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Hilfe, meine Mitbewohnerin benutzt ungefragt meine Sachen!

Fall 5: Hilfe, meine Mitbewohnerin benutzt ungefragt meine Sachen!

Dr. Hofmann: Auch hier sind klare Regeln und Grenzen wichtig. Was können andere benutzen, was nicht? So verschieden die Vorstellungen von Dein und Mein auch sein mögen – natürlich steht es dir zu, über deine Sachen zu bestimmen. Wenn die Mitbewohnerin diese Grenzen nicht respektiert, kannst du dein Zimmer abschließen, um dein Eigentum und deine Privatsphäre zu schützen. Dann solltest du dich aber auch fragen, ob du weiter mit jemandem zusammenwohnen möchtest, dem du nur schwer vertrauen kannst. 

Mieterverein: Hierfür gibt es keine juristischen Vorschriften. Bedient sich deine Mitbewohnerin hingegen an Lebensmitteln, Kosmetika oder anderen Verbrauchsgütern, kannst du verlangen, dass sie etwas bezahlt. Sinnvoll ist eine Haushaltskasse, aus der alle gemeinschaftlichen Verbrauchsgüter bezahlt werden, zum Beispiel Putzmittel, Brot für alle oder Wasser.

Fall 6: Mein Mitbewohner benimmt sich so eigenartig, dass ich nicht mehr weiß, ob sein Verhalten noch gesund ist. Wie spreche ich an, dass ich mir Sorgen mache?

Dr. Hofmann: Sei unterstützend. Du musst deinem Mitbewohner ja nicht gleich eine psychische Erkrankung vorwerfen. Wenn du bemerkst, dass es ihm nicht gut geht, frag in einer ruhigen Minute, was los ist und wie es ihm geht. Das ist ein guter, unverfänglicher Einstieg, der meistens funktioniert. Wenn dann ein Gespräch zustande kommt, empfiehl ihm, unverbindlich auch mit einem Profi zu sprechen. Psychosoziale Beratungsstellen gibt es an jeder Uni. Dort kann man einfach über die eigene Situation sprechen – man muss nicht psychisch krank sein, um zu uns kommen zu dürfen.

Wenn dein Mitbewohner zögert, eine professionelle Beratung aufzusuchen, dann sag ihm, dass Beratungsstellen genau dafür da sind: Wenn jemand das Gefühl hat, mit etwas nicht zurecht zu kommen, kann er immer eine Beratungsstelle aufsuchen! Nicht zur Behandlung, sondern einfach, um sich eine Einschätzung einzuholen. Ob der Fall schwerwiegend ist oder nicht, können meine Kollegen und ich dann meist besser einschätzen. Psychosoziale Beratungsstellen (PBS) – Ob bei Prüfungsangst, Beziehungsproblemen oder sonstigen psychischen Belastungen, die PBS an den deutschen Universitäten können dir eine Hilfestellung für Probleme während des Studiums sein. Hier kannst du unverbindlich, kostenlos und anonym die Meinung eines Psychologen einholen. 

Fall 7: Was kann ich tun, wenn mein Mitbewohner psychisch krank ist?

Ich bin kein Arzt und kann meiner Mitbewohnerin keine psychologische Beratung geben. Sie ist schon in Behandlung. Wir reden oft darüber, dass es ihr schlecht geht, aber ihre Krankheit wirkt sich sehr stark auf das Zusammenleben aus, weil sie mitunter auch aggressiv wird.

Dr. Hofmann: Deine Mitbewohnerin ist schon in Behandlung, sie versucht also, ihre Probleme zu lösen. Du kannst das tun, was du ohnehin als Freund oder Mitbewohner tun würdest, wenn es einer Freundin nicht gut geht: fürsorglich, aufmerksam und unterstützend sein. Wenn sich ein Symptom der Erkrankung auf euer Zusammenleben auswirkt, musst du das auch ein Stück weit aushalten: Psychische Erkrankungen betreffen meistens auch das Umfeld des Patienten.

Finde eine Balance: Auf der einen Seite solltest du Verständnis für die Erkrankung aufbringen. Auf der anderen Seite kannst du die problematischen Auswirkungen auf euer Zusammenleben dennoch ansprechen. Nur, weil jemand beispielsweise eine Depression hat, heißt das nicht, dass er unfreundlich zu anderen Leuten sein darf. Das kannst du so kommunizieren, denn auch Patienten müssen sich an die Regeln des Zusammenlebens halten. Für manche ist das wertvolles Feedback, weil sie nicht richtig bemerken, wie sie auf andere wirken.

Fall 8: Nichts geht mehr! Wie trenne ich mich von meinem Mitbewohner? Und was lerne ich aus einer gescheiterten WG?

Mieterverein: Hier kommt es auf den Mietvertrag an. Wenn du Hauptmieter bist und der Mitbewohner dein Untermieter, dann kannst ihm den Mietvertrag unter bestimmten Voraussetzungen kündigen. Wenn alle gleichberechtigt sind, wird es schwierig.

Dr. Hofmann: Wenn eine WG scheitert, solltest du nicht nur von der Schuld der anderen ausgehen: Auch du hättest vermutlich einiges besser machen können. Um in einer WG zu leben, solltest du Kompromissbereitschaft, Toleranz und Konfliktfähigkeit, aber auch eine gewisse Durchsetzungsfähigkeit mitbringen. An diesen Punkten kannst auch du vielleicht noch arbeiten. Wenn du lieber für dich bleibst und Rückzugsorte brauchst, solltest du das das nächste Mal in deiner WG früh klarmachen oder eine eigene Wohnung in Betracht ziehen.

Dieser Artikel kann eine Rechtsberatung nicht ersetzen. Such deshalb im Zweifelsfall Hilfe bei einem Anwalt oder einem Mieterverein.

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