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Fünf Erkenntnisse über den Lernprozess

Durch das Lerntagebuch habe ich mich und meinen Lernprozess besser verstehen gelernt. Ich kann Semester untereinander vergleichen, weiß, wie viele Stunden ich ungefähr brauchen werde, um gewisse Noten zu erreichen. Meine Kern-Insights möchte ich hier abschließend kurz beschreiben.

Insight #1: Mehr Lernen bringt auch mehr

Ich habe eine Korrelationsanalyse gefahren und es hat sich folgendes bewahrheitet. Betrachtet man die "Lernzeit pro ECTS" eines Semesters, und vergleicht dann die Semester untereinander, ergibt sich eine Korrelation von -0,952 für die Beziehung von "Lernzeit pro ECTS" und Notendurchschnitt (das Vorzeichen ist negativ, da mehr Lernen den Notenschnitt senkt). Im Klartext: Mehr Lernen korreliert mit besseren Noten. Natürlich wissen wir, dass Korrelation nicht gleich Kausalität bedeutet. Dennoch legen rationale Überlegungen nahe, dass die Lernzeit sicherlich ein wichtiger Faktor für den Notendurchschnitt ist. Interessant ist aber auch, dass diese Korrelation nur auf Semester-Ebene gilt. Einzelne Fächer sind – so meine Vermutung – zu heterogen als dass man von der Lernzeit eines Faches auf die Note im jeweiligen Fach schließen kann.

Insight #2: Ab fünf Stunden Netto-Lernzeit pro Tag ist Schicht im Schacht

Ich habe für mich persönlich festgestellt, dass fünf Stunden pro Tag mein Optimum sind, was die Netto-Lernzeit angeht. Wenn ich früh anfange und ausgeschlafen bin, schaffe ich auch sechs und mehr Stunden, habe dann allerdings das Gefühl, nicht mehr ganz so produktiv zu sein. Ich habe außerdem festgestellt, dass ich mit fünf Stunden pro Tag stressfrei und ausgeglichen durch den Alltag gehe und noch genug Energie für meine anderen Gewohnheiten wie Training, Lesen, Schreiben etc. habe. Wenn man in der Klausurenphase den Hardcore-Modus aktivieren möchte, kann man sicherlich noch deutlich mehr pro Tag lernen.

Insight #3: Beim Lerntagebuch ist 80/20 zu beachten

In der aktuellen Version ist das Lerntagebuch auf dem Spektrum Einfachheit–Komplexität genau an der richtigen Stelle: es ist leistungsfähig, aber nicht träge. Man könnte noch tiefergehende Analysen einbauen und die Datensätze für eine Lerneinheit noch granularer mit Informationen befüttern. Dann aber würde das Lerntagebuch zu komplex und damit schlecht zu handhaben. Denn wie bei (fast) allen Dingen, gilt auch für das Lerntagebuch das Pareto-Prinzip.

Insight #4: Wahrnehmung und Realität sind zwei Paar Schuhe

Es gibt Tage, da denke ich, dass ich sehr lange gelernt habe. Die harten Fakten aus dem Lerntagebuch sprechen aber eine ganz andere Sprache; sie sind objektiv und man kann sie nicht austricksen. Dennoch gibt es, so glaube ich, Unterschiede im Hinblick darauf, wie weit man an einem Tag mit dem Lernen gekommen ist. Und das ist nicht immer abhängig von der Lernzeit, sondern hat mit neuronalen Faktoren und dem Lernen an sich zu tun. An manchen Tagen macht es Klick und man versteht ein Konzept, dass man tagelang davor nicht verstanden hat – der Lernprozess ist eben nicht linear.

Insight #5: Der Lernprozess korreliert nicht perfekt mit dem Klausurergebnis

Die wohl wichtigste Erkenntnis zum Schluss: Trotz eines gut strukturierten und optimierten Lernprozesses kann eine Klausur nicht so laufen, wie man es sich vorstellt. Denn "Lernen" und "Klausur schreiben" sind zwei unterschiedliche Prozesse. Eine sehr gute Vorbereitung erhöht die Chancen für gute Performance zwar massiv. Dennoch kann eine schlechte Tagesform oder eine ungewohnte, ja fiese Fragestellung zu einer nicht zufriedenstellenden Note führen. Das aber ist im Sport nicht anders. Nach einer Niederlage gilt es auch hier, zu schauen, wo die Fehler lagen und was beim nächsten Mal besser gemacht werden muss. Jede Klausur bietet die Chance, neu anzugreifen. Das Lerntagebuch kann dabei helfen, die Vorbereitung exzellent zu gestalten, den Lernprozess zu optimieren.

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