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Einstieg in Europas größter Behörde

Europäische Flaggen vor der EU-Kommission in Brüssel [Quelle: Unsplash.com, Autor: Guillaume Périgois]

Quelle: Unsplash.com, Guillaume Périgois

Als Case Handler bei der Europäischen Kommission in Brüssel erwartet dich ein internationaler und abwechslungsreicher Job im Bereich des Wettbewerbs- und Kartellrechts, ob bei einer Station als Rechtsreferendar oder in der Festanstellung. Tobias P. Maass gewährt einen Einblick in seinen Berufsalltag.

Während meines Studiums der Rechtswissenschaften in Freiburg, Heidelberg und Chicago entwickelte ich ein gesteigertes Interesse für das Wettbewerbs- und Kartellrecht. Um meine erworbenen theoretischen Kenntnisse durch praktische Erfahrungen aufzuwerten, bewarb ich mich während meines Referendariats um eine Station (stage) bei der Generaldirektion Wettbewerb (DG COMP) der Europäischen Kommission.

Das Praktikantenprogramm der Europäischen Kommission

Die Europäische Kommission besitzt ein festes Praktikantenprogramm und stellt grundsätzlich zweimal im Jahr zu festen Terminen für jeweils fünf Monate ca. 650 Praktikanten ein (stagiaire typique). Hinzu kommen aber auch zahlreiche sogenannte atypische Praktikanten (stagiaires atypiques), die sich direkt bei der jeweiligen Generaldirektion und ihren jeweiligen Referaten für eine stage bewerben können. Im Gegensatz zu der stage typique kann eine stage atypique kürzer als fünf Monate – mindestens aber drei Monate – dauern und ist nicht an feste Termine gebunden. Demgegenüber wird sie aber auch nicht bezahlt. Sie bietet sich im Besonderen für deutsche Rechtsreferendare an, wird aber auch von Doktoranden oder fertigen Assessoren benutzt, um einen in dieser Form einmaligen Einblick in die Arbeit der Europäischen Kommission zu erhalten. Unbedingte Voraussetzung sind ein Universitätsabschluss oder Erstes Staatsexamen sowie grundsätzlich sehr gute Englischkenntnisse. Französisch ist in vielen Fällen zwar durchaus von Vorteil, aber in den meisten Generaldirektionen keine zwingende Voraussetzung mehr. So waren beispielsweise meine eigenen Französischkenntnisse zum Zeitpunkt meiner stage nicht besonders ausgereift. Man sollte sich bei seiner Bewerbung nicht scheuen, neben der HR-Abteilung aktiv einzelne Referate frühzeitig zu kontaktieren. Ich entschloss mich für eine Station im Bereich der Kartellverfolgung. Die Arbeit war spannend und vielseitig, obwohl man sich zeitweise auch mit reinen Übersetzungstätigkeiten herumplagen musste. Dafür wird man schnell als vollwertiges Mitglied in das jeweilige Referat oder Case Team integriert. Bei der Kommission herrscht ein aus dem anglo-amerikanischen Raum bekannter Duz-Comment sowie generell eine fast schon familiäre Arbeitsatmosphäre. Dabei macht sich auch das recht junge Durchschnittsalter innerhalb der DG COMP positiv bemerkbar. Die durchweg guten Erfahrungen aus der Station gaben letztlich auch den Ausschlag, mich bei der Kommission zu bewerben.

Berufseinstieg bei der Kommission: Der concours

Für einen dauerhaften Einstieg bei der Kommission oder anderen EU-Institutionen führt grundsätzlich kein Weg an den berüchtigten, teilweise stark standardisierten Auswahlverfahren (concours) vorbei. Diese Auswahlverfahren werden speziell im Amtsblatt und über die Website des Europäischen Amts für Personalauswahl (EPSO) ausgeschrieben. Sie sind oft auf einen speziellen Teilnehmerkreis ausgerichtet und finden in unregelmäßigen Zeitabständen statt. Daher ist es gar nicht einfach, einen passenden concours zum richtigen Zeitpunkt zu finden. Zudem kann sich ein concours von der Anmeldung bis zur konkreten Einstellung über Jahre hinweg ziehen. Auch ist die Konkurrenz bei den meisten concours sehr groß. Dennoch sollte man sich nicht durch die Statistik abschrecken lassen. Eine gute Vorbereitung ist aber ein Muss. EPSO hat im Übrigen Besserung hinsichtlich der Verfahrensdauer und der Transparenz gelobt. Ab 2010 sollen Auswahlverfahren jährlich angeboten und die Dauer des Verfahrens drastisch reduziert werden. Während meiner Promotionsphase fand der allgemeine EU-Juristen-Concours für die Europäischen Institutionen statt. Nachdem ich das schriftliche und mündliche Auswahlverfahren erfolgreich überstanden hatte, gelangte ich auf die Liste der Laureaten. Erst wenn man auf dieser Liste ist, kann man sich direkt bei den einzelnen Referaten für eine Stelle als Europäischer Beamter bewerben. Ein gewisser Stallgeruch durch eine vorherige stage schadete dabei vermutlich nicht. Letztlich wurde mir eine Stelle als Case Handler in der Generaldirektion Wettbewerb im Bereich der Fusionskontrolle angeboten.

Meine Tätigkeit im Bereich der Fusionskontrolle

Die Fusionskontrolle der Kommission ist organisatorisch in mehrere Referate mit Sektorschwerpunkten aufgeteilt. Zusammen formen diese Referate das sogenannte Merger Network. Die jeweiligen Fusionsfälle werden im Team bearbeitet, das sich aus mindestens zwei Case Handler sowie einem Case Manager zusammensetzt. Oft ist dabei sowohl ein Ökonom als auch ein Jurist Mitglied des Case Teams. Die tägliche Zusammenarbeit mit Kollegen aus 27 Mitgliedsländern der Gemeinschaft schafft eine einmalige Arbeitsatmosphäre. Da innerhalb des Wettbewerbsrechts die Fusionskontrolle auf Gemeinschaftsebene eine besonders junge Rechtsmaterie darstellt, ist man fast täglich mit neuen, interessanten Rechts- und Sachfragen konfrontiert. Die zeitliche Belastung kann dabei phasenweise Ausmaße annehmen, wie man sie sonst nur von Großkanzleien kennt. Dafür gibt es angemessenen Freizeitausgleich sowie eine im Vergleich zum deutschen Öffentlichen Dienst immer noch angemessene Besoldung. Alles in allem habe ich bisher meine Entscheidung, für die Europäische Kommission zu arbeiten, noch keinen Tag bereut und kann jedem empfehlen, sich durch eine Station einen eigenen Einblick zu verschaffen.

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