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Moral und Markt im Widerstreit

Solaranlage

Quelle: freeimages.com, dynamix

Über ihre soziale Verantwortung sprechen Unternehmen gerne - bei Sonntagsreden. In der Praxis sah das bisher anders aus. Doch nun entdecken immer mehr Unternehmen ihre so genannte Corporate Social Responsibility und wollen ethisches Handeln auch im Geschäftsleben verankern. Die Frage dabei ist oft: Wie misst man ethisches Handeln eigentlich und ist es unethisch, mit sozial- oder umweltbewusstem Verhalten auch noch Profit zu machen?

"The business of business is business." Mit diesem lapidaren wie eingängigen Aphorismus begegnete der US-amerikanische Wirtschaftsprofessor und Nobelpreisträger Milton Friedman einst kritischen Fragen über die Verantwortung eines Unternehmens für seine Umwelt. Im Klartext heißt das: Für ein Unternehmen zählt vor allem der Profit. Dass Unternehmen neben ihren Geschäftspartnern aber auch auf ihren Mitarbeiter, Umwelt, Politik und die Öffentlichkeit, also von der Gesamtheit ihrer Stakeholder, angewiesen sind, zeigen berühmte Skandale der jüngeren Vergangenheit. Der Ölkonzern Shell wollte 1995 seine Ölplattform Brent Spar im Meer versenken. Letztlich erlitt aber vor allem das Image des Ölkonzerns Schiffbruch – mit deutlichen Einnahmeverlusten als Folge. Heute tut sich der Ölkonzern in Sachen Umweltschutz besonders positiv hervor. Aus Schaden wird man ethisch. 

Ethik – bislang ein Posten auf der Ausgabenseite

Als philosophische Unterfütterung für die soziale Verantwortung von Unternehmen bemüht man hierzulande gerne Immanuel Kant. Er definiert ethische Grundnormen des Handelns in seinem kategorischen und praktischen Imperativ, der seine Aktualität bis heute nicht verloren hat. Eine Übersetzung in die Wirtschaft lautet "Corporate Social Responsibility" (CSR). Sie ist die Verbindung von ethischem und unternehmerischem Handeln und damit weit mehr als nur Engagement für gute Zwecke ("Corporate Citizenship"), das als Pflicht angesehen und auf der Ausgabenseite eines Unternehmens verbucht wird. Dass Ethik eine Investition ist, die sogar profitabel sein kann, erscheint den meisten Managern noch als Widerspruch.

Ethik gilt noch als teuer und aufwändig

2005 befragte die Bertelsmann Stiftung in einer Studie 500 Führungskräfte der deutschen Wirtschaft nach ihrem gesellschaftlichen Verantwortungsgefühl und ihren daraus resultierenden Aktivitäten. Es zeigte sich, dass das Bewusstsein für Unternehmensethik zwar sehr groß ist. In der Praxis aber haben zwei Drittel der befragten Unternehmen noch keine eigene CSR-Stelle geschaffen. Auch ist das Budget mit durchschnittlich weniger als einem Prozent des Umsatzes noch sehr gering. Als Hinderungsgrund nennen die Manager vor allem die Kosten und den Aufwand, den CSR-Aktivitäten verursachen. 

Vom Shareholder-Value zum Stakeholder-Dialog

In den USA, Großbritannien und Skandinavien entdeckten Unternehmen schon vor einigen Jahren die wachsende Bedeutung von Corporate Social Responsibility. Der Mittelstand, sozial und regional in sein Umfeld eingebunden, kennt das Thema schon lange. In den neunziger Jahren galt der Shareholder-Value als wichtiges Unternehmensziel. Nun erweitern sie den Begriff und sprechen von dem viel ganzheitlicheren Stakeholder-Dialog. Er bezieht alle Interessengruppen rund um ein Unternehmen in das strategische Denken mit ein und nicht mehr nur eine wichtige Zielgruppe. 

