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Direkt schlafen? "Ich will noch was vom Tag haben"

Der Informatikstudent

Patrick F.* hat nach seiner Ausbildung zum Werkstoffprüfer ein Informatikstudium angefangen. Das hat seinen Schlaf verändert.

Einen richtigen Schlafrhythmus habe ich nicht. In der Regel gehe ich gegen drei oder fünf ins Bett und versuche zwischen elf und 13 Uhr aufzustehen. Die Zeit, zu der ich ins Bett gehe, verschiebt sich meist langsam nach hinten, sodass ich mich irgendwann zwingen muss, wieder früher schlafen zu gehen. Sonst ist der nächste Tag hinüber. Normalerweise brauche ich mindestens sechs Stunden Schlaf, um halbwegs fit zu sein. Ich könnte auch fünf verkraften, aber das ist dann wirklich die Schmerzgrenze. In meiner Ausbildung zum Werkstoffprüfer habe ich ein paar Mal meine Grenzen ausgetestet. Einmal war ich feiern und bin nach nur einer Stunde Schlaf bei der Arbeit erschienen. Ich war so müde, dass sich acht Stunden Arbeit wie zwanzig angefühlt haben.

Meist haben mir meine Arbeitszeiten aber eine gewisse Routine gegeben. Gegen null Uhr ins Bett und gegen sieben Uhr aufstehen. Seitdem ich studiere, hat sich das verändert. Das hängt damit zusammen, dass ich momentan wenig Verpflichtungen habe. Meinen Nebenjob als Webdesigner kann ich im Homeoffice erledigen und zur Uni gehe ich relativ selten, weil ich den Stoff normalerweise zu Hause nacharbeite. Wenn ich einen Auftrag bekomme, tue ich meist erst einmal wenig. Sobald der Abgabetermin allerdings näher rückt, komme ich unter Druck. Dann wird die Arbeit in Windeseile erledigt und pünktlich eingereicht. Dafür arbeite ich bis spät in die Nacht und stehe möglichst zeitig auf.

Der Industrielackierer

Patrick K.* arbeitet seit vier Jahren als Industrielackierer in einem Schichtbetrieb. Ihm setzen die ständig wechselnden Arbeitszeiten zu.

In meinem Betrieb lackiere ich Kupplungen im Schichtdienst. Meine Schichten wechseln dabei wöchentlich zwischen einer frühen, die um 06.30 beginnt, und einer späten, die um 14.30 Uhr anfängt. Als ich in der Firma angefangen hatte, war das echt unangenehm. Kaum hatte ich mich an die eine Schicht gewöhnt, kam auch schon wieder die andere.  Mittlerweile komme ich mit dem Schichtwechsel besser klar. Da meine Arbeit je nach Auftraggeber variiert, kann es schon mal vorkommen, dass ich an einem Tag unzählige Kupplungen wie am Fließband lackieren muss. Die monotone Arbeit ist bei Schlafmangel zusätzlich belastend.

Wenn die Frühschicht beginnt, verschiebt sich mein Schlafrhythmus. Anfangs gehe ich noch um null Uhr ins Bett und stehe nach fünf Stunden wieder auf. Ab Mittwoch kann ich mich dann häufig nicht mehr richtig konzentrieren und bin schlecht gelaunt. Dann gehe ich früher ins Bett – Donnerstagabend wird es dann schon mal neun Uhr. Und selbst dann fühle ich mich nach Feierabend etwas ausgelaugt. Leider hört die Arbeit nach Feierabend nicht auf. Oft helfe ich noch meinen Freunden oder Familie bei Streicharbeiten. Wenn ich abends endlich nach Hause komme, haue ich mich auf die Couch und spiele etwas Playstation, um zu entspannen. Richtige Einschlafrituale habe ich eher nicht.

Zur späten Schicht penne ich auch mal mehr als acht Stunden, gehe dafür aber wesentlich später schlafen – häufig sogar nach drei Uhr morgens. Das liegt einfach daran, dass ich in der Regel erst um zehn Uhr zu Hause bin und keine Lust habe, mich direkt schlafen zu legen. Ich will noch etwas vom Tag haben.

Am Wochenende versuche ich, mich ausgiebig auszuruhen. Dann schlafe ich bis zu zehn Stunden und kann am Montag wieder voll durchstarten. Im Urlaub bleibe ich lange wach und stehe spät wieder auf, vor allem, wenn ich verreise. Wenn ich dann wieder anfangen muss zu arbeiten, fühle ich mich extrem gerädert.

*Manche der Protagonistinnen und Protagonisten wollen aus privaten Gründen nicht mit vollem Namen und Foto erscheinen.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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