Partner von:

Interview mit dem Head of Bertelsmann Management Consulting

Bertelsmann Management Consulting ist die interne Beratung des Bertelsmann-Konzerns und steckt noch in den Kinderschuhen: 2019 gegründet und sechs Berater – Tendenz steigend. Ihr bezeichnet euch selbst als perfekte Mischung aus Start-up und Konzern – schließt sich das nicht aus?

Nicht unbedingt. Ein Konzern bietet Größenvorteile, Finanzkraft und funktionierende Strukturen. Start-ups sind agil, haben flache Hierarchien und kurze Kommunikationswege. Mit unserem kleinen, hochqualifizierten Team und viel Freiraum für unsere Berater verbinden wir das Beste aus beiden Welten und haben damit jetzt schon viel Erfolg.   

Wie funktioniert diese Mischung zwischen Konzernstrukturen und agilem Teamaufbau?

Anders als normale Konzernabteilungen, die ein fixes Jahresbudget bekommen, finanzieren wir uns aus Verrechnungspreisen für akquirierte Projekte. Wir wachsen schrittweise mit jedem Jahresüberschuss, den BMC generiert, und unsere Beratungsleistung ist so einem ständigen Markttest unterzogen. Gleichzeitig müssen wir uns nicht wie Start-ups mühsam einen Stamm an Klienten aufbauen. In einem weltweit agierenden Konzern mit über 100.000 Mitarbeitern und acht Geschäftsdivisionen gibt es eine konstant große Nachfrage nach Strategie-, Digitalisierungs- und Transformationsprojekten. Zudem können wir im Konzernverbund auf bestehende Supportstrukturen wie HR- und IT-Infrastruktur, aber auch Trainings- und Weiterbildungskonzepte, zum Beispiel von der Bertelsmann University, zurückgreifen.

Bertelsmann hat mit euch nun wie die meisten DAX-Konzerne eine eigene, interne Managementberatung etabliert. Warum erlebt deiner Meinung nach Inhouse Consulting generell in letzter Zeit so einen Aufschwung?

Eine interne Beratung bringt für die Konzerne viele Vorteile mit sich. Zum Ersten ist da der wirtschaftliche Aspekt: Angesichts der hohen Honorare für externe Berater lohnt es sich, diese durch Inhouse-Beratungen im Konzern zu halten. Dabei gleichen sich interne Berater den Externen immer mehr an, da viele von ihnen Erfahrungen aus Top-Tier-Strategieberatungen mitbringen.

Zum Zweiten bleibt das in den Projekten akkumulierte Wissen im Konzern. Das hat den Vorteil, dass wettbewerbssensible Informationen die Organisation nicht verlassen und außerdem eine gute inhaltliche Basis für Folgeprojekte gelegt wird.

Zum Dritten haben Konzerne die Möglichkeit, ihre interne Beratung als attraktives Werkzeug zur Talententwicklung zu nutzen. Junge Nachwuchsmanager bauen sich frühzeitig Konzern- und Branchenwissen sowie ein wichtiges Netzwerk auf. Außerdem lernen sie die Geschäftseinheiten von Bertelsmann sehr gut kennen und können auf diese Weise besser entscheiden, wo und in welcher Funktion ein Einstieg sinnvoll ist.

Inhouse Consulting kann externe Beratungen aber nie ganz ersetzen. Letztere haben Spezialwissen zu bestimmten Themen, wie zum Beispiel zu Benchmarkings, Markt- und Technologietrends, das eine interne Beratung nicht im selben Maße liefern kann. Außerdem bieten sie die Möglichkeit, die Kapazität eines Projektteams flexibel zu erweitern. Wir arbeiten deshalb häufig gemeinsam mit externen Beratungen an Projekten – für alle Seiten sehr gewinnbringend.

Gibt es auch Unterschiede in der Arbeitsweise von internen und externen Beratungen?

Konkret beraten wir die Führungskräfte von Bertelsmann und seinen Divisionen in allen strategischen und organisatorischen Managementfragen. Dabei arbeiten wir projektbasiert, in der Teamstärke frei konfigurierbar und ähneln so externen Beratungen.

