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Mitten aus dem Leben

Nach einem gängigen Vorurteil ist Jura lebensfern und theoretisch - tatsächlich trifft das exakte Gegenteil zu. Im Kern der Rechtswissenschaft steht die Lösung echter Konflikte zwischen echten Menschen, Unternehmen und Regierungen.

Natürlich erfordert die Vielgestaltigkeit des Lebens ein gewisses Maß an Abstraktion und Systematisierung, aber dies ist stets nur Ausgangs-, niemals Endpunkt einer Fallbearbeitung. Die Kunst besteht, wie Studenten ab dem ersten Semester unablässig eingetrichtert wird, vielmehr darin, "alle Umstände des Einzelfalls" zu erwägen und aus den gesetzlichen Auslegungs- und Anwendungsmöglichkeiten jene zu finden, die gerade diesem Einzelfall gerecht wird.

Jeder Jurastudent erwirbt so Kenntnisse, mit denen sich zahllose Problemstellungen aus dem täglichen Erleben so gut wie jedes Menschen beantworten lassen - wie viele Zahnmediziner, Atomphysiker oder Altphilologen können das von sich behaupten?

Na logisch!

Das gesamte Jurastudium ist ein Intensivkurs in logischem Denken und schlüssigem Argumentieren - und schult damit Qualitäten, die auch abseits der Rechtsanwendung von großem Nutzen sind. Das Exerzitium juristischer Denkgesetze und Argumentationsmuster kann man zwar ermüdend finden, aber es ist doch um ein Vielfaches flexibler als die Gesetzmäßigkeiten, die es in den Naturwissenschaften zu beachten gilt - und um ein Vielfaches handfester als der Diskurs in den Geisteswissenschaften.

Das Klischee liegt im Auge des Betrachters

Das Klischeebild des Jurastudenten ist wenig sympathisch und hält manchen Interessenten davon ab, selbst einer zu werden. Doch das ist in doppelter Hinsicht Unsinn. Denn erstens finden sich unter den Studenten der meisten juristischen Fakultäten Anteile von 20 bis 70 Prozent, die landläufigen Vorstellungen über ihr angebliches Aussehen und Auftreten bereits dem ersten Augenschein nach widersprechen.

Zweitens ist bei weitem nicht jeder, der ein Shirt von Ralph Lauren mit Schuhen von Timberland kombiniert, auch automatisch ein hochnäsiger Sozialchauvinist - ebenso wenig, wie jeder Birkenstock-Träger sich vegan ernährt, jeder Hip Hop-Fan Cannabis raucht und jeder Maschinenbauer im Karohemd herumläuft.

Wie überall sonst auch prägen Zugehörigkeitsbedürfnis, Rollensuche und Zukunftsaspirationen eine gewisse Einheitlichkeit im äußeren Auftritt, ohne dass sich daraus auch nur ansatzweise verlässliche Aussagen über den Einzelnen ableiten ließen. Wer ein Studium deshalb ablehnt, verrät mehr über die eigene Beschränktheit als über die derjenigen, die er zu meiden sucht.

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