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Warum können Chefs so schlecht Feedback geben?

Frauen Arbeit Praktikum [Quelle: unsplash.com, Autor: Mimi Thian]

Quelle: unsplash.com, Mimi Thian

Angestellte wollen eine Rückmeldung, Chefs die Harmonie im Team nicht gefährden. Beraterin Anja Gstoettner erklärt, wie dieses Dilemma überwunden werden kann.

Ein Lob von der Chefin tut gut, dieses Gefühl kennt jeder Berufstätige. Doch im Alltag kommen viele Chefs nicht dazu, ihre Mitarbeiterinnen in dem Maß zu loben, wie die es sich wünschen. Warum fällt es Chefs schwer, regelmäßig Feedback zu geben? Anja Gstoettner berät Führungskräfte. Sie sagt, es liegt daran, dass viele Chefs selbst keine wertschätzende Rückmeldung bekommen.

Frau Gstoettner, Sie haben über 16 Jahre lang als Führungskraft im Personalbereich gearbeitet. Fiel es Ihnen schwer, Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Feedback zu geben?

Gstoettner: Ich musste anfangs lernen, sie zu loben. Ich war als Führungskraft immer intrinsisch motiviert, also aus mir selbst heraus. Um meine Arbeit zu machen, habe ich selbst positives Feedback nicht gebraucht. Ich musste aber lernen, dass nicht jeder so tickt wie ich. Für manche ist Input von außen wichtig, um motiviert zu bleiben. Und das ist total okay so.

Wie haben Sie das gemerkt?

Durch die Rückmeldung meiner Mitarbeitenden. Ich habe meine Teams um ihre Meinung gebeten und bekam den Hinweis: Hör mal, in dem Fall hätte ich mir gewünscht, dass du mich lobst. Dadurch habe ich den beschriebenen Fall reflektiert und mir wurde viel bewusster, was die Mitarbeiterin in der Situation tatsächlich geleistet hatte.

Heute coachen Sie andere Führungskräfte. Geht es Ihren Klienten ähnlich wie Ihnen damals?

Feedback zu geben kann viele Herausforderungen birgen. Viele Führungskräfte schieben die Mitarbeitergespräche gern vor sich her und hoffen, dass sich Konflikte irgendwie von selbst klären.

Warum geben Führungskräfte nicht gerne Feedback?

Das liegt meiner Erfahrung nach daran, dass Führungskräfte es oft selbst nicht gewohnt sind, eine Rückmeldung zu erhalten, die hilfreich war. Ich habe in den vergangenen 30 Jahren nur wenige Unternehmen erlebt, in denen es selbstverständlich war, dass jeder jedem Feedback gegeben hat.

Ein Teufelskreis, sozusagen.

Genau. Auch Führungskräfte haben meist noch einen Chef oder eine Chefin. Wer selbst keine positiven Erfahrungen mit Feedback gemacht hat, tut sich meines Erachtens auch schwer, es als nicht als sinnvolles Instrument anzuerkennen und einzusetzen.

Sollten Chefs, die selbst kein Feedback bekommen, nicht wissen, dass das nicht zufriedenstellend ist?

Auch dann ist es immer noch aufwendig, ein solches Feedbackgespräch gut zu führen. Gerade wenn es etwas Kritisches zu besprechen gibt, muss man sich gut darauf vorbereiten. Wenn sich zwei unterschiedliche Charaktere gegenübersitzen, kann das Gespräch richtig anstrengend werden. Viele Führungskräfte haben Angst, sich unbeliebt zu machen. Sie machen den Fehler, die Sachebene und die persönliche Ebene zu vermischen. Da heißt es dann, ich habe es ja schon mal versucht, der Mitarbeiterin Feedback zu geben, aber dann war sie so gekränkt, dass sie zwei Tage nicht mit mir gesprochen hat und die schlechte Stimmung aufs ganze Team übergeschwappt ist. In der Folge halten sie sich mit Feedback lieber zurück.

Führungskräfte stehen in der Hierarchie über ihren Mitarbeitenden. Warum machen sie sich überhaupt Gedanken darüber, wie beliebt sie sind?

Den meisten Vorgesetzten ist bewusst, dass sie nicht Everybody's Darling sein können. Aber manchmal gehen die Emotionen und der Verstand auseinander. Führungskräfte erzählen mir oft: Eigentlich ist mir bewusst, dass ich unmöglich jedem einen Gefallen tun kann, aber ich spüre trotzdem den Druck, die positive Grundstimmung auf keinen Fall zu gefährden.

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