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Deutsche Chefs verdienen im Schnitt 174.000 Euro

Chef, Mann, Anzug, Business [Quelle: unsplash.com, Autor: Peter van Eijk]

Quelle: unsplash.com, Peter van Eijk

In der Chemie- und Pharmabranche gibt es für deutsche Manager viel zu verdienen. Dabei bleibt die Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern groß.

Wer nach dem typischen deutschen Chef sucht, sollte den Blick nicht auf die 30 Dax-Konzerne richten, sondern auf die Tausenden von GmbHs in Deutschland. Denn nicht die großen Unternehmen, sondern diese zumeist kleinen und mittelgroßen Firmen machen die breite Masse der deutschen Wirtschaft aus. Und wer dort an der Spitze sitzt, lässt sich ziemlich genau beschreiben: Es ist ein Mann. Er ist 52 Jahre alt. Er ist 48 Stunden pro Woche für die Firma im Einsatz. Er führt 42 Mitarbeiter. Und dafür wird er mit einem Jahresgehalt von rund 174.000 Euro belohnt.

Dieses Profil des durchschnittlichen deutschen GmbH-Geschäftsführers zeigt sich in einer breit angelegten neuen Untersuchung, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Erstellt hat sie die Unternehmensberatung BBE Media gemeinsam mit dem Deutschen Steuerberaterverband. Rund 2.700 Manager und Unternehmer haben daran teilgenommen.

Die beiden Partner liefern jedes Jahr eine hochangesehene Sammlung an Gehaltstabellen. Geschäftsführer können anhand der Daten prüfen, ob sie ihrer Branche entsprechend gut genug bezahlt werden – und ob sie mit dem Status der Kollegen mithalten können, etwa was den Firmenwagen angeht. Noch bedeutender aber ist: Die Tabellen landen auch auf den Tischen der deutschen Finanzämter. Die Beamten nehmen die Daten aus dieser Untersuchung als Orientierung, wenn sie die Steuererklärungen der GmbHs durchforsten. Starke Abweichungen bei den Chefgehältern lassen die Prüfer aufhorchen.

Im Jahr 2018 machten die Geschäftsführer keine Gehaltssprünge, wie die Untersuchung zeigt. Bei den meisten Firmen stagnierten die Bezüge der Chefs. Nur 22 Prozent haben eine Gehaltserhöhung bekommen. Zusätzlich zum Festgehalt erhielten die Manager eine jährliche Tantieme von durchschnittlich 20 Prozent ihrer Jahresvergütung. Der genaue Wert orientiert sich an der Gewinnentwicklung.

Die Zahlen sprechen gegen den weitverbreiteten Vorwurf von Gehaltsexzessen in deutschen Führungsetagen. Auch bei den Großkonzernen ging es 2018 in Sachen Bezahlung moderat zu, wie andere Untersuchungen zeigen. Im Dax 30 sanken die Vorstandsgehälter sogar um zwei Prozent, berechnete die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Frauenanteil unter zehn Prozent

Im Branchenvergleich zeigen sich deutliche Größenunterschiede bei der Bezahlung der GmbH-Chefs. Top-gehälter gibt es in der Industrie, dort kommt ein Geschäftsführer auf 144.000 Euro Festgehalt und knapp 38.000 Euro Tantieme. Beides sind Medianwerte, was bedeutet, dass die Zahl genau in der Mitte aller Ergebnisse liegt – die eine Hälfte der Befragten hat mehr, die andere weniger.

Wer viel Geld verdienen will, sollte in die Chemie- oder Pharmabranche gehen, denn dort wird die höchste Vergütung gezahlt. Der aus beiden Komponenten addierte Medianwert liegt hier bei 240.000 Euro. Deutlich weniger, aber immer noch in der Spitzengruppe sind GmbH-Manager aus der Automobilbranche und der Bauindustrie mit jeweils 194.000 Euro Gesamtvergütung.

