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So hält dich keine Bürokratie im Auslandsstudium auf

Ausland, Planung, Bürokratie, Finanzen, Auslandsaufenthalt [Quelle: pexels.com, Taryn Elliott]

Quelle: pexels.com, Taryn Elliott

Bitte Passierschein A38 ausfüllen!? Während seiner Auslandsaufenthalte auf fünf Kontinenten kämpfte sich e-fellow Lucas durch jede Menge Papierkram. Hier beschreibt er, wie du den bürokratischen Aufwand für deinen Auslandsaufenthalt gut bewältigen kannst.

Wohnsitz in Deutschland: Ja oder Nein?

Dein Studienplatz im Ausland ist dir sicher und die passende Wohnung hast du bereits gefunden. Jetzt stehst du vor der Frage, ob du deinen Wohnsitz für die Dauer deines Aufenthalts ins Ausland verlegen solltst? Für die meisten Auslandsstudierenden lohnt es sich, ihren Wohnsitz in Deutschland zu behalten. Damit sind sie in Deutschland zwar weiterhin unbeschränkt steuerpflichtig, können so aber ihre Ausgaben als Werbungskosten absetzen. Dafür reicht es, wenn du Zugang zu deinem Kinderzimmer bei den Eltern hast, wo du während des Auslandsstudiums auch gemeldet sein darfst.

Tatsächlich ist es bei vielen Studentenvisa (zum Beispiel F1 und J1 in den USA) sogar Pflicht, eine "permanent address" im Heimatland zu haben. Auch bei Promotionsstudenten und Postdocs kann es sinnvoll sein, den deutschen Wohnsitz zu behalten, da dies in vielen Doppelbesteuerungsabkommen die Voraussetzung dafür ist, dass Stipendien steuerfrei sind (zum Beispiel in den USA).

Mit diesen digitalen Helfern regelst du deine Angelegenheiten aus der Ferne

  • Damit du den Überblick über deine Post daheim behältst, kannst du den kostenlosen Service "Briefankündigung" der Deutschen Post nutzen.
  • Wenn du eine Steuererklärung planst, solltest du bereits vor deinem Auslandsaufenthalt einen Account bei Elster einrichten.
  • Um dich gegenüber deutschen Behörden digital identifizieren zu können, ist es außerdem hilfreich, wenn du bereits vorab den neuen elektronischen Personalausweis aktivierst, dir deine PIN merkst und dein Smartphone als Lesegerät mit der "AusweisApp2" einrichtest.
  • Darüber hinaus bietet die deutsche Bundesdruckerei den Service "sign-me.de" an, mit dem du Dokumente rechtsgültig (mit "qualifizierter elektronischer Signatur") digital unterschreiben kannst.
  • Wenn du im Ausland weiterhin unter einer deutschen Nummer erreichbar bleiben möchtest, hilft die "Sipgate Satellite App" mit bis zu 100 Freiminuten pro Monat, die ohne deutsche SIM auskommt.

Versicherungen vorher abschließen

Vor deiner Abreise solltest du außerdem alle deine Versicherungen durchgehen und überprüfen, ob du auch im Ausland versichert bist. Zunächst ist es wichtig zu wissen, wie du im Krankheitsfall abgesichert bist: Entweder durch ein staatliches Gesundheitssystem (wie in Dänemark oder dem Vereinigten Königreich), durch die europäische Versicherungskarte (überall in Europa) oder durch eine private Krankenversicherung (wie in den USA). Häufig kann dich die Universität diesbezüglich beratend unterstützen.

Viele Haftpflichtversicherungen gelten nur für eine begrenzte Zeit im Ausland (beispielsweise für zwei bis fünf Jahre). Lies dir die Konditionen vorab genau durch und sieh nach, ob und wie lange du noch über deine Eltern versichert bist. Außerdem kannst du dir überlegen, eine weltweit gültige Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, wenn du eventuell länger im Ausland bleiben und dort vielleicht sogar ins Berufsleben einsteigen willst. Denn während viele Berufsunfähigkeitsversicherungen weltweit gelten (Konditionen genau lesen!), wird beim Abschluss oft ein deutscher Wohnsitz vorausgesetzt.

Nach der Ankunft: Erfassung im Ausland

Selbst wenn es nicht zwingend notwendig ist, solltest du dich im Ausland erfassen lassen, um später bürokratische Vorgänge abzukürzen. Typischerweise erfolgt die Erfassung über die Beantragung einer persönlichen Nummer und/oder eines ausländischen Ausweisdokuments. Gerade in den USA solltest du auch dann eine Social Security Number beantragen, wenn du dort nicht arbeitest, da es die Eröffnung von Bankkonten und Kreditkarten vereinfacht.

