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Die Tätigkeit als Jurist bei der Bundesverwaltung

Satellit Radio Fernsehen Antenne Empfang [Quelle: Unsplash.com, Autor: Gilles Rolland-Monnet]

Quelle: Unsplash.com, Gilles Rolland-Monnet

Die Tätigkeit in der Bundesverwaltung erfreut sich in den vergangenen Jahren zunehmender Beliebtheit unter den Juristen. Grund hierfür mag nicht zuletzt die Aussicht auf einen krisensicheren Job und geregelte Arbeitszeiten sein. Ausschlaggebend für Dr. Ingo Sparmanns Bewerbung bei der Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BDBOS) war das interessante Aufgabenspektrum, das dort geboten wird.

Die Bundesanstalt für den Digitalfunk der BOS

Die BDBOS ist eine noch recht junge Bundesanstalt, eingerichtet am 2. April 2007, die eines der größten Projekte für die öffentliche Sicherheit Deutschlands steuert: Die Einführung des Digitalfunks für alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Es handelt sich um ein äußerst komplexes Vorhaben, da ein bundesweit einheitliches Netz errichtet wird. Dies wiederum bedeutet, dass nicht nur die Interessen des Bundes, sondern auch die der sechszehn Bundesländer Berücksichtigung finden müssen. Aufgabe der BDBOS ist es insoweit, die technischen Anforderungen sowie die Entwicklung des Digitalfunks BOS anhand der Nutzerinteressen zu koordinieren. Zugleich steuert sie als Vertragspartnerin des Systemtechniklieferanten und weiterer Dienstleister den Abruf und Aufbau der erforderlichen Funktechnik und ist für die Überwachung des Betriebs zuständig. Den Auftrag zur Durchführung des Betriebs hat die BDBOS erst vor Kurzem – am 22. März 2010 – an ein privates Unternehmen vergeben.

Die Tätigkeit im Rechtsreferat der BDBOS

Angesichts der genannten Aufgaben der BDBOS erwartete mich als Mitglied des Rechtsreferats ein interessantes und sehr abwechslungsreiches Tätigkeitsfeld. Der Schwerpunkt liegt aufgrund der vielfältigen vertraglichen Beziehungen der Bundesanstalt im Bereich des Zivil- bzw. Vertragsrechts. Aber auch das öffentliche Recht spielt natürlich eine Rolle, so z. B. bei dem in Kürze beginnenden Prozess der Zertifizierung von Endgeräten für den Digitalfunk BOS durch die Bundesanstalt. Auch die rechtliche Begleitung von Vergabeverfahren gehört zu den Aufgaben, die das Rechtsreferat der BDBOS wahrnimmt.

Was die Tätigkeit bei der BDBOS auszeichnet, ist die Arbeit in interdisziplinären Teams aus Ingenieuren, Informatikern, Betriebs- und Diplom-Verwaltungswirten und Angehörigen der BOS (z. B. von Polizei und Feuerwehr). Hierbei sind große Eigeninitiative und technisches Verständnis gefordert: Gemeinsam werden im Rahmen der Projektarbeit Konzepte und Lösungsvorschläge für die vorher definierten Aufgabenstellungen erarbeitet. Dabei besteht für mich als Jurist – über die Prüfung von reinen Rechtsfragen hinaus – die Möglichkeit, eigene Ideen und Vorstellungen in die Diskussion einzubringen.

Aufgrund der Vielzahl von Themen, die eine zum Teil parallele Bearbeitung erfordern, und angesichts von oftmals kurzfristig zu bearbeitenden Anfragen, ist bereits bei der Planung des Arbeitstages Flexibilität gefordert. Soweit die Arbeitsbelastung im Einzelfall aufgrund termingebundener Anfragen im Projekt Digitalfunk BOS besonders hoch ist, kann dies durch das eine oder andere verlängerte Wochenende ausgeglichen werden.

Der Einstieg in die Bundesverwaltung

Der Weg in den öffentlichen Dienst führt für Juristen – jedenfalls im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern (BMI), zu dem die BDBOS gehört – über ein eintägiges Assessment-Center. Im Vorteil ist hier, wer neben guten juristischen Qualifikationen auch schon über Berufserfahrung verfügt. Eine Spezialisierung auf ein bestimmtes Fachgebiet ist dagegen nicht gefordert – gesucht wird eher der vielseitig einsetzbare Generalist, der in der Lage ist, sich schnell auch in neue Rechtsmaterien einzuarbeiten. Außerdem sollte man gute Kommunikationsfähigkeiten und Interesse an Teamarbeit mitbringen.

Wer sich für eine Tätigkeit in der Bundesverwaltung interessiert, dem stehen zahlreiche Möglichkeiten offen, schon im Rahmen des Referendariats erste Erfahrungen zu sammeln. So besteht z. B. auch bei der BDBOS für Referendare die Möglichkeit, ihre Wahlstation abzuleisten. Ich selbst habe im Rahmen meiner Auslandsstation an der deutschen Botschaft in Buenos Aires einen ersten Einblick in die Aufgaben eines Ministeriums bekommen. Auch wenn sich meine jetzige Tätigkeit inhaltlich stark von den Aufgaben eines Juristen beim Auswärtigen Amt unterscheidet, hat die Zeit an der Botschaft meine Entscheidung, mich beim BMI bzw. der BDBOS zu bewerben, durchaus positiv beeinflusst. Auch wenn man sich im Ergebnis gegen eine Bewerbung bei der Bundesverwaltung entscheiden sollte, ist man um eine interessante Erfahrung reicher. Eine Referendarstation in der Bundesverwaltung ist daher in jedem Fall empfehlenswert.

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"Perspektiven für Juristen" gibt einen Überblick über Berufsbilder und bietet hilfreiche Tipps für die Studien- und Karriereplanung für angehende Juristen.

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