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Roboter Künstliche Intelligenz [Quelle: Unsplash.com, Alex Knight]

Quelle: Unsplash.com, Alex Knight

Wer ist auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft gefragt? Mitarbeiter mit diesen sieben Fähigkeiten.

Was muss sich Jutta Rump an diesem Abend nicht alles anhören: Durch die Digitalisierung geht Kreativität verloren. Die Automatisierung vernichtet Arbeitsplätze. Maschinen denken effizienter als Menschen. Wenn dieser Abend symptomatisch ist für die Stimmung im Land, scheinen die Deutschen nicht übertrieben optimistisch in die Zukunft zu schauen. Und damit beginnt auch schon das Problem.

Jutta Rump ist Professorin für Personalmanagement an der Hochschule Ludwigshafen und Expertin für Fragen, die die Zukunft der Arbeit betreffen. An diesem Abend ist sie zu Gast in der Sendung "Redezeit" des Radiosenders NDR Info, die Redaktion will wissen: "Verdrängt der Roboter den Menschen?"

Rump versteht die Sorge, einerseits. Andererseits ist sie auch Wochen nach der Sendung noch erschrocken über den Pessimismus der meisten Zuhörer. Sie beklagten während ihrer Anrufe die Nachteile der Digitalisierung, nur wenige erwähnten und erwägten die Vorteile. Der Eindruck von Rump deckt sich mit dem Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des IT-Unternehmens Liveperson unter 1.017 Deutschen im vergangenen Februar. Danach stimmen 43 Prozent der Aussage zu, dass automatisierte Technologien ihren Arbeitsplatz bedrohen. Und knapp 58 Prozent glauben, dass gewöhnliche Arbeiter am meisten mit der Digitalisierung und Jobverlusten zu kämpfen haben. "Eine solche Einstellung ist fatal", sagt Rump, "denn zum Fortschritt gibt es keine Alternative."

Fünf Jahre ist es her, dass eine Studie des Ökonomen Carl Benedikt Frey und des Informatikers Michael Osborne, die beide an der Universität Oxford lehren, für weltweiten Schrecken sorgte. Darin prophezeiten die Wissenschaftler, dass in den USA 47 Prozent aller Jobs durch die Digitalisierung bedroht seien. Ihr Fazit: "Die meisten Arbeitsplätze in Transport- und Logistikberufen, dazu ein Großteil der Büroangestellten sowie Arbeit in der Produktion stehen auf dem Spiel."

Sicher, die Digitalisierung ist nicht die erste große Umwälzung in der Geschichte der Menschheit, auch der Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft wurde von der Angst vor Massenarbeitslosigkeit begleitet. Und dennoch sind sich Arbeitsmarktforscher, Managementexperten und Organisationspsychologen einig: Die Arbeitswelt steht vor einem radikalen Wandel. Und nur wer gut auf die neue Zeit vorbereitet ist, kann von ihr profitieren, seinen Job sichern, seinen Wohlstand genießen. Aber wie genau geht das? Um diese Frage zu beantworten, hat sich die WirtschaftsWoche in den vergangenen Wochen bei Experten aus Theorie und Praxis umgehört – und dabei sieben Fähigkeiten identifiziert, die künftig besonders gefragt sein werden. Darunter fallen zahlreiche neue Kompetenzen wie Disruptionskompetenz oder Frustrationstoleranz. Und die sind kaum jemandem in die Wiege gelegt. Vielmehr muss man sie sich aneignen, pflegen und ausbauen.

Am Ende zählt die richtige Einstellung. "Wer seine Arbeit nicht gerne macht und Dienst nach Vorschrift erledigt, den kann ein Algorithmus ersetzen", sagt der Neurobiologe Gerald Hüther, "jemanden, der seine Arbeit mit Leidenschaft macht, aber nicht."

1. Disruptionskompetenz

Wer etwas Neues erschaffen will, muss sich vom alten Denken befreien – und Unsicherheit ertragen.

Kodak, Nokia, Neckermann – einst große Namen und Marktführer, heute Sinnbilder der Vergangenheit, des unternehmerischen Scheiterns. Die Firmen entwickelten ihre Geschäftsmodelle weiter, das schon. Aber sie stellten sich nicht den technologischen Umbrüchen: Digitalfotografie, Smartphone, Onlinehandel. Laut einer Erhebung der Unternehmensberatung Accenture sind weltweit 63 Prozent der Konzerne von Disruptionen betroffen – also von ruckartigen Entwicklungen, die zunächst im Verborgenen, in einer Nische reifen, sich dann auf den Massenmarkt ausdehnen und schließlich bestehende Geschäftsmodelle zerreißen (lateinisch: "disrumpere"). Mit schrittweisen Anpassungen an gegebene Umstände ist es daher heute nicht mehr getan. "Um zukunftsfähig zu bleiben", sagt Hilmar Schneider, Chef des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA), "brauchen Unternehmen kreative Mitarbeiter."

Konkret: Mitarbeiter, die so mutig sind, bei neuen Fragen alte Antworten zu ignorieren; die Technologien aus anderen Branchen auf die eigene übertragen; die sich trauen, bislang erfolgreiche Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle infrage zu stellen. Das kommt nicht nur ihren Arbeitgebern zugute, sondern auch der eigenen Karriere: "Maschinen können noch nicht etwas völlig Neues entdecken", sagt Schneider, "da hat der Mensch weiterhin einen natürlichen Vorteil."

Und den gilt es zu nutzen. Manche vertrauen dabei auf Kreativitätstechniken, auf Design Thinking oder Mind Mapping; andere tauschen sich mit Fachleuten in verschiedenen Branchen aus, um sich die Wachsamkeit zu erhalten für das, was man nicht auf dem Alltagsschirm hat. Die Hauptsache: Man verlässt regelmäßig die Komfortzone. Der Umgang mit Unsicherheiten hilft, disruptive Lösungen zu finden.

Das legt auch eine Studie der Yale-Universität nahe. Neurowissenschaftler Daeyeol Lee maß die Hirnaktivität von Affen, während sie eine Aufgabe lösten. Im ersten Experiment konnten die Tiere einen roten oder einen grünen Knopf drücken, um an süßen Saft zu gelangen. Drückten sie den roten, erhielten sie in vier von fünf Fällen eine Belohnung. Drückten sie den grünen, lag die Erfolgsquote nur bei 20 Prozent. Die Tiere lernten schnell, dass das Drücken der roten Schaltfläche eine Belohnung wahrscheinlicher machte. Dann drehten die Forscher die Bedingungen um; nun war der grüne Knopf erfolgversprechender. Die Affen mussten also lernen, mit der neuen Situation umzugehen – und das machte sich in ihrem Kopf bemerkbar: Die Hirnaktivität stieg.

In einem weiteren Experiment blieben die Bedingungen gleich. Und diese Sicherheit führte schon nach kurzer Zeit zu einem Erlahmen der Hirnaktivität. "Wir lernen nur bei Unsicherheit", fasst Lee das Ergebnis seiner Versuche zusammen: "Und das ist eine gute Nachricht." Denn Ungewissheit aktiviert nicht nur Affen im Labor. Sondern auch Menschen im Büro.

2. Diversitätsakzeptanz

Vielfältige Teams finden kreativere Lösungen – doch der Weg dorthin ist beschwerlich.

Ob Controller, Justiziar oder Experte für den Kundenservice – sie alle kümmern sich bei Telefónica Deutschland um Personalthemen. Für die Experten aller Abteilungen ist Nicole Gerhardt verantwortlich. Die 48-Jährige steht seit einem Jahr dem Bereich Personal beim Telekommunikationskonzern vor und hat eine neue Führungsmannschaft zusammengestellt. "Wir leben in einer sehr komplexen Welt", sagt die Managerin. "Und diese Komplexität muss sich in den Teams widerspiegeln."

Eine Überzeugung, die Sascha Friesike, Assistenzprofessor für digitale Innovation an der Freien Universität Amsterdam, teilt: "Homogene Teams haben zwar niedrige Diskussionskosten, aber auch ein geringes Innovationspotenzial." Und auf den Geist der Erneuerung sind Unternehmen heute mehr angewiesen als auf funktionierende Befehl-und-Gehorsam-Strukturen.

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