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Chefs dürfen nicht zu schlau sein

Chef, Boss [Quelle: unsplash.com, Hunters Race]

Quelle: unsplash.com, Hunters Race

Angestellte halten ihre Vorgesetzten gerne für blöd. Tatsächlich wirkt sich zu hohe Intelligenz bei Führungskräften negativ aus.

Welche Eigenschaft ist für eine Führungskraft am wichtigsten? Empathie? Entscheidungsstärke? Offenheit? Wenn es nach der Hirnforschung geht, ist die Antwort klar: Intelligenz. Kluge Menschen sind nachweislich erfolgreicher und landen nicht nur in besser bezahlten, sondern auch in verantwortungsvolleren Jobs. Doch bei der Intelligenz gibt es ebenfalls zu viel des Guten. Denn dass ein hoher IQ automatisch zu besserem Führungsverhalten führt, ist genauso ein Mythos wie die Kraft der emotionalen Intelligenz, welche wissenschaftlich schwer messbar ist.

Intelligenz ist zunächst mal nur ein Maß dafür, wie effizient jemand Probleme lösen kann. Wie gut und geschickt er sich gegenüber anderen Menschen benimmt – also: wie emotional intelligent er sich verhält –, ist völlig egal, wenn man bei einem IQ-Test Logikrätsel knacken und Zahlenreihen ergänzen muss. Das bekommt selbst ein soziophober Mathenerd hin. Und der ist selten ein charismatischer Anführer.

Doch der reine IQ sagt per se nichts darüber aus, wie gut man sich als Personalverantwortlicher schlagen wird. Untersucht man nämlich, wie Intelligenzniveau und Führungsqualität zusammenhängen, stellt sich zunächst heraus: Je klüger der Boss, desto besser wird sein Managementstil von Kollegen und Teammitgliedern bewertet. Ab einem IQ von 120 schwächt sich der Effekt allerdings ab, bevor er bei hochintelligenten Menschen sogar ins Gegenteil kippt. Oberhalb eines IQs von 130 wird Führungskompetenz signifikant schlechter bewertet. Wissenschaftler vermuten: Hochintelligente kümmern sich offenbar weniger darum, auf Mitarbeiter positiv und unterstützend einzugehen, sondern gehen vielmehr davon aus, dass die Kollegen selbst komplexe Probleme genauso schnell lösen wie sie selbst.

Ob sich Intelligenz positiv auf den Führungsstil auswirkt, hängt also nicht nur vom Häuptling ab, sondern auch von den zu führenden Indianern. Intelligenz ist nun mal keine absolute Größe, sondern relativ: Wer im Test besser abschneidet als der Rest, bekommt den höchsten IQ.

Es ist so wie beim Leistungssport: Man kann nicht absolut gut Fußball spielen, sondern immer nur relativ besser als der Gegner. Selbst wenn der FC Bayern München die nächsten 20 Meisterschaften gewinnen würde, wäre der Verein nicht automatisch eine grandiose Fußballmannschaft, sondern nur relativ besser als der Rest der Liga – und der kann ja auch grottenschlecht sein. Bei der Auswirkung von Intelligenz auf das Führungsverhalten ist es ähnlich. Entscheidend ist nicht der absolute IQ des Vorgesetzten, sondern derjenige relativ zur Gruppe. Verschiedene Studien konnten zeigen: Chefs sind dann am besten, wenn ihr IQ etwa sieben Punkte höher liegt als der Durchschnitt der Gruppenmitglieder.

Selbst der hochintelligente Streber könnte also zum Alphatier werden, solange er ausschließlich von ähnlich cleveren Typen umgeben ist. Umgekehrt haben nun alle Teamchefs endlich eine passende Ausrede, wenn deren Gruppe nicht richtig läuft: "Leute, ich bin einfach zu clever für euch!"

Das mag zwar menschlich fragwürdig sein – wissenschaftlich korrekt ist es aber allemal.

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