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Hände, 500€ Geldscheine [Quelle: pexels.com, Autor: cottonbro]

Quelle: pexels.com, cottonbro

Lineare Lebensläufe waren gestern. Ob mit Ausbildung oder Uni-Abschluss – nie waren die Zeiten besser, um durch einen Berufswechsel das Gehalt deutlich zu erhöhen. Fünf lukrative Quereinstiegschancen.

Cawa Younosi sucht dringend Verstärkung für den Vertrieb bei SAP. Der Deutschland-Personalchef hat dafür eigens ein Quereinsteigerprogramm ins Leben gerufen. Wer etwa Erfahrung im Einkauf eines Autoherstellers mitbringt, kann bei dem Softwareriesen als Sales Trainee einsteigen. Nach neun Monaten Training mit Übernahmegarantie ist für die neuen "SAP Account Executives" ein Jahresbruttogehalt von 80.000 Euro aufwärts drin. Als Junior-Einkäufer, Durchschnittsverdienst 45.314 Euro, macht das eine Gehaltssteigerung von satten 77 Prozent.

Das Gehalt fast verdoppeln – lange nicht mehr waren die Chancen für einen lukrativen Berufswechsel so gut wie heute. Egal, ob mit Berufsausbildung oder als Hochschulabsolvent: Die Bundesagentur für Arbeit listet derzeit knapp eine Million Vakanzen für Fach- und Führungskräfte auf, Tendenz steigend. Dabei setzen immer mehr Unternehmen genau wie SAP auf Quereinsteiger. In einigen Bereichen wird heutzutage nicht einmal mehr eine akademische Vorbildung erwartet. Younosi geht die Sache pragmatisch an: "Wir suchen vertriebsaffine Leute, die wissen, wie ihre künftigen Kunden ticken und was diese brauchen. Das nötige Fach-Know-how bringen wir den Bewerbern dann schon bei."

Ein Studium sei dafür nicht zwingend nötig. Der demografische Wandel und der Umbau der Wirtschaft lösen einen riesigen Personalbedarf aus: Schon zwei von drei Chefs fürchten um ihr Geschäft , weil sie nicht mehr genügend geeignete Mitarbeiter finden. Das hat eine aktuelle Befragung von Deloitte ergeben. Lautete das Motto unter Personalmanagern früher: "Post and pray" – also Stellenanzeige veröffentlichen und dann beten –, arbeiten Recruiter jetzt nach der Devise: "Post and pay". Sprich: "Inseriere und bezahle" – was immer ein halbwegs qualifizierter Kandidat auch verlangt.

"Waren Quereinsteiger in der Vergangenheit häufig nur zweite Wahl, werben Unternehmen mittlerweile offensiv um sie", sagt Annina Hering, Arbeitsmarktexpertin bei der Online-Stellenbörse Indeed. Ob Anlagenbau oder Zulieferindustrie: "Können sie passende Erfahrungen aus vorherigen Anstellungen in den neuen Job einbringen, dann ist das ein Plus", sagt die promovierte Sozialwissenschaftlerin – und auch eine Grundlage, um ein höheres Gehaltspaket zu verhandeln. Viele Chancen also. Doch die Deutschen sind Quereinstiegsmuffel: Etwa jeder sechste wechselt hierzulande im Jahr zwar den Betrieb, aber nur weniger als jeder neunte komplett den Beruf. Das zeigen Zahlen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Vielleicht ändert sich das ja nun. In der folgenden Übersicht haben wir fünf sehr lukrative Quereinstiegsmöglichkeiten gelistet:

Programmierer gesucht: Koste es, was es wolle

Ganz besonders stark klaffen Angebot und Nachfrage an Fachkräften in der IT auseinander: Rund 96.000 IT-Stellen quer durch alle Branchen sind laut Branchenverband Bitkom in Deutschland unbesetzt. Ein Anstieg um zwölf Prozent zu 2020. Eine Riesenlücke sehen Experten in der Softwareentwicklung. Wer immer sich für Programmieren interessiert, hat Spitzen-Beschäftigungschancen. Oft lassen sich Grundkenntnisse in staatlich geförderten Weiterbildungskursen oder Coding-Schulen mit Namen wie "Neue Fische", "AW Academy" oder "Careerfoundry" erlernen. Die Ausbildung dauert oft nur wenige Monate.

Auch große Konzerne wie Volkswagen oder Microsoft bilden Quereinsteiger in eigenen IT-Bootcamps aus. Neben Jobgarantien liefern die Unternehmen Anwärtern auch die Aussicht, viel Geld zu verdienen. Eine Einsteigerin, die die Programmiersprache Java beherrscht, kommt laut Indeed auf 64.000 Euro Durchschnittsgehalt pro Jahr. Das wären satte 147 Prozent Gehaltssteigerung für eine ehemalige Fachkraft aus der Hotellerie, die nicht mehr in ihren Job zurückwill.

Berater werden: Quereinstieg mit sechsstelligen Gehaltsaussichten

"Die Unternehmensberatung ist eine Branche, die sehr offen für Quereinsteiger ist", sagt Hering. "Mit Praxiserfahrung kann man zum Beispiel aus einer Bank in eine Beratung wechseln, die Finanzinstitute berät." Gerade Wirtschafts- und Naturwissenschaftler seien in der Branche beliebt, ergänzt Korbinian Nagel, Arbeitsmarktökonom bei Gehalt.de. Topabschlüsse sind ein Muss.

