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Was ist produktiver?

Und damit soll es jetzt vorbei sein? Nein, findet Claudia Hartwich. Es sei "ein Unterschied, ob man nicht ins Büro gehen muss oder nicht darf", sagt die Personalchefin von Microsoft Deutschland, und: "Das Büro als sozialer Ort mit Meetingraum und Kaffeebar – das finden viele gerade jetzt wünschens- und erstrebenswert." Hartwich glaubt, dass es nach der Pandemie zu einer hybriden, fluiden Form des Arbeitens kommen wird, dass die Mitarbeiter teils zu Hause, teils im Büro, teils in Coworking Spaces an ihren Laptops sitzen und sich vernetzen: "Es wird immer Orte geben müssen, an denen Menschen sich treffen, miteinander reden, Projekte besprechen oder bloß ein bisschen plaudern können."

Effizienzschub durch Heimarbeit

Dass Hartwich die Bedeutung des Büros so hoch einschätzt, ist übrigens kein Zufall: Vor sieben Jahren hat der Konzern Mitarbeiter ins Homeoffice schicken wollen – und Widerstand provoziert. Mehrere Niederlassungen in Deutschland sollten damals schließen; im Gegenzug wollte Microsoft einige Hundert Mitarbeiter zur Heimarbeit überreden. Doch die sperrten sich. Der Betriebsrat schritt ein. Die Büros in Bad Homburg, Böblingen und Hamburg blieben erst einmal erhalten.

Nicholas Bloom, Professor an der kalifornischen Universität Stanford, ist sich dennoch sicher: Eine Rückkehr zur Arbeitswelt vor Corona werde es nicht geben. Bloom ist so etwas wie der Guru aller Heimarbeiter, seit er im Jahr 2015 in einer Studie belegte: Wer von zu Hause aus arbeitet, ist nicht nur genauso effizient wie seine Kollegen im Büro – sondern noch viel effizienter. So jedenfalls das Ergebnis seiner Fallstudie über den chinesischen Reiseanbieters Ctrip, der seinen Mitarbeitern die Möglichkeit einräumte, auf Wunsch von zu Hause aus zu arbeiten. Bloom verglich die Produktivität der Mitarbeiter vor der Umstellung mit der danach sowie zwischen den Gruppen der Heimarbeiter und der Bürofreunde. Das Ergebnis: Die Heimwerker waren nach der Umstellung um 13 Prozent produktiver als vorher im Büro. Bloom hat nun Sorge, dass überstürzte Umstellung dank Corona den Blick auf diese Fakten verstellen könnte: "Derzeit wird die Arbeit von zu Hause mit niedriger Produktivität verbunden, was an der Anwesenheit der Kinder, der schlechten Ausstattung und dem Mangel an Freiwilligkeit liegt." Dennoch glaubt er, dass die Zwangslage seinem Anliegen dauerhaft hilft. Es sei einfach zu offensichtlich, dass das Wirtschaftsleben auch ohne Präsenzpflicht funktioniert.

Paradies für Faulpelze?

Dass es eine Coronakrise brauchte, um die Heimarbeit geschäftsfähig zu machen, liegt auch daran, dass sich die Geister in dieser Frage bisher oft entlang der Hierarchiegrenzen schieden. So ergab eine Studie der TH Köln, dass die Vorliebe fürs flexible Arbeiten abnimmt, je befehlsgewaltiger ein Mitarbeiter ist. Offenbar ist bis heute eine Sorge verbreitet, die Boris Johnson, damals Bürgermeister von London, seinen Mitarbeitern hinterherrief, als er sie im Jahr 2012 wegen der Olympische Spiele für einige Wochen in die Heimarbeit verabschiedete: Die Arbeit von zu Hause, so Johnson, sei "ein Paradies für Faulpelze".

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