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Welches Rechtsgebiet darf's denn sein?

Jura (Quelle: freeimages.com, Autor: plex)

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Du hast schon im Jura-Studium ein Rechtsgebiet gefunden, das dich besonders interessiert? Aber wie arbeitet es sich damit in der Praxis? Das Referendariat ist ein guter Zeitpunkt, das herauszufinden. Drei Referendare berichten von ihren Anwaltsstationen im Bank-, Steuer- und Gesellschaftsrecht.

Drei Referendare von Clifford Chance, Freshfields Bruckhaus Deringer und Hengeler Mueller verraten, ob sie ihrem Rechtsgebiet treu bleiben möchten. Sie haben ihr Referendariat in folgenden Rechtsgebieten absolviert:

Banking und Finance

Die Tätigkeit im Bereich Bank- und Finanzrecht ist sehr breit gefächert. Es gibt neben dem klassischen beratenden Bankaufsichtsrecht verschiedene Transaktionsbereiche, in denen sowohl Zivil-, Handels- und Gesellschaftsrecht, Insolvenzrecht ebenso wie internationales Privatrecht zusammenspielen. Beratungsschwerpunkte sind die Beratung bei in der Regel grenzüberschreitenden Finanzierungstransaktionen und Restrukturierung, sowie auch das klassische Bankaufsichtsrecht.

Mortimer Berlet von Clifford Chance arbeitete für das Hongkonger Büro: "Wir haben uns um die Finanzierung von Kasinos in Macao gekümmert."

Gesellschaftsrecht

Anwälte im Gesellschaftsrecht strukturieren Transaktionen und koordinieren die Beratung durch das Anwaltsteam. Die Tätigkeitsfelder sind dabei M&A, öffentliche Übernahmen, Private Equity, Venture Capital, Restrukturierung und Insolvenz.

Stephan Hennrich von Hengeler Mueller begleitete während seines Referendariats den Verkauf eines Unternehmens: "Es war toll, so nah an einer Transaktion dran zu sein."

Steuerrecht

Steuerrecht ist das Teilgebiet des öffentlichen Rechts, das die Festsetzung und Erhebung von Steuern regelt. Die Besonderheiten bei der Arbeit eines Steueranwalts: Er muss eine Vielzahl von Gesetzen und Normen im Blick behalten, die sich außerdem sehr häufig ändern.

Referendarin Nina Sombeck von Freshfields Bruckhaus Deringer kennt die Vorurteile übers Steuerrecht: "Mein Rechtsgebiet ist überhaupt nicht trocken - Steuerrecht berührt jeden Lebensbereich und ist oft ein entscheidender Faktor bei Transaktionen."

Referendariat im Bank- und Finanzrecht

Wie kam es dazu, dass Sie Ihre Wahlstation bei Clifford Chance verbracht haben?

Ich war schon während meines Studiums wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Clifford Chance, da lag es nahe, auch mein Referendariat hier zu machen. Ich habe mich bei Clifford Chance im Bankrecht überwiegend mit Verbriefungen beschäftigt, also mit dem Verkauf und Transfer von Forderungen. Meine Wahlstation habe ich im Büro von Clifford Chance in Hongkong verbracht. Ich wollte ins englischsprachige Ausland, aber an einen etwas "exotischeren" Ort. Das Büro in Hongkong ist unter anderem in den Bereichen Finance, Litigation, Real Estate, Corporate und Tax tätig, ich selbst habe dort in der Finanzierung gearbeitet, genauer gesagt haben wir uns vor allem mit der Finanzierung von Kasinos in Macao beschäftigt. Macao ist das Las Vegas Chinas, dort entstehen einige neue Kasinos.

Wie ist es, in Hongkong zu arbeiten?

In Hongkong spricht man Kantonesisch, aber eine der Amtssprachen ist immer noch Englisch, da die Stadt ja früher eine englische Kolonie war. Die jüngere Generation dort spricht fließend Englisch, man kommt mit dieser Sprache gut durch den Alltag und durch die Arbeit. Auch Anwälte aus England werden für eine Zeit nach Hongkong entsendet, die Atmosphäre ist also insgesamt recht international. Das gilt auch für die Kanzlei: Bei uns gab es Anwälte aus Europa, USA, Australien und aus anderen Teilen Asiens. Das Wohnen in Hongkong ist wahnsinnig teuer - ich hatte eine 10 qm-Wohnung, für die ich ungefähr 900 Euro bezahlt habe. Im Übrigen besteht ein ausgewogenes Preisniveau.

Was waren Ihre Aufgaben in der Kanzlei?

Ich war hauptsächlich mit zwei Transaktionen beschäftigt: Einmal haben wir uns um die Finanzierung eines Kasinos gekümmert, das gerade gebaut wurde. Ich habe bei den Darlehens- und Sicherheitenverträgen assistiert, dafür recherchiert, Korrektur gelesen und abgeglichen. Die zweite Transaktion ging von unserem Büro in Amsterdam aus, das einen Konzern mit einer Tochterfirma in Hongkong betreut hat. Wir haben die Tochterfirma beraten und uns zum Beispiel darum gekümmert, die Sicherheiten zu bestellen.

Wie leicht ist es für einen Juristen, im Ausland zu arbeiten?

Eher schwierig, da man juristisch meist nur beraten darf, wenn man im jeweiligen Land zugelassen ist, also dort einen Abschluss gemacht hat. Daher ist das Referendariat eine gute Gelegenheit, wenn man doch mal Arbeitserfahrung im Ausland sammeln möchte. Als Referendar erledigt man nicht immer juristische Tätigkeiten, sondern recherchiert und unterstützt viel - und das ist problemlos auch im Ausland möglich. Dabei muss man sich aber andererseits auch bewusst sein, dass man nicht unbedingt examensrelevanten Stoff behandelt.

Was ist das Besondere an Ihrem Rechtsgebiet?

Im Bankrecht und speziell bei Verbriefungen hat man viel mit allgemeinem Zivilrecht zu tun, das kommt mir entgegen. Es gibt auch viele Schnittstellen zum Steuer-, Insolvenz- und Gesellschaftsrecht. Verbriefung ist ein wichtiges Spezialgebiet - fast jede Bank nutzt derartige Strukturen zur Finanzierung und Refinanzierung.

Möchten Sie auch weiterhin in Ihrem momentanen Rechtsgebiet arbeiten?

Ja, denn man bekommt über die Jahre viel mit. Es ist eine Herausforderung, eine Transaktion so zu strukturieren, dass sie funktioniert. Die Finanzkrise zeigt außerdem, dass die Branche sehr wandelbar ist und sich den Gegebenheiten anzupassen hat, das macht es spannend.

Referendariat im Steuerrecht

Wie wurden Sie zur Referendarin bei Freshfields Bruckhaus Deringer?

Ich habe im Studium an einem Workshop von Freshfields teilgenommen, der mir sehr gut gefallen hat. Danach bin ich mit Freshfields in Kontakt geblieben, um einen tieferen Einblick in die Arbeit einer Großkanzlei zu bekommen. Das Referendariat schien mir dafür gut geeignet, weil man für eine längere Zeit am Arbeitsalltag teilnehmen kann.

Wieso haben Sie sich auf Steuerrecht spezialisiert?

Bereits im Studium habe ich Steuerrecht als Schwerpunkt gewählt, wodurch ich damals auch auf den Tax-Workshop von Freshfields aufmerksam geworden bin. Vor meinem Jura-Studium habe ich ein duales Studium zur Diplom-Finanzwirtin an der FH abgeschlossen, bei dem ich neugierig auf Jura geworden bin. Die Arbeit mit Gesetzen macht mir einfach Spaß - und Steuerrecht fand ich immer schon spannend.

Was sagen Sie Menschen, die Steuern und alles Drumherum langweilig finden?

Das ist ein absolutes Vorurteil! Das habe ich auch schon oft gehört: Mein Gott, wie kannst du nur, das ist doch so trocken! Dabei ist Steuerrecht so vielschichtig. Steuern betreffen jeden Lebensbereich. Egal was man macht, alles hat irgendwie mit Steuern zu tun - beim Einkaufen zahlt man Mehrwertsteuer, Zinsen auf dem Girokonto lösen unter Umständen Abgeltungssteuer aus und so weiter. Diese Beispiele verdeutlichen, wie jeder im Alltag mit Steuern konfrontiert wird. Daher ist es aus beruflicher Sicht umso spannender, für den Mandanten verschiedene Gestaltungsvarianten bei großen Unternehmenstransaktionen durchzuspielen und dabei jeweils die steuerrechtlichen Konsequenzen zu bedenken. Steuerrecht ist dabei oft ein maßgeblicher Entscheidungsfaktor dafür, wie eine Transaktion umgesetzt wird.

Wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus?

Ich beschäftige mich insbesondere mit den steuerrechtlichen Fragen, die sich bei Unternehmenstransaktionen ergeben. Das betrifft vor allem Körperschaft-, Umwandlungs- und Grunderwerbssteuer einschließlich der internationalen steuerrechtlichen Bezüge. In diesem Zusammenhang verfasse ich Gutachten und Vermerke, recherchiere und passe Vertragsentwürfe an. Außerdem konnte ich auch im Rahmen eines finanzgerichtlichen Verfahrens tätig werden, für das ich zum Beispiel diverse Schriftsätze entworfen habe. Dabei durfte ich auch den zuständigen Anwalt zur mündlichen Verhandlung vor Gericht begleiten.

Kann man auch ohne Vorwissen im Steuerrecht arbeiten?

Das geht auf jeden Fall, bei uns gibt es auch zwei Anwälte, die keine Vorkenntnisse hatten. Gerade das Referendariat ist eine gute Gelegenheit, ein neues Rechtsgebiet kennenzulernen. In der täglichen Arbeit lernt man unheimlich viel. Außerdem wurde mir immer die Möglichkeit gegeben, mich einzulesen und viele Fragen zu stellen.