Am unteren Ende der Tabelle rangieren Geschäftsführer im Einzelhandel und Handwerk. So liegt der Medianwert des Festgehalts von Chefs im Kraftfahrzeughandel unterhalb von 100.000 Euro. Lebensmittelhändler verdienen mit rund 140.000 Euro Festgehalt vergleichsweise gut.

Die Studie listet darüber hinaus auch auf, wie stark Frauen in der Geschäftsführung deutscher GmbHs vertreten sind. Ergebnis: Es sind immer noch sehr wenige. Zwar ist der Anteil weiblicher Geschäftsführer leicht gestiegen, doch lag der Wert für 2018 nur bei 9,6 Prozent. Heißt andersherum: Mehr als 90 Prozent der GmbH-Chefs sind Männer.

Von gleicher Bezahlung der Geschlechter kann weiterhin nicht die Rede sein, wenn man die Daten aus der Erhebung analysiert. Danach bekommt ein männlicher Geschäftsführer rund 13 Prozent mehr Gehalt als ein weiblicher. Es zeigt sich zudem, dass die Lücke zwischen Frauen und Männern mit steigenden Gehaltklassen immer größer wird.

Das deckt sich mit anderen Analysen wie etwa der Equal-Pay-Studie der Kölner Personal- und Managementberatung Kienbaum. Sie zeigte eine Entgeltlücke von elf Prozent. Die Auswertung von Daten von 75.000 Personen ergab: Je höher die Position in der Unternehmenshierarchie, desto größer fällt das sogenannte Gender-Pay-Gap aus. Kienbaum arbeitete dabei mit bereinigten Werten: Es wurden also nur Männer und Frauen mit ähnlichen Tätigkeiten, Positionen und Qualifikationen verglichen.

Auf ein Statussymbol im Job legen Männer wie Frauen weiterhin großen Wert: den Dienstwagen. Die neue Mobilitätswelt von Carsharing, Elektroroller oder E-Bike als Ersatz für das Auto ist zumindest in der Geschäftsführung noch nicht angekommen: 87 Prozent der Männer und 83 Prozent der Frauen nutzen einen Dienstwagen, zeigen die BBE-Daten.

Die richtig "dicken" Autos werden dabei vorwiegend von den männlichen Geschäftsführern gefahren, denn ihr Dienstwagen kostet etwas über 70.000 Euro (Medianwert). Bei Frauen sind es weniger als 60.000 Euro. Sie greifen also eher mal zum Audi A4 oder zum VW Passat. Der am meisten verbreitete Dienstwagen ist der Audi A6, gefolgt von der BMW-5er-Reihe, der BMW-X-Reihe und der Mercedes-E-Klasse.

Mit den Gehaltstabellen von BBE prüfen Finanzbeamte, ob Chefs ihr Gehalt nicht zu hoch angesetzt haben. Das gilt für die geschäftsführenden Gesellschafter einer GmbH, die zugleich auch Anteilseigner sind. Ist die Vergütung im Branchenvergleich auffällig hoch, vermutet das Finanzamt dahinter eine verdeckte Gewinnausschüttung. Auf diesem Weg versuchen manche Firmen, die Steuerlast zu senken. Denn das Geschäftsführergehalt kann als Betriebsausgabe geltend gemacht werden, wodurch die Last der Gewerbe- und Körperschaftsteuer sinkt.

Als Indiz für eine verdeckte Gewinnausschüttung gilt, wenn der geschäftsführende Gesellschafter sich eine besonders hohe Tantieme auszahlen lässt. Lange Zeit galt für den Fiskus dabei die 75-zu-25-Regel: Die variable Vergütung durfte nicht mehr als ein Viertel des Gesamtgehalts ausmachen. Diese starre Regel haben die Finanzgerichte zwar aufgehoben – seither sind auch andere Relationen bei ausreichender Begründung möglich. Doch sie wird in den Firmen immer noch weitverbreitet als Maßstab genommen, heißt es in der Untersuchung. "Es bleibt dabei, dass gerade viele Gesellschafter-Geschäftsführer übervorsichtig sind und ihre Bezüge steuerlich nicht ausreizen."

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