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Einmal mehr Geld, bitte!

Gehaltsverhandlung Gehaltserhöhung Geld Gehalt [Quelle: pexels.com, Autor: cottonbro]

Quelle: pexels.com, cottonbro

Zu fordernd, zu unkonkret, zu defensiv: Bei Gehaltserhöhungen stehen sich Angestellte manchmal selbst im Weg. Fünf Chefs verraten, wann sie bereit sind, mehr zu zahlen.

Gehaltsverhandlungen waren zuletzt ein schwieriges Thema in Deutschlands Unternehmen. In der Krise haben sich nur wenige Angestellte getraut, nach mehr Geld zu fragen. Gleichzeitig tun sich Arbeitgeber in Zeiten allgemeiner Verunsicherung schwer mit festen Zusagen. Aktuell stehen in vielen Firmen wieder Jahresgespräche an. Haben sich die Chancen für eine Gehaltserhöhung in dieser vierten Coronawelle gebessert?

Ja, meint Sebastian Pacher, Vergütungsexperte bei der Unternehmensberatung Kienbaum. Die meisten Angestellten hätten sich zuletzt "sehr verständnisvoll" gegenüber ihrem Arbeitgeber gezeigt und Forderungen mit Blick auf die Krise klein gehalten. "Dieses Verständnis ist immer stärker aufgebraucht", beobachtet Pacher. Auch weil neben Gehaltsverzicht und Kurzarbeit externe Faktoren wie Fachkräftemangel und Inflation hinzukommen: "Es gibt derzeit ein starkes Momentum für Gehaltserhöhungen", fasst Pacher die Lage zusammen.

Was nicht heißt, dass es für jeden automatisch mehr Geld gibt. Vielmehr werde sich die Vergütung "noch stärker nach dem Leistungslevel ausdifferenzieren", meint der Experte. Was übersetzt so viel heißt wie: Highperformer können deutlich mehr fordern als in der Vergangenheit. Der Rest: eher nicht.

Doch mit welchen Argumenten lassen sich Chefs und Chefinnen wirklich überzeugen? Das haben wir Vorgesetzte aus den unterschiedlichsten Branchen gefragt. Einen Tipp haben sie alle gemeinsam: Wenn der Mitarbeiter bereit ist zu wachsen, wächst auch das Gehalt.

Martin Trillig, Geschäftsführer des Carsharing-Anbieters Book-n-drive

 "Jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter kostet Geld und schafft im Gegenzug Wert. Als Arbeitgeber interessiert mich, welchen Wert wir gemeinsam schaffen und wie wir ihn steigern können. Es sind der Wert und das Geld, das wir erwirtschaften, mit dem die Gehälter und alle anderen Ausgaben bezahlt werden. Eine Mitarbeiterin hat bei einer Gehaltsverhandlung gute Karten, wenn sie konkret zeigt, wie sie den Wert ihrer Arbeit steigert. Nicht härter arbeiten ist das Ziel, sondern smarter.

Wichtig ist auch, die eigene Leistung in der Wertschöpfungskette zu sehen und Hebel zu finden, mit denen die Produktivität des Teams verbessert wird. Wer anderen hilft produktiver zu werden, erreicht mehr als ein Einzelkämpfer. Wachstum erfordert Lernen. Das ist ein Grund, weshalb wir gerne in Weiterbildung investieren. Ein Mitarbeiter macht zum Beispiel gerade eine Zertifizierung zum Fuhrparkmanager. Eine Mitarbeiterin, die zur Teamleiterin befördert wurde, haben wir zu mehreren Führungskräfte-Seminaren geschickt. Die Weiterbildungskosten trägt das Unternehmen, aber den Ehrgeiz, die Motivation und Zeit zum Lernen müssen die Mitarbeitenden selbst mitbringen. Wenn die Menschen wachsen, kann auch das Unternehmen wachsen. Und das sind die besten Voraussetzungen für ein höheres Gehalt."

Karsten Küber, Inhaber des Offenbacher Designstudios aroma:id

"Mehr Gehalt ist bei mir immer dann möglich, wenn die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter sagt: 'Chef, ich möchte dich entlasten und einen Teil deiner Verantwortung für unseren Unternehmenserfolg übernehmen.' Das kann ganz unterschiedlich aussehen: Entweder bringt jemand ganz eigene Ideen ein, wie wir neue Kunden akquirieren können, oder entwickelt ein umwerfendes Konzept für eine Designlinie, die für Unternehmen untrennbar mit unserer Agentur verbunden sein wird. Oder die Mitarbeiterin identifiziert Verbesserungspotenziale im Geschäftsablauf, etwa wie Kunden uns komfortabler erreichen können oder wir Designs den Kunden online und interaktiv vorstellen können.

Wenn Mitarbeitende das Unternehmen weiterentwickeln wollen, eine Strategie entwickeln, wie wir mehr PS auf die Straße bekommen, wenn sie eigene Ideen einbringen – dann würdige ich das gern mit mehr Gehalt."

Bruno Meissner, Gründer und Gesellschafter des Messebauers Meissner Expo

"Der Wunsch nach mehr Gehalt ist häufig verständlich, muss aber fast immer – leider – in das Gehaltsgefüge des Unternehmens eingebettet werden. Argumente für eine zusätzliche Gehaltserhöhung gründen nicht nur in der Teamfähigkeit, Resilienz und Ausbildung einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters, sondern vor allem auch in der Leistungsbereitschaft. Wer Interesse an Weiterbildung zeigt, sich mehr Verantwortung wünscht oder proaktiv Vorschläge zur Organisationsentwicklung macht, hat gute Chancen auf mehr Geld.

Eine hohe Leistungsbereitschaft bedeutet dabei nicht unbedingt, möglichst lange im Büro zu sitzen, sondern großes Interesse an der positiven Entwicklung des Unternehmens zu zeigen. Wenn dieses "Mehr" an Interesse am Unternehmen zu spüren ist und ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin solche Punkte im Mitarbeitergespräch anbietet, dann bin ich gern bereit, im Gehalt zuzulegen."

Fabian Spielberger, Chef der E-Commerce-Holding Pepper Media (Mydealz.de)

"Für Gehaltsverhandlungen gibt es natürlich zahlreiche Herangehensweisen und es kommt auch immer darauf an, ob man bereits in der Firma arbeitet oder neu anfängt. Wir versuchen, immer fair nach Markt zu zahlen und passen in der Regel selbstständig Gehälter an, wenn sich die Aufgabenbereiche deutlich geändert haben. Wer sich allerdings bei seinem Chef oder seiner Chefin die Zähne ausbeißt und nach wirklich starken Argumenten in der Gehaltsverhandlung sucht, dem gebe ich folgenden Tipp mit: Heute schon den Job machen, für den man in Zukunft bezahlt werden möchte, und nicht die Bezahlung zu fordern für den Job, den man danach gerne machen möchte.

Gerade in kleineren Unternehmen kann man häufig einfacher Chancen nutzen und Verantwortung tragen für Dinge, für die man vielleicht noch gar nicht qualifiziert wäre. Aber durch Leidenschaft, Einsatz und Verantwortungsgefühl kann man selber wachsen und neue Themengebiete im Unternehmen erfolgreich führen. Macht man das dann gut, läuft die Gehaltsverhandlung mit Sicherheit um einiges leichter."

Stephanie Lönne, Geschäftsführerin der Lönne Umweltdienste GmbH

"Zunächst stellen wir Mitarbeiter für eine bestimmte Abteilung ein, etwa für die Kanaldienstreinigung oder Abholung von Sonderabfall. Der Mitarbeiter wird dann auf seinem Fahrzeug von einem alteingesessenen Mitarbeiter angelernt. Von da aus kann sich jeder Mitarbeiter weiterentwickeln. Derjenige muss dann aber auch von sich aus kommen und sagen: 'Ich will mehr lernen, wo könntet ihr mich noch gebrauchen?' Je breiter aufgestellt ein Mitarbeiter ist, desto wertvoller ist er für unser Unternehmen. Es hilft also bei einer Gehaltsverhandlung, wenn Mitarbeiter ihr Wissen ausgebaut haben und sagen können: 'Ich habe gelernt, alle Fahrzeuge zu bedienen, ihr könnt mich ab sofort an jeder Ecke einsetzen.'

Und manche Mitarbeiter sind echte Kundenlieblinge. Die können einfach gut mit anderen Menschen. Gerade wenn sie bei Privatpersonen zu Hause eingesetzt sind, weil zum Beispiel die Toilette verstopft ist, dann sollten sie einen guten Draht zu den Menschen haben. Wenn wir über Jahre gutes Feedback von der Kundschaft bekommen und manche sogar gezielt nach einem bestimmten Mitarbeiter fragen, will ich dem natürlich auch etwas Gutes tun. Dann können wir gern über mehr Gehalt reden."

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