Partner von:

Zahlt sich ein Studium wirklich aus?

Leerer Hörsaal [Quelle: unsplash.com, Changbok Ko]

Quelle: unsplash.com, Changbok Ko

Grundsätzlich gilt: Bildung lohnt sich immer. Ob es aber ein Studium braucht, hängt auch von der Branche ab.

Nach dem Schulabschluss stehen Abiturienten vor der Entscheidung, ob sie studieren oder eine Lehre machen sollen. Je nachdem, wen sie fragen, bekommen sie mutmaßlich entweder den Ratschlag "Mach lieber eine Ausbildung, das ist etwas Handfestes!" oder "Um richtig Karriere zu machen, musst du studieren!". Letzterer scheint an Überzeugungskraft gewonnen zu haben, denn immer mehr junge Menschen strömen an die Hochschulen. In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der eingeschriebenen Studenten in Deutschland um fast ein Drittel auf 2,94 Millionen gestiegen.

Doch lohnt sich das? Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Akademiker erzielen im Durchschnitt ein höheres Bruttojahresgehalt als Nicht-Akademiker. Dass der Diplomabschluss im Vergleich zum Master offenbar ein Gehaltsplus verspricht, dürfte damit zu tun haben, dass es letzteren in Deutschland erst seit 20 Jahren gibt – und seine Inhaber, weil sie jünger sind, noch nicht in die Gehaltsstufen der Diplom-Absolventen vor ihnen vorgedrungen sind. Vor allem aber fällt auf: Wer mit einer Ausbildung anfängt und dann einen Abschluss als Meister oder Fachwirt draufsetzet, verdient in der Regel etwas mehr als ein Bachelorabsolvent.

Es lohnt sich also, genauer hinzusehen – allein schon, weil sich während der Lehre in der Regel bereits Geld verdienen lässt. Azubis erhalten durchschnittlich 987 Euro brutto im Monat. Wer bei den Eltern wohnen bleibt, dem winkt ein bescheidener Luxus – und er oder sie steht schon nach zwei oder drei Jahren richtig im Berufsleben. Fällt die Wahl hingegen auf ein Studium, muss man zunächst einmal eine ganze Menge investieren. Für Miete, Essen und andere Dinge des täglichen Lebens geben Studenten durchschnittlich 867 Euro pro Monat aus. Da kommt schnell eine ordentliche Summe zusammen: Selbst wer seinen Bachelor in Regelstudienzeit absolviert, hat am Ende mehr als 30.000 Euro ausgegeben. Für ein Studium an einer Privatuniversität oder im Ausland muss man noch einmal tiefer in die Tasche greifen. Die Mehrheit der Studierenden schafft die Regelstudienzeit nicht, sodass die Kosten noch höher ausfallen.

Der durchschnittliche Bachelorabsolvent ist dann rund 23 Jahre alt und steht direkt vor der nächsten Wahl: Jetzt in den Arbeitsmarkt einsteigen oder noch einen Master obendraufsetzen? Viele entscheiden sich für den höheren Abschluss. Das bedeutet aber mindestens noch einmal vier Semester mehr, in denen man Geld investieren muss, anstatt welches zu verdienen. Also bleibt die Frage: Kann man diesen Mehraufwand gegenüber einer Ausbildung über das Berufsleben aufholen?

Die kurze Antwort lautet: Ja, man kann. Tatsächlich kassieren Akademiker im Laufe ihres Lebens rund eine Million Euro mehr als Nicht-Akademiker. Summiert man die durchschnittlichen Gehälter der beiden Gruppen auf, überholen Akademiker schon im Alter von 34 Jahren Nicht-Akademiker. 

Und auch nach dem Bachelor weiter im Hörsaal die Bank zu drücken, zahlt sich aus. Masterabsolventen bekommen schon zum Anfang ihrer Karriere im Durchschnitt ein Jahresgehalt von rund 46.700 Euro – stolze 5.400 Euro mehr als Bachelorabsolventen. Den Rückstand durch die längere Studienzeit holen sie bis zum 40. Lebensjahr auf. Eine Promotion verspricht dann noch einmal einen Gehaltsaufschlag von mehr als einer Million Euro im Laufe des Berufslebens gegenüber dem Master. Absolventen von Fachhochschulen, die lange als Universität zweiter Klasse galten, haben heute übrigens keine Nachteile mehr zu befürchten. Im Gegenteil: Einige Unternehmen suchen gezielt Absolventen mit mehr Praxisnähe. Wer also der Versuchung widersteht, möglichst schnell Geld zu verdienen, wird belohnt, unabhängig von der Hochschulwahl. Je früher man das Studium beginnt und je schneller man es abschließt, umso rentabler ist die Investition.

