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Goodbye Schwabenland – Hei Suomea

Quelle: Sabrina Kolb

Finnland – das sind Polarlichter, kalte Winter, weite Landschaften mit Wäldern und Seen. Hinzu kommen ein sehr gutes Bildungssystem und die regelmäßige Auszeichnung als glücklichstes Land der Welt. Also perfekte Voraussetzungen für ein Auslandsstudium.

Donnertag, 4. August 2021, 18:50 Uhr: Das war der Zeitpunkt, an dem mein Auslandsabenteuer in Finnland startete. Ein Flug ins Ungewisse – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn abgesehen von einem Buch über den finnischen Lebensstil "Sisu" wusste ich noch nicht viel über das Land, in dem ich im Rahmen meines Double-Degree-Studiums an der Haaga Helia University of Applied Sciences in Helsinki die nächsten drei Semester verbringen würde.

Fest stand allerdings, dass meine Reise mit einem kleinen Abenteuer beginnen sollte. Da ich mein WG-Zimmer erst am kommenden Tag beziehen konnte, verbrachte ich die erste Nacht im hohen Norden erst einmal am Flughafen.

Am nächsten Morgen in meinem neuen Zuhause angekommen, stand dann eine weitere Überraschung bereit: eine Kleinbaustelle. Die beiden Zimmer meiner späteren Mitbewohner mussten erst noch endgültig fertiggestellt werden. So bekam ich in der ersten Woche täglich Besuch von meinen Vermietern und Baulärm war vorprogrammiert. Außerdem musste ich die ersten Tage in Isolation verbringen, da mein vollständiger Impfstatus noch nicht wirksam war.

Sonnenuntergang in Finnland [Quelle: Sabrina Kolb]

Kulturschock auf Finnisch

Kulturschock in einem westlichen Land, das als noch progressiver als Deutschland gilt? Ja, das ist möglich!

Bei meinem ersten Supermarktbesuch beispielsweise war ich von der Verpackungsflut extrem schockiert. Einzelne Paprika in Plastikfolie, Plastiktüten an der Kasse, (Plastik)zettel zum Abwiegen auf Obst und Gemüse – das hätte ich von Finnland wirklich nicht erwartet. Außerdem hätte ich niemals geglaubt, dass ich von so vielen Bäumen und Waldflächen überwältigt sein und mich fast jeden Tag über das Wetter aufregen würde. Denn der Sonnenschein verwandelt sich hier ganz gern spontan in Starkregen. 

Da ich die strenge Maskenpflicht aus Deutschland gewohnt war, überraschte es mich, dass viele Finnen und Finninnen – trotz der Verpflichtung zum Maskentragen – die öffentlichen Verkehrsmittel ohne Maske nutzen und auch ohne Mundschutz einkaufen gehen.

Alltag an meiner finnischen Universität

Nach zwei Online-Semestern ist es trotz Maskenpflicht schön, endlich wieder einige Kurse in Präsenz zu besuchen und ein mehr oder weniger normales Studentenleben zu führen. Nichtsdestotrotz bin ich auch froh, an einigen Vorlesungen weiterhin online teilnehmen zu können, vor allem um mir meine tägliche 45-minütige Anfahrt zur Hochschule zu sparen.

Das Studium ist sehr praxisorientiert und ähnelt eher dem Bildungssystem einer deutschen Schule als einer Hochschule. Frontalvorlesungen gibt es nur sehr selten. Stattdessen stehen viele Gruppenprojekte auf der Agenda und auch an Hausaufgaben und Abgaben in allen Kursen muss ich mich erst wieder gewöhnen. Zusätzlich stehen pro Fach teilweise zwei Examen innerhalb des Semesters an.

Besonders positiv hervorzuheben, sind die moderne Ausstattung der Hochschule sowie die Cafeteria. Für unter zwei Euro erhalten wir Hauptspeise und Salat – beides selbst portionierbar – ein Glas Wasser oder Milch sowie Brot. Erstaunlich lecker und günstig – denn um auswärts essen zu gehen, muss man tiefer ins Portemonnaie greifen.

Apropos: Wie klappt die Finanzierung des Auslandsstudiums?

Da es sich bei der Haaga-Helia um eine Partneruniversität der ESB Business School handelt, muss ich für meine drei Auslandssemester ausschließlich den Semesterbeitrag aus Deutschland bezahlen. Zusätzlich wird der Aufenthalt durch das Erasmus-Programm gefördert und meine Eltern unterstützen mich bei den Mietkosten. Außerdem bin ich in der glücklichen Situation, trotz Auslandsstudium einer Werksstudententätigkeit bei e-fellows.net nachgehen zu können. Neben der Praxiserfahrung bietet der Job natürlich auch ein gutes finanzielles Polster.

Wie habe ich Anschluss gefunden?

Vor meiner Ankunft konnte ich mich über WhatsApp mit einigen Auslandsstudierenden vernetzen und mich in Helsinki auch persönlich mit ihnen treffen. Einige besuchen zufälligerweise sogar ein paar meiner Kurse.

Außerdem nahm ich vor dem Start der Vorlesungen an einem freiwilligen Intercultural Survival Course teil. Hier lernten wir Aspekte der finnischen Kultur und die Geschichte Finnlands kennen. Er bot aber auch die Möglichkeit zum Netzwerken. Denn obwohl dieser Kurs nur online stattgefunden hat, habe ich bereits erste Kommiliton:innen kennengelernt, die ich später auf dem Campus wieder traf.

Wie war die Suche nach einer Unterkunft?

In Helsinki werden öffentliche Studentenwohnheime ausschließlich von HOAS (Stiftung für Studentenwohnungen in der Region Helsinki) verwaltet. Im Fall der Haaga-Helia befinden sich die WG-Zimmer in der Nähe der drei Campus und kosten monatlich zwischen 350 und 450 Euro. Bewerben musste ich mich online etwa drei Monate vor Studienbeginn.

Ich persönliche habe jedoch kein Angebot von HOAS erhalten und musste mich nach der kurzfristigen Absage um eine Alternative kümmern. Letztendlich bin ich bei HousingAnywhere fündig geworden und lebe nun im etwa 45 Minuten entfernten Espoo in einer privaten WG mit einem deutschen und einem taiwanesischen Austauschstudenten. Die Wohnung ist nahe an einem See gelegen, in Anbetracht der zentrumsfernen Lage und höheren Mietkosten aber definitiv nicht optimal.

Finnland – ein Land für Langweiler:innen oder Abenteurer:innen?

Wer nach Party- oder Nachtleben sucht, ist in Finnland definitiv fehl am Platz. Auch wenn die Corona-Regeln hier vergleichsweise locker gehandhabt werden und sich viele Studierende beispielsweise im Irish Pub treffen, vergeht vielen spätestens bei den Alkoholpreisen die Feierlaune.

Wenn du stattdessen Interesse an Kultur hast und gerne in der Natur bist, kann ich dir einen Aufenthalt in Finnland definitiv empfehlen. Besonders in der Hauptstadt gibt es ein großes Angebot an Museen und kulturellen Angeboten. Zudem finden sich auch in der Helsinki Metropolitan Area zahlreiche Grünflächen, Wälder und Wassergebiete.

Fähranbindungen und ein gut ausgebauter öffentlicher Nah- und Fernverkehr ermöglichen dir außerdem einige Ausflugsmöglichkeiten innerhalb des Landes, aber auch in ausländische Großstädte wie Stockholm und St. Petersburg.

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