Dafür bieten die Beraterjobs finanziell viel: Laut Indeed erhalten Unternehmensberater ein Jahresdurchschnittsgehalt von 62.000 Euro brutto. Für einen Bachelor-Biologen, der zum Beispiel in einem Testlabor arbeitet und der in die Beraterszene als Spezialist für Gesundheitsthemen wechselt, könnte sich das Gehalt um rund 40 Prozent steigern.

Bei bekannten, internationalen Strategieberatungen wie BCG oder McKinsey ist deutlich mehr als der Durchschnitt drin. Promovierte Topabsolventen fangen dort schon mal mit einem Jahresgehalt von mehr als 100.000 Euro an. Als Quereinsteiger sollte man sich dennoch darauf einstellen, dass man erst einmal in Einsteigerpositionen wie Fellow oder Associate startet.

Als Produktmanager quereinsteigen: Gute Chancen im Digital-Umfeld

Personaler geben es immer öfter auf, Idealbesetzungen finden zu wollen, beobachtet Arbeitsmarktexpertin Hering. In Zeiten intensiver Transformation und immer kürzerer Produktzyklen, in denen Wissen schneller denn je veraltet, "reicht es, wenn Fähigkeiten und Erfahrungen eines Kandidaten an den neuen Job anknüpfen. Sie lassen sich dann in der Praxis gezielt ausbauen." Das gelte insbesondere für den Bereich Produktmanagement. Wie einfach und erfolgreich der Quereinstieg als Produktmanager sei, komme auf das Produkt an. Während in manchen Branchen sehr spezifische Qualifikationen erforderlich seien, gelinge der Quereinstieg bei digitalen Produkten einfacher.

"Als Produktmanager kann man mit vielen Ausbildungshintergründen arbeiten, weil es die verschiedensten Produkte gibt, die alle unterschiedliches Wissen erfordern", betont auch Arbeitsökonom Korbinian Nagel. Und so sind beachtliche Gehaltssprünge möglich: Ein Tourismuskaufmann, der bislang mit der Organisation von Reisen im Schnitt 35.603 Euro pro Jahr verdiente, könnte seine Vergütung durch den Jobumstieg locker verdoppeln. Denn das Gehalt für Produktmanager liegt mit 77.000 Euro im Mittel relativ hoch. Speziell im boomenden IT-Sektor bieten sich Chancen für engagierte Umsteiger.

Industriejobs: Brauer in der Arzneimittelherstellung

Auch Arbeitgeber aus der Industrie müssen kreativ werden, um genügend Mitarbeiter zu finden.

Andreas Schmitz, Arbeitsdirektor bei Roche Deutschland, weiß das nur zu gut. Für die Arzneimittelproduktion stellt er daher seit einiger Zeit schon Brauer und Mälzer ein. Die haben im Umgang mit Kesseltechnik Vorkenntnisse. Aber selbst das sei nicht unbedingt notwendig. "Wenn das Mindset stimmt, ist das die Hauptsache", sagt Schmitz. Wer eine mindestens zweijährige Ausbildung im technischen, naturwissenschaftlichen oder handwerklichen Bereich abgeschlossen hat und Lust am lebenslangen Lernen mitbringt, wird umfassend eingearbeitet. Ob Schlosser, Schreiner oder Friseure – sie alle sind willkommen. Mehr als 350 Stellen hat Schmitz derzeit zu besetzen. Der Sprung etwa aus dem Salon in die Pillenproduktion lohnt sich: rund 40.000 Euro Jahresbrutto inklusive Weihnachts- und Urlaubsgeld nach Chemietarif sind laut Indeed drin. Ein sattes Gehaltsplus für angestellte Friseure.

Projektmanager punkten mit Organisationsgeschick

Für das Projektmanagement ist keine besondere Ausbildung gefragt. Oft reichen Zertifizierungen aus – etwa zum Scrum-Master, also zum Experten für agiles Projektmanagement in der Softwareentwicklung. "Hier kommt es auf das Organisationstalent an. Das können auch Leute mitbringen, die keine Projektmanagement-Erfahrung haben, dafür aber einen fachlichen Bezug zu den Projekten", sagt Gehalt.de-Experte Nagel.

Und so könnte beispielsweise eine ehrgeizige Sachbearbeiterin aus der Verwaltung einer Supermarkt-Kette mit Preiskalkulations- und Abrechnungskenntnissen durch ihren Wechsel zu einem Online-Plattformbetreiber profitieren, der Händlern neue App-Funktionen bieten will. Etwa, um Preise tagesaktuell zu kalkulieren. Zum einen machen sich ihr konkretes Fachwissen und ihre Branchenkenntnisse bezahlt, zum anderen winkt ihr als Projektmanagerin bei der Realisation einer solchen App mit 70.000 Euro ein attraktives Durchschnittsgehalt. Konkret ließe sich durch solch einen Wechsel der Bruttoverdienst der Angestellten von durchschnittlich 36.924 Euro um 89 Prozent steigern. Der Sprung ins Unbekannte lohnt sich finanziell also auch hier.

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Was für ein merkwürdiger Artikel. Eine Putzkraft, die einen Quereinstieg bei Volkswagen als CEO macht, steigert ihr Gehalt um den Faktor 10.000 - nur, dass das nie passieren wird. Mir hätten etwas realistischere Beispiele für Jobwechsel besser gefallen, auch wenn sich dabei das Gehalt nicht verdoppelt, sondern nur um 20% steigert.