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Spiel mit dem Status

Quelle: Canva.com

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Eine neue Studie zeigt, dass Lachen gegen Stress hilft. Sollten wir also alle kalauern, um besser durch den Bürotag zu kommen? Eher nicht. Denn der richtige Einsatz von Humor ist ein kompliziertes Spiel – mit hohem Risiko

Schlaf, Meditation, Sport – gegen Stress gibt es viele wohlmeinende Ratschläge. Ein Forscherteam der Universität Basel hat nun gezeigt, dass auch eine Binsenweisheit helfen kann: "Lachen ist die beste Medizin". Die Wissenschaftler konnten in einem Experiment nachweisen, dass Lachen den Stress unmittelbar senkt: Die 45 Probandinnen und Probanden gaben über zwei Wochen mehrmals täglich in eine von der Universität entwickelte App ein, wie oft und intensiv sie gelacht hatten – und wie gestresst sie sich fühlten.

Es zeigte sich: Sie hatten weniger Stresssymptome, je häufiger sie an dem Tag lachten. Die Erklärung: Lachen hat eine Pufferwirkung auf die Psyche, was den Umgang mit stressreichen Erlebnissen erleichtert. Mehr noch, sie werden gar nicht als solche wahrgenommen. Auch körperlich wirkt ein herzliches Lachen: Es beansprucht alle Muskeln und wirkt wie ein bewusstes Entspannungstraining. Der zusätzliche Sauerstoff tut dem Stoffwechsel, Hormonhaushalt und Blutdruck gut.

Diese Erkenntnisse sollten vor allem Führungskräfte aufhorchen lassen. In Coronazeiten wächst die Bedeutung von Resilienz auf der einen und Produktivität und Kreativität auf der anderen Seite. Weniger Stress bedeutet freieres Denken, bessere Ideen, größere Harmonie in Teams. Nur: Das mit dem Lachen ist im Job ein Drahtseilakt.

Die Dosis macht das Gift

Gelacht werde zwar fast überall, sagt der Psychologe Nico Rose. "Man muss aber aufpassen, es gibt ja auch verächtliches Lachen." Dabei sei es in Ordnung, auch mal mit Kollegen über den Chef zu lachen oder mit dem Chef über dessen Chef. "Entscheidend ist, dass es nicht zu oft in Zynismus kippt." Denn der, so erläutert Eva Ullmann, Gründerin des Deutschen Humorinstituts, werde leicht zum Boomerang. "Humor kann bei der Arbeit in allen seinen Formen vorkommen. Gewöhnt sich ein Team aber an, ausschließlich zynisch zu scherzen, hat das auf Dauer eine selbstschädigende Wirkung", warnt sie. Stress baue sich so nicht ab.

Grundsätzlich unterscheiden Psychologen drei Formen von Humor: positiven, negativen und abwertenden. Aggressiv nennt Eva Ullmann letzteren, der andere beschämt. Und zeigt, wie kompliziert gelungene Späße sind. Nicht jeder boshafte Witz sei schlimm. "Manche Leute haben eben einen liebevolleren und manche einen schwärzeren Humor", sagt sie. "Unter Kollegen, die eine gute Beziehung zueinander haben, ist beides möglich. Aber wenn der Stress so hoch ist, dass sich jemand bedroht  fühlt, dann sollte man vorsichtig sein und lieber eine Portion liebevolleren Humor zeigen."

In einem verbalen Schlag ins Gesicht kann allerdings auch eine Chance liegen: "Wenn ich meinen Status gerade erhöhen muss, kann ich hier natürlich auch mit einem Konter arbeiten und meine wahre Position direkt unter Beweis stelle", betont Ullmann. "Wenn jemand zu mir sagt, ich sei nicht kompetent, kann ich sagen: 'Mensch, da haben wir schon etwas gemeinsam' – und stelle auf pfiffige Weise Statusgleichheit her." Aggressiver Humor gegen einen schwierigen Vorgesetzten oder auch den schlecht geführten Mutterkonzern kann innerhalb eines Teams Nähe erzeugen. Wohl dosiert allerdings nur.

Wie viel Talent beim Scherzen jemand hat, hängt von vielen Faktoren ab, vor allem von der Erziehung. Wer als Kind lernt, Dinge aus verschiedenen Perspektiven zu sehen, hat es als Erwachsener leichter. In Humortrainings stellt Ullmann Erstaunliches fest: "Sozialen Humor, der nicht verletzt, sondern verbindet, lernen die meisten Menschen sehr schnell." Führungskräften kann das helfen, ihr Team zusammenzuhalten und selbst nicht in die Schusslinie zu kommen. Ein heiterer Spruch im Aufzug könne etwa sein: "Wollen Sie auch nach oben?" – "Nein, heute wollte ich mal zur Seite fahren". Für Ullmann ein gelungenes Beispiel für Humor, der verbindet.

Mit Selbstironie punkten

Chefs sind qua Position das perfekte Ziel für die Scherze ihrer Mitarbeiter. Da helfe nur die souveräne Flucht nach vorne, sagt der Psychologe Rose. Führungskräfte sollten eine Haltung haben, die zeige, das Lachen erlaubt sei – auch über sie selbst. "Wenn über den Chef nicht gelacht werden darf, deutet das eher auf ein Problem hin." Dann herrsche offensichtlich ein Klima der Angst – und in solch einer Atmosphäre werde auch selten Kritik geübt oder frische Ideen eingebracht. Rose plädiert deshalb dafür, Verspieltheit zuzulassen: "Wenn eine Führungskraft es schafft, Dinge humorvoll zu sehen, kleine Wortspiele macht, Mitarbeiter und sich selbst auch mal freundlich auf die Schippe nimmt, dann ist Humor eine eigene Form von Führungskompetenz.

"Wer  nun  denkt,  mit  ein  paar  Kalauern sei die Stimmung im Büro gerettet, täuscht sich allerdings. "Ohne fachliche Kompetenz wirkt der beste Humor nicht", ist sich Eva Ullmann sicher. Eine Führungskraft, die nur witzig ist, sich aber nicht durchsetzen kann, wird im unerwünschten Sinne zur Lachnummer. Und wo Kompetenz vorhanden ist, kann diese durch falsches Lachen auch wieder verloren gehen. "Übermäßiges Lächeln signalisiert immer etwas unterwürfiges, einen niedrigen Status", erläutert Ullmann. Wer also immer nur lächelt, wird nicht mehr ernst genommen. Und wer es gar nicht tut, gemieden.

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