Allerdings sind wir ein noch recht kleines Team in einem Konzern mit Dax-30-Größe, sodass auch unsere jungen Berater schnell Verantwortung übernehmen müssen und sehr früh nah am C-Level, also eng mit der Vorstands- und Chefebene, arbeiten. Das ist eine seltene Chance für Berufseinsteiger, direkt Kontakte auf den Top-Ebenen zu knüpfen und viel zu lernen.

Ein weiterer Unterschied: Wir haben aufgrund des geringeren Kostendrucks oft mehr Zeit für die Projekte. Unsere Projekte dauern oft zwischen sechs und 18 Monaten, weil wir die Geschäftseinheiten häufig auch bei der Umsetzung von konkreten Handlungsempfehlungen begleiten. Das ist klasse für die Geschäftseinheiten, da wir auch Monate später noch für Folgeprojekte zur Verfügung stehen, die auf dem erlangten Projekt- und Organisationswissen aufbauen. Das ist aber auch klasse für unsere Berater, weil sie die durch ihre Arbeit bewirkten Verbesserungen und Erfolge hautnah miterleben.

Nah am C-Level klingt respekteinflößend, besonders für Neueinsteiger. Wie ist die Zusammenarbeit mit den Vorständen der Divisionen und von Bertelsmann selbst?

Wir sind eines der größten Familienunternehmen Europas und das macht sich auch in der Arbeitsweise bemerkbar. Die Atmosphäre ist kollegial und unprätentiös, auf Inhalte fokussiert und respektvoll. Ich glaube, unsere Führungskräfte sind überdurchschnittlich anspruchsvoll, aber das muss auch so sein. Und umso mehr Spaß macht es, wenn wir diese Ansprüche erfüllen. Neueinsteiger werden dabei natürlich durch erfahrende Berater unterstützt. Aber unsere jungen Berater suchen auch die Herausforderung.

Ein häufiges Argument für große Beratungen ist, dass sie so viel Abwechslung und neue Themen auf dem Tisch haben. Sind die Themen begrenzter dadurch, dass man nur in einem Konzern aktiv ist?

Viele wissen nicht, wie viele verschiedene Geschäfte und Branchen hinter Bertelsmann stecken: Medienbereiche wie die RTL Group mit weltweit mehr als 60 TV-Kanälen und der größte Buchverlag der Welt, Penguin Random House mit mehr als zwei Millionen verkauften Büchern pro Tag gehören genauso zu Bertelsmann wie der neue internationale Bildungsbereich und die Service- und Dienstleistungsunternehmen um Arvato mit mehr als 60.000 Mitarbeitern. Über das Fehlen spannender Themen in unterschiedlichen Branchen mache ich mir keine Sorgen. Über die Tatsache, dass so mancher Absolvent den Bertelsmann-Konzern unterschätzt, weil viele Produkte die Marke Bertelsmann nicht tragen, schon eher.

Gütersloh ist vielleicht für einige Bewerber weniger attraktiv als die großen deutschen Boom-Städte. Ist für dich der Standort kein Problem?

Ich komme ebenso wie meine Frau aus der Region, so dass für mich der Standort sogar ein Vorteil ist und ich Heimat und Familie mit einem spannenden Job in einem internationalen Umfeld verbinden kann. Hinzu kommt, dass unsere Berater je nach Projekt mehrere Tage pro Woche vor Ort bei unseren Klienten sind – neben Gütersloh hauptsächlich in Berlin, Hamburg, Köln, aber auch London und New York. Außerdem nutzen viele Kollegen die Möglichkeit, aus dem Homeoffice zu arbeiten. Standortwechsel auch innerhalb einer Woche bringt ein Beraterjob automatisch mit sich. Ich empfinde das als Vorteil und als einen weiteren Faktor, warum die Arbeit bei Bertelsmann Management Consulting so viel Spaß macht.

nach oben
Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.