsdisziplinen hat die Rechtswissenschaft keinen außerhalb der Sprache liegenden Gegenstand, konstituiert doch die Sprache selbst das Fach. Man kann daher Rhetorik nicht auf universitäre Schlüsselqualifikationszentren auslagern. Gefragt sind vielmehr Grundlagenseminare und die kritische Diskussion im rechtswissenschaftlichen Seminar.

Auch trägt die Abschaffung der Hausarbeit (in der großen Übung ganz oder nur noch in zwei Teildisziplinen) zur Verflachung des Studiums bei. Ein Vergleich der im Studium zu erbringenden Leistungen und deren Voraussetzungen fehlt in dem Bericht des KOA noch. Auch hier besteht Harmonisierungs- und – was die sogenannten Soft Skills anbetrifft – Entschlackungsbedarf.

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