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Die Finanz(schief)lage deutscher Studenten

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Quelle: unsplash.com, Alice Pasqual

Das Klischee des dauerpleiten Studenten ist überholt: Deutschlands Hochschülern geht es finanziell relativ gut. Reich werden sie im Studium aber nicht – oder doch?

Heranwachsende Akademiker genießen in Deutschland einen Dauerwelpenstatus: Studentenrabatt im Theater, im Kino, bei der Krankenversicherung oder bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. Über zu wenige Vergünstigungen während des Studiums dürfen sie sich nicht beschweren. Doch auch der großzügigste Rabatt ist keine Hilfe, wenn das nötige Kleingeld fehlt. Wie ist es denn um den Geldbeutel der deutschen Studentenschaft bestimmt?

Die Zahlen liefert die aktuelle Sozialerhebung des Deutschen Studierendenwerks: Dem Durchschnittsstudenten stehen demnach 918 Euro im Monat zur Verfügung. Rund 400 Euro kostet die Studentenbude, dazu kommen Ausgaben für Essen, Verkehrsmittel und ggf. Studiengebühren. Die laufenden Kosten hängen aber stark vom Wohnort ab: In München sind die Lebenshaltungskosten um ein Vielfaches höher als etwa in Leipzig, Rostock oder Bremen. Dort erhalten neue Einwohner sogar ein Begrüßungsgeld von 150 Euro.

Doch selbst, wenn man in vermeintlich günstigen Regionen studiert: Als Student muss man gut wirtschaften und braucht einen Finanzplan, um finanziell nicht schwimmen zu gehen. Ich hatte keinen.

Ich genoss das Studium, das Studentenleben, die Flexibilität und Freizeit. Trotz Finanzspritze der Eltern und gut bezahltem Nebenjob gab ich mehr aus als ich einnahm, lebte von der Hand in den Mund und mit jeder Verbesserung meiner Finanzen stiegen meine Ausgaben. Ein Auslandssemester gab meinem Sparbuch den Rest. Dolce vita und so. Ich war zwar nicht pleite, aber mein Studium war ein Verlustgeschäft. Bin ich damit Regel oder Ausnahme? 

Über eine halbe Millionen Studenten brauchen BAföG

Insgesamt geht es Studenten in Deutschland verglichen zu anderen Ländern sehr gut. Während in den USA die Kosten für einen Hochschulabschluss in die Höhe schießen und private Studienkredite in Höhe von 1,3 Billionen US-Dollar eine ganze Generation in finanzielle Abhängigkeiten stürzen, brauchen von den rund 2,8 Millionen Studenten in Deutschland nur rund sechs Prozent einen (privaten) Studienkredit. Fast 600.000 nehmen die staatliche Studienförderung BAföG in Anspruch.

Es ist gut, dass man unterstützt wird, wenn man sich das Studium nicht leisten kann. Schließlich ist Hochschulbildung auch eine Art Investment: Einer aktuellen Erhebung von Absolventa zufolge können frischgebackene Juristen mit einem Bruttoeinstiegsgehalt von 59.000 Euro rechnen. Das Schlusslicht, die Sprach- und Kulturwissenschaftler, sind mit 41.000 Euro im Rennen. Außerdem ist ein Studium weiterhin die beste Vorbeugung gegen Arbeitslosigkeit: Laut des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung finden nur 2,3 Prozent der Akademiker keinen Job.

Solche Zahlen sind Balsam für die Seele eines verunsicherten Akademikers. Finanzielle Sicherheit, here I come. Während der Studienzeit über Wasser halten und dann abkassieren, sobald ich den Abschluss in der Tasche habe. Für Rücklagen oder Altersvorsorge bleibt dann ja noch genug Zeit.

So reich sind die e-fellows nach dem Studium

Reich nach dem Studium?

So wie ich denken aber nicht alle meiner Altersgenossen: Laut einer Umfrage in der e-fellows.net-Community, an der fast 500 (ehemalige) Studenten teilnahmen, gibt es durchaus Sparfüchse im Hörsaal. Immerhin hatten 29 Prozent der Befragten am Ende des Studiums 20.000 Euro oder mehr auf dem Konto.

Umfrage Reich nach dem Studium

Doch die Befragung macht auch die finanzielle Belastung deutlich, die ein Studium mit sich bringen kann: 14 Prozent der Teilnehmer rutschten nach der Uni ins Minus, wie dieser e-fellow:

Ich schätze, ich habe 8.000 Euro Schulden. Ich muss noch ein halbes Jahr studieren, habe die Deckelung beim BAföG von 10.000 Euro längst erreicht und mit meinen letzten Ersparnissen und einem Hiwi-Job finanziere ich meine aufwendige Master-Arbeit (Forschungsaufenthalte, etc.). Ich bin bald ein Semester über die Maximalförderdauer und muss von da an alles mit meinen Rücklagen bestreiten. Ich frage mich schon, ob ich etwas falsch gemacht habe? Sind die anderen alle Kinder reicher Eltern?

Klar, das Elternhaus macht einen großen Unterschied. Viele haben aber auch einfach angepackt. Das entspricht auch dem bundesweiten Trend. Rund 68 Prozent der Studenten geht nach der Vorlesung arbeiten, um sich das Studium zu finanzieren. So auch dieser e-fellow: Mit zeitraubenden Nebenjobs hat er sich einen guten Nebenverdienst aufgebaut, während er die Lebenshaltungskosten niedrig gehalten hat:

Von zu Hause gab es kaum Unterstützung, daher habe ich als Kellner und an der Uni gearbeitet und so immer ein bisschen mehr verdient, als ich gebraucht habe. Ich konnte sogar Geld zurücklegen, meist zwischen 50 und 100 Euro im Monat. Manchmal habe ich auch bei Events ein ganzes Wochenende durchgearbeitet und konnte damit nochmal ordentlich dazuverdienen. Am Ende des Studiums stand ich mit etwa 10.000 Euro mehr da als zuvor. Ich habe aber auch sehr sparsam gelebt, das haben mir meine Eltern beigebracht.

So lässt sich zwar kein großes Vermögen aufbauen, aber zumindest ein kleines finanzielles Polster zur Überbrückung bis zum ersten Job. Andere haben mit Geldanlagen gewirtschaftet und so stattliche Reserven aufgebaut: Sechs Prozent der Befragten gaben an, mehr als 100.000 Euro angespart zu haben.

Sieg der Silberlöffel?

Das Leben ist nicht immer fair: Wer mit reichen Eltern ins Rennen geht, hat bei der Finanzierung seines Studiums bessere Karten und muss sich nicht mit Nebenjobs die Miete zusammenkratzen. Ich hatte Glück: Meine Eltern konnten mich unterstützen, aber ihre Hilfe alleine hätte zum Leben nicht gereicht. Ich musste immer arbeiten, um mir auch mal etwas leisten zu können. Hinzu kamen Stipendien.

Ich habe auch Studenten kennengelernt, die am Wochenende durchgearbeitet haben, obwohl sie es nicht hätten müssen: auf Fischmärkten zwei Tage Kisten schleppen, als Promoter durch Städte touren oder in langen Nachtschichten Lagerhäuser auffüllen. Viele von ihnen stehen heute finanziell sicher besser da als ich.

Im Studium ging es mir nie um finanzielle Sicherheit, sondern darum, diese kurze, schöne Lebensphase zu genießen, in der man sich (noch) nicht von Job zu Job hangelt. Mein Studium war ein Verlustgeschäft. Und ich würde es genauso nochmal machen.

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