Es ergibt allerdings Sinn, sich vor der Wahl zwischen Studium oder Ausbildung die Branche anzusehen, in der man arbeiten will. Denn welcher Weg zum höheren Gehalt führt, hängt vom Fachbereich ab. Während man im Bereich Logistik mit einem Studium besser dasteht, lässt sich im Bereich Marketing und PR mit einem Meister sogar mehr verdienen als mit einem Masterabschluss – vorausgesetzt, man hat einen solchen gemacht.

Man sollte sich daher nicht ausschließlich vom vermeintlich großen Geld zu einem Studium verleiten lassen. Dazu rät auch Arbeitsmarktforscher Heiko Stüber. "Allein aufgrund finanzieller Erwartungen sollte man sich nicht für ein Studium entscheiden", schreibt er in einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Schließlich liege nicht jedem ein oft theorielastiges Studium. Rund 25 Prozent der Bachelorstudenten brächen ihr Studium ab. Stüber betont aber, dass sich Weiterbildung stets auszahle. 

Das tut sie nicht nur während der Erwerbstätigkeit, sondern auch im Alter. Eine Studie von Ifo Institut und Union Investment zeigt etwa, dass Akademiker zwischen 66 und 75 Jahren in der Regel ein mindestens 50 Prozent höheres Jahresnettoeinkommen haben als jene mit einer einfachen Berufsausbildung. Ein weiterer Vorteil ist, dass höhere Bildung vor Arbeitslosigkeit schützt. Je höher die Qualifikation, desto geringer ist das Risiko, keinen Job zu finden. Dabei zumindest bietet aber ein Studium nicht den besten Schutz: Die Arbeitslosenquote unter Personen mit Fachschul-, Meister- oder Technikerausbildung mit 1,2 Prozent noch niedriger als jene von Akademikern, die bei rund 2 Prozent liegt. 

Bildung schützt vor Arbeitlslosigkeit Grafik [Quelle: FAZ]

Zurück zum Gehalt: Die Ausbildung ist ein Bestandteil, der dieses bestimmt, aber nicht der einzige. Neben dem Geschlecht – Frauen verdienen bei gleicher Qualifikation in Deutschland noch immer rund 5 Prozent weniger als Männer – hat auch der Ort des Arbeitsplatzes einen Einfluss. Vor allem im Süden Deutschlands verdienen Arbeitnehmer gut. An der Spitze liegt Hessen, gefolgt von Baden-Württemberg. Schlusslichter sind die ostdeutschen Bundesländer. Dort sind die Lebenshaltungskosten allerdings auch geringer.

Für Hochqualifizierte gibt es gleichwohl auch hier gute Nachrichten: Mit steigendem Bildungsabschluss entkoppelt sich die Höhe des Gehalts zunehmend vom Standort. Denn in Zeiten des Fachkräftemangels sind qualifizierte Arbeitskräfte bundesweit begehrt.

Alle Rechte vorbehalten. Copyright Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv.

nach oben

Du hast eine zündende Idee für einen Artikel auf e-fellows.net? Schreib für uns als Gastautor. Wir freuen uns auf deine Beiträge!

Aktuelles zum Studium

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentar (1)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

  1. Anonym

    Die Statistik ist natürlich auch davon beeinflusst, dass faule oder „schlechte“ Leute natürlich selten einen Master machen oder gar promovieren. Wäre mal interessant eine ähnliche Statistik zu haben, mit der Bedingung, dass ein Schulabschluss mit einem Schnitt besser als 2.0 gemacht wurde. Das ist natürlich auch kein perfektes Kriterium, würde aber einen besseren Einblick geben, ob „kluge“ Leute besser mit Studium oder mit Ausbildung verdienen.

Das könnte dich auch interessieren