Neuer Berufsstand Ethik-Management

Seitdem steigt die Nachfrage nach so genannten Ethik-Managern. Ein Berufsstand, der mit ökologischem und sozialem Verhalten rechnet statt mit Zahlen. Es entstanden auch Agenturen, die viel beachtete Ratings erstellen, die Unternehmen nach ihrem ethischen Verhalten auflisten (siehe später im Artikel). Universitäten bieten nun immer mehr Master- und MBA-Programme rund um Ethik- und Nachhaltigkeitsmanagement an (siehe später im Artikel). Sie alle verfolgen ein Ziel: Ethisches Verhalten profitabel, messbar und damit attraktiv zu machen. Ist so etwas überhaupt möglich – und vor allem seriös? 

Ethik - ein weites Feld

Das weite Feld der Unternehmensethik betrifft nicht nur das Verhältnis von Unternehmen und Gesellschaft, sondern auch das der Mitarbeiter untereinander. In diesem Artikel geht es aber vor allem um die organisatorische Ebene (siehe Grafik) und um die Frage: Wie kann ein Unternehmen ethische Grundsätze praktisch und mit Erfolg umsetzen und welche Instrumentarien der Messung gibt es? Die aktuellen Diskussionen dazu zeigt auch das Buch "Unternehmensethik.

Deutschland lebt noch immer in einer wirtschaftsethischen Steinzeit.

Jesco Kreft

Ausbruch aus der "wirtschaftsethischen Steinzeit"

Die Stiftung für Wirtschaftsethik fördert Projekte zur Umsetzung von CSR in Unternehmen. Kreft: "Ich habe mich immer dafür interessiert, wie man moralische Fragen in eine wirtschaftliche Sprache übersetzen kann, ohne dass der moralische Aspekt dabei verloren geht." Er ist überzeugt davon, dass moralische Werte auch eine ökonomische Komponente besitzen. Corporate Citizenship sei hierzulande aber einfach noch nicht entwickelt. Kreft: "In Deutschland leben wir noch immer in einer wirtschaftsethischen Steinzeit. Wenn jemand Gutes tut und damit erfolgreich ist oder auch noch seinen Gewinn steigert, gilt sein Engagement in Deutschland typischerweise als desavouiert. In den USA oder Großbritannien geht man damit ganz pragmatisch um und spricht sogar vom 'sozialen Kapital', das dem Unternehmenserfolg nützt." Praktische Unternehmensethik ist für Kreft weder mildtätiges Sponsoring noch moralinsaure Theorie, sondern eine Managementaufgabe. Unternehmen trügen heute mehr denn je die Verantwortung für ihre gesamte Wertschöpfungskette. 

Bestandteil der Unternehmensstrategie

Die Wahrnehmung dieser Verantwortung machen immer mehr Unternehmen zu einem integralen Bestandteil ihrer Strategie. Bisher war bei vielen Unternehmen, wenn überhaupt, vielleicht mal eine halbe Stelle im Marketing für diese Aufgabe vorgesehen. Nun siedeln sich CSR-Abteilungen immer öfter nahe an der Geschäftsführung an. Skandale in der Zulieferkette oder im eigenen Unternehmen sind extrem geschäftsschädigend, so dass ethisches Verhalten zunehmend mit ökonomischen Argumenten eingefordert wird. Skandale wird es trotzdem immer wieder geben. 

Die Verantwortung des Kunden

Dabei stellt sich aber auch die Frage nach dem Verhalten der Kunden. Moral fordern kann man als Bürger leicht, auch wenn man sich als Konsument dann doch für das billigste Produkt entscheidet, ohne sich darüber Gedanken zu machen, auf welche Weise es eigentlich entstanden ist. Deshalb, so Kreft, sei bei der Frage der Unternehmensethik immer auch die "Kundensouveränität" gefragt.

Eine gute ethische Performance stärkt auch den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.