Außerdem ist es sinnvoll, eine State ID als Ausweisdokument zu beantragen, sodass du bei Bar- oder Clubbesuchen deinen Reisepass nicht mitführen musst. Deinen deutschen Führerschein für einen amerikanischen Führerschein einzulösen, ist nur dann eine gute Idee, wenn du deinen deutschen behalten darfst – insbesondere dann, wenn du noch einen deutschen Führerschein ohne Ablaufdatum besitzt.

Ausländische Bankkonten, internationale Überweisungen und Kreditkarten

Um am ausländischen Zahlungsverkehr teilnehmen zu können, solltest du ein Bankkonto in deinem Zielland eröffnen. Nimm auf keinen Fall das erstbeste Angebot, sondern vergleiche vorab: Fast überall gibt es kostenlose Konten und manchmal sogar noch großzügige Eröffnungsboni, insbesondere wenn du einen regelmäßigen Geldeingang vorweisen kannst.

Internationale Überweisungen über die Hausbank sind oft teuer. Die besten Wechselkurse und geringsten Gebühren findest du bei digitalen Dienstleistern wie Wise oder CurrencyFair, wo meist nur 0,3-0,5 Prozent an Gebühren anfallen. Günstiger kommt dich nur ein international angebundener Multi-Währungs-Depot, wie bei Interactive Brokers.

Gerade in den USA locken viele Banken mit Kreditkarten, die großzügige Rabatte (ein bis sieben Prozent Cashback) auf Einkäufe geben und attraktive Versicherungspakete beinhalten. Hierfür wird aber oft ein hohes Bonitätsrating benötigt, welches du dir über Monate und teilweise Jahre erarbeiten musst. Dementsprechend lohnt sich eine solche Karte nur, wenn du länger in den USA bleiben möchtest oder dir eine spätere Rückkehr vorstellen kannst.

Altersvorsorge und Geldanlage im Ausland

Spätestens wenn du im Ausland promovieren willst, musst du dich mit deiner Altersvorsorge auseinandersetzen, denn viele Stipendien zahlen keine Rentenbeiträge. Hier solltest du dich frühzeitig zu den Bedingungen im Ausland informieren und bei deiner Entscheidung auch berücksichtigen, ob du später nach Deutschland zurückkehren möchtest. Falls möglich, ist es oft sogar sinnvoller, wenn du dir Rentenbeiträge auszahlen lässt und diese selbst investierst oder für steuerbegünstigte Investitionsprodukte verwendest.

Bei der Eröffnung von ausländischen Aktiendepots und bei Investitionen in individuelle Produkte, solltest du über die steuerlichen Implikationen Bescheid wissen. Wenn du weiterhin in Deutschland steuerpflichtig bist, musst du diese Kapitalerträge in Deutschland in einer Steuererklärung angeben, was aufwendig sein kann. Doppelbesteuerungsabkommen stellen gleichzeitig sicher, dass solche Erträge nicht doppelt besteuert werden.

Umgekehrt musst du bei unbeschränkter Steuerpflicht im Ausland darauf achten, dass du deine deutschen Kapitalerträge erklärst. Problematisch kann dies insbesondere in den USA sein, wo viele europäische Finanzprodukte (insbesondere ETFs) einer drakonischen Strafbesteuerung unterliegen. Hier ist es oft sinnvoller, wenn du frühzeitig in amerikanische Finanzprodukte (z.B. US-ETFs) investierst. Als Student (F1 Visa) oder Gastwissenschaftler (J1 Visa) in den USA bist du aber als "exempt individual" für die ersten fünf, beziehungsweise zwei Jahre oft nur beschränkt steuerpflichtig ("non-resident for tax purposes").

Rückkehr nach Deutschland

Bevor es zurück nach Deutschland geht, solltest du dir unbedingt darüber Gedanken machen, ob du bestehende Verträge für Bankkonten, Kreditkarten und Versicherungen kündigen möchtest oder nicht. Gerade wenn du später ins Ausland zurückkehren willst oder du bestimmte Produkte auch in Deutschland nutzen willst (zum Beispiel amerikanische Kreditkarten ohne Auslandsgebühren), kann es sich für dich lohnen, diese zu behalten.

Wichtig ist nur, dass du den entsprechenden Anbietern deinen Adresswechsel mitteilst oder eine ausländische Kontaktadresse nennst. Damit du weiterhin für ausländische Freunde oder Firmen erreichbar bleibst, kannst du dir eine internationale VoIP-Nummer einrichten (zum Beispiel kostenlos via Google Voice in den USA).

Im Jahr deiner Rückkehr musst du eine Steuererklärung sowohl im Ausland als auch in Deutschland abgegeben, in der du dein gesamtes Jahreseinkommen in beiden Ländern angibst. Denk dabei auch daran, dass du viele Kosten deines Auslandsstudium von der Steuer absetzen kannst.

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