Werden Sie sich auch weiterhin aufs Steuerrecht spezialisieren?

Mit Sicherheit! Wie gesagt, es ist ein hochinteressantes Rechtsgebiet. Steuerrecht machen nicht so viele Studenten, man ist also immer in kleinen Gruppen und hat super Lernbedingungen. Außerdem hat man im Steuerrecht sehr gute Berufschancen. Für die Auswahl während des Referendariats muss man aber vielleicht noch berücksichtigen, dass man keinen examensrelevanten Stoff lernt, wenn man im Steuerrecht Pflicht- oder Wahlstation macht und in dem betreffenden Bundesland Steuerrecht nicht Klausurgegenstand ist. Wenn man darauf Wert legt, dann sollte man eher ein "klassisches" Rechtsgebiet auswählen. Interessiert man sich allerdings im Hinblick auf den späteren Berufseinstieg für ein spezielles Rechtsgebiet, vergibt man dabei meines Erachtens unter Umständen die Chance, das Referendariat dafür zu nutzen, in den Bereich reinzuschnuppern, in dem man später auch tätig sein möchte.

Referendariat im Gesellschaftsrecht

Wie kamen Sie zu Ihrer Referendariatsstation bei Hengeler Mueller?

Ich kannte Hengeler Mueller dem Namen nach sogar schon in der Schule und habe dann während meines Jura-Studiums ein Sommerpraktikum in der Kanzlei gemacht. Der Kontakt zu meinem Tutor dort blieb erhalten, und es bestand das Angebot, bei Hengeler Mueller eine Station während meines Referendariats zu absolvieren. Mir war dabei wichtig, die Bereiche Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht, in letzterem speziell den Bereich Finanzierung, kennenzulernen - und ich wollte ins Ausland. Das hat auch geklappt: Den einen Teil meiner Anwaltsstation habe ich im Frankfurter Büro von Hengeler Mueller verbracht, den anderen im Londoner Büro.

Wie sah Ihr Arbeitsalltag aus?

In Frankfurt habe ich vorwiegend im Bereich Gesellschaftsrecht und M&A gearbeitet. Dabei ging es vor allem um Unternehmenskäufe, für die wir Kaufverträge entwerfen und später abwickeln. Dabei muss man vieles berücksichtigen: Besonderheiten des Unternehmens, Regelungen über den Kaufpreis, das Kartellrecht, und in meinem Fall auch die Zustimmung von Bundesbank und BaFin. Ich hatte das Glück, dass gerade das "Closing" einer großen Transaktion anstand, also der Vollzug eines Unternehmenskaufs. Hier habe ich an Telefonkonferenzen und Meetings mit Mandanten teilgenommen und dabei geholfen, den Vertrag und andere Dokumente fürs Notariat zu gestalten. Es war toll, so nah an einer Transaktion dran zu sein und sie komplett mitzuerleben - normalerweise bekommt man im Referendariat nur Teilaufgaben.

Und wie sah Ihre Arbeit in London aus?

Dort war ich im Bereich Finanzierung tätig. Ich habe also zum Beispiel an Vertragsdokumentationen für die Finanzierung von Unternehmen mitgearbeitet. Dazu gehören auch Recherchen zu einzelnen Problemen, etwa im Insolvenzrecht. Außerdem habe ich Mandantenanfragen beantwortet und Schriftsätze für Rechtsstreitigkeiten entworfen.

Welche Vorkenntnisse hatten Sie vor dem Start?

Vorkenntnisse sind immer hilfreich, aber letztlich betritt man bei den Hengeler-Mueller-Mandaten ohnehin zumeist Neuland. Gut ist, wenn man sich in neue Probleme schnell hineindenken kann. Es wird nicht erwartet, dass man fürs Referendariat als Spezialist in die Kanzlei kommt - das wird ja noch nicht einmal von Anwälten erwartet. Man arbeitet sich ein und lernt, die sich stellenden Fragen zu Ende zu denken. Außerdem haben die Kollegen bei Hengeler Mueller immer ein offenes Ohr, wenn man Fragen hat oder einzelne Themen diskutieren möchte.

Welche Tipps haben Sie für andere Jura-Studenten?

Man sollte im Referendariat und auch schon davor verschiedene Rechtsgebiete ausprobieren, die einen interessieren. Es hilft auch, sich mit Anwälten aus anderen Rechtsgebieten zu unterhalten. So versteht man, worum es in den Bereichen eigentlich geht und wie die Arbeit dort aussieht. Man sollte einfach neugierig sein.

Möchten Sie Ihrem momentanen Rechtsgebiet treu bleiben?

Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe mir mein Rechtsgebiet fürs Referendariat bewusst ausgewählt. Der Bereich Finanzierung hat etwa großen Bezug zum Sachenrecht, das mir viel Spaß macht. Der Grund dafür ist, dass das Sachenrecht in sich sehr schlüssig und logisch aufgebaut ist. Man kommt mit wenigen Grundprinzipien zur Lösung und auch wenn es kompliziert wird, kann man sich die Lösung erschließen.

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