Carolin Seeger

Ethik- und Umwelt-Erfolge als Teil des Kerngeschäfts

Nach ihrem BWL-Studium an der esb Reutlingen und ihrer Diplomarbeit über CSR machte Carolin Seeger einen Master of Science in Development Studies in London. "Zusätzlich zu meiner wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung wollte ich immer gerne etwas Soziales tun", meint Seeger. "CSR findet in Deutschland noch sehr viel in Hochglanzbroschüren statt. Unsere Kunden machen Nachhaltigkeit zu einem Teil ihres Kerngeschäfts. Sie glauben, dass eine gute ethische und Umwelt-Performance ihren wirtschaftlichen Erfolg stärkt." Seeger bewertet unter anderem jährliche Sustainability-Reports der Unternehmen. Aus diesen Reports erstellt sie dann "Reviews". Seeger: "Ein Sustainability-Report ist wie ein Geschäftsbericht, der aber nicht nur die Finanzen beurteilt, sondern vor allem das Verhalten eines Unternehmens gegenüber Umwelt, Mitarbeitern und weiteren Stakeholdern." 

Sternchen für gutes Benehmen

Unter anderem untersucht Seeger, wie die aufgeführten Erfolge durch Zahlen und Fakten belegt werden. Berichtet das Unternehmen auch über Negatives, das mit mittel- und langfristigen Zielen realistisch behoben werden soll? Kommen Stakeholder unzensiert zu Wort? Wurde der Report unabhängig geprüft? Das alles mündet dann in ein Ranking mit eins bis fünf Sternen. Seeger: "Zum Beispiel bekam Shell mit viereinhalb Sternen einen der höchsten Werte. Schlecht schnitt hingegen mit nur einem Stern der erste Sustainability-Report der deutschen Commerzbank ab." Doch hat ein schlechtes Ergebnis den positiven Effekt, dass ein Unternehmen seine Defizite erkennen und künftig mehr Anstrengungen in seinen CSR-Aktivitäten unternehmen kann.

Messbare Moral?

Noch gibt es eine Vielfalt von Bewertungssystemen beim ethischen Handeln von Unternehmen. Doch haben sich in den letzten Jahren Standards entwicket, die eine bessere Übersicht und Vergleichbarkeit schaffen. Alumnus Georg Neumann (27) arbeitet bei der internationalen Organisation gegen Korruption Transparency International mit Hauptsitz in Berlin und erkennt eine "Art CSR-Movement" bei Unternehmen. Neumann: "Es gibt mehr Bewusstsein dafür, dass Korruption den Markt verzerrt. Außerdem wird Korruption heute weltweit viel stärker geahndet." Zusammen mit 20 internationalen Unternehmen und Organisationen, Gewerkschaften und der Wissenschaft entwickelte die Antikorruptionsorganisation 2002 die "Business Principles for Countering Bribery". Sie sind ein Modell, wie Unternehmen das Korruptionsrisiko, wie Schmiergeldzahlungen bei der Vergabe von Aufträgen, in der Praxis vermindern können. 

Ethische Ratings für Geldanlagen

Auch bei Geldanlagen haben ethische Ratings an Bedeutung gewonnen, vor allem bei privaten Investoren. Seit 2001 existiert der so genannte Indexanbieter FTSE. Die Unternehmensgruppe brachte eine Reihe von Indices mit Namen "FTSE4Good" auf den Markt, die das soziale, ökologische und ethische Verhalten von Unternehmen messen und aufzählen. Das Problem: Hierbei werden nur Selbstauskünfte und Selbstverpflichtungen untersucht, die in der Regel nicht objektiv sind. Noch länger, bereits seit 1999, gibt es den Dow Jones Sustainability Index (DJSI). Er misst Unternehmen nach wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Kriterien. Nur die besten zehn Prozent einer Branche kommen in die Indices. Gerade Banken brüsten sich inzwischen damit, in diesen Indices gelistet zu sein, da so genannte "ethische Investments" für Banken ein gutes Verkaufsargument und für Investoren eine Gewissensberuhigung sind. 

Die Zwänge des globalen Marktes

Der globale Wettbewerb zwingt internationale Unternehmen zu einer günstigen Produktion, so dