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Lieber krank zur Arbeit als arbeitslos

Krank am Arbeitsplatz [© Bartłomiej Szewczyk - Fotolia.com]

© Bartłomiej Szewczyk - Fotolia.com

Viele Menschen gefährden eher die Gesundheit als ihren Job: Wer nur befristet oder als Leiharbeiter beschäftigt ist, meldet sich seltener krank als andere.

Es ist ein Satz, der in heutigen Arbeitsverträgen nicht mehr so häufig zu finden ist wie früher: "Das Arbeitsverhältnis wird auf unbestimmte Zeit geschlossen." Üblicherweise regelt die Klausel, dass die neue Stelle nicht befristet ist, sondern erst mit dem Eintritt in das Rentenalter endet. Zahlen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen: Der Passus fehlt in fast der Hälfte der Arbeitsverträge von neu eingestellten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland – sie sind nur Arbeitsverträge auf Zeit.  

Gerade junge Menschen starten häufig mit einem befristeten Job ins Arbeitsleben. Das will die Bundesregierung nun ändern. Sie möchte Berufseinsteigern – aber auch älteren Beschäftigten – mehr Sicherheit und Planbarkeit im Leben ermöglichen. Denn die Befristungen haben Folgen über die Arbeit hinaus: Beispielsweise vergibt kaum eine Bank einen langfristigen Immobilienkredit, wenn der Job befristet ist. Auch legen Umfragen nahe, dass sich Arbeitnehmer weniger krankmelden, wenn ihre Stelle nicht sicher ist – selbst wenn sie wirklich krank sind. Negativ aufgefallen ist in diesem Zusammenhang kürzlich die Deutsche Post, die Mitarbeiter nur entfristet, wenn sie innerhalb von zwei Jahren nicht mehr als 21 Tage krank waren. Das Unternehmen nutzt somit die Angst ihrer Mitarbeiter vor dem Jobverlust, um Fehlzeiten zu reduzieren. Diese Rechnung kann aufgehen. 

Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD nun festgelegt, dass Arbeitgeber mit mehr als 75 Beschäftigten nur noch 2,5 Prozent der Belegschaft ohne Grund befristen dürfen. Auch sollen diese Befristungen nicht wie bisher zwei Jahre lang gelten, sondern nur noch eineinhalb Jahre.

Das finden aber gerade große Unternehmen nicht gut, sie haben schon Gegenmaßnahmen angekündigt. Einer Umfrage der Wirtschaftswoche zufolge wollen viele von ihnen die neue Regelung umgehen. Nur acht Prozent von knapp 600 befragten Managern würden demnach mehr unbefristete Stellen schaffen, heißt es in dem Bericht. 45 Prozent der Firmenchefs wollen auf eine Befristung mit Sachgrund ausweichen. Ein solcher Grund kann zum Beispiel eine befristete Stelle im Anschluss an eine Ausbildung oder ein Studium sein oder wenn ein Arbeitnehmer als Vertretung eines anderen eingestellt wird. 27 Prozent der Arbeitgeber wollen der Umfrage zufolge mehr Leiharbeiter einsetzen.

Andere Umfragen legen nahe, welche Auswirkung unsichere Arbeitsverhältnisse auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben können. Gerade unter Leiharbeitern fällt die Zahl der Krankmeldung im Vergleich zu normal Beschäftigten besonders niedrig aus, ergab eine Auswertung von Krankenkassendaten durch das Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. "Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen könnte sein, dass ähnlich wie bei befristeten Arbeitsverträgen Zeitarbeiter eher bereit sind, krank zur Arbeit zu gehen, um die Chancen einer Weiterbeschäftigung nicht zu gefährden", heißt es in der Studie. Arbeitnehmer würden eher auf Krankmeldungen verzichten, um den Arbeitsplatz nicht zu gefährden.

Möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang zwischen der allgemeinen Wirtschaftslage und der Zahl der Krankmeldungen: Seit dem Jahr 2006 hat sich die Arbeitslosenquote in Deutschland fast halbiert, während im gleichen Zeitraum die Zahl der Tage, an denen sich Arbeitnehmer krankmeldeten, um fast ein Drittel gestiegen ist. Auch hier zeigt sich: Je sicherer der Job ist, desto eher sind die Menschen offenbar bereit, sich krankzumelden.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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