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Mündliche Kommunikation

Neben diesen Unterschieden ist mir ganz besonders die amerikanische Feedbackkultur aufgefallen. Inzwischen ist es auch hierzulande durchaus üblich, am Ende einer Veranstaltung mündliche Rückmeldungen einzuholen. Wo man im Deutschen allerdings von positiven und negativen Aspekten spricht – und das zum Teil sehr offen und kritisch – heißt es im Englischen "Pluses" und "Deltas". Das mag zunächst nach Wortklauberei klingen, ist aber viel mehr, als nur das Wort "Minus" durch "Delta" zu ersetzen. Kritik sollte immer konstruktiv vorgetragen werden. Anstatt also zu sagen: "Das Thema wurde viel zu kurz und oberflächlich besprochen", sollte man besser sagen: "Ich würde mir eine ausführlichere und tiefergreifende Diskussion des Themas bei nächster Gelegenheit wünschen." Je konkreter man benennen kann, wie und warum etwas in Zukunft anders laufen kann und sollte, desto eher findet man Gehör. Von dieser Einstellung könnte sich meiner Meinung nach der ein oder andere Kollege Miesepeter eine Scheibe abschneiden. 

Auch wenn der Umgangston und die Atmosphäre im Englischen vielleicht ungezwungener wirken, was unter anderem durch die flächendeckende Verwendung des Vornamens so scheinen mag, ist es meines Erachtens wichtig, auf eine positive und konstruktive Grundhaltung zu achten. 

Spezialsituationen

Zu guter Letzt will ich noch einige Sondersituationen und anglistische Spezialitäten erwähnen, die mir untergekommen sind. Gegen das grundsätzliche Problem, dass die englische Sprache hier und da unpräziser ist, als (Achtung, Vorurteil!) wir ordentlichen Deutschen es gewohnt sind, gibt es nach meiner Erfahrung kein Allheilmittel. Speziell bei der Übersetzung von Marketingtexten stellt mich das immer wieder vor Probleme. Zum Beispiel klingt das Wort "Academia" im Englischen sehr griffig, und niemand scheint sich darum zu kümmern, wer oder was genau in diese Kategorie fällt. Im Deutschen gibt es aber Universitäten, Hochschulen, Fachoberschulen etc. Ein Sammelbegriff, sofern er überhaupt existiert, ist wahrscheinlich sehr lang und wenig zweckmäßig. 

Zum anderen haben englische Texte, speziell Werbetexte, häufig einen stark appellativen Charakter. Ein simples "Buy now!" kann man aber nicht mit "Kauf jetzt!" übersetzen. Auch "Kaufen Sie jetzt!" erscheint mir persönlich viel zu aufdringlich. Grund hierfür sind wohl vor allem kulturelle Unterschiede im Sprachgebrauch.

Schriftliche Rückmeldungen können ein ähnliches Minenfeld sein. Bei meinem derzeitigen Arbeitgeber zum Beispiel werden jedes Jahr solche Rückmeldungen eingefordert. Obwohl alle Texte englisch sind und es ein Formular dafür gibt, gibt es himmelweite Unterschiede – vor allem von Land zu Land. In Deutschland ist es durchaus erwünscht, klar zu bewerten, wie gut einem etwas gefallen hat. Besonders Negativurteile sollte man aber gut belegen, begründen und Verbesserungsvorschläge unterbreiten. Bei amerikanischen Kollegen hat dieser Stil Schockwirkung. Verbesserungsvorschläge sind durchaus erwünscht, jemanden ausdrücklich negativ zu bewerten ist jedoch meiner Erfahrung nach unüblich.

Anstatt also zu schreiben: "Der Kollege legt überhaupt keinen Wert auf Pünktlichkeit und vergeudet damit meine Zeit und die aller anderen Betroffenen", sollte man eher vorsichtig formulieren: "Das Einhalten aller Fristen und Termine ist eine große Herausforderung, deren Bewältigung allen Effizienzvorteile verschafft. Deshalb wäre es für die Zukunft wünschenswert, wenn der Kollege diesen Aspekt noch stärker als bisher in seiner täglichen Arbeit berücksichtigt."

Irgendwo dazwischen liegen gemäß meinen Erfahrungen die Briten. Der Sinn für (Selbst-)Ironie mag hilfreich dabei sein, die im Durchschnitt wohl etwas negativere Grundstimmung eines deutschen Kollegen zu absorbieren. Wenn man einander besser kennt, ist es durchaus akzeptabel, offen Kritik zu äußern. Zur Sicherheit stelle ich aber bei Bedarf ein mehr oder weniger ernstes "Du weißt ja, dass ich aus Deutschland komme, also nimm meine Kritik nicht so persönlich; ich bin halt so" voran. Das lockert die Atmosphäre etwas auf und macht das Gegenüber empfänglicher für die eigentliche Botschaft. 

Es gibt sicherlich noch viele weitere Sonderfälle, über die es sich lohnen würde zu berichten (Small Talk mit Kunden – zum Beispiel auf einer Messe, bei Telefonkonferenzen, …). Die hier exemplarisch vorgestellten Situationen sollten jedoch ausreichen, um zu verdeutlichen, dass man immer noch etwas dazulernen kann. Eine Sprache – und speziell die englische Sprache – zu beherrschen, bedeutet mehr, als nur ein reiches Vokabular zu haben. Vielmehr geht es darum, einen der jeweiligen Situation angemessenen Ton zu treffen, und der kann durchaus von dem im Deutschen üblichen Ton abweichen. Umso wichtiger ist es, möglichst früh vielfältige interkulturelle Erfahrungen zu sammeln. Ich persönlich habe zum Beispiel sehr von einem Schüleraustausch mit England sowie einem Studienjahr in den USA profitiert und kann jedem nur empfehlen: Rede mit Muttersprachlern. Je öfter, desto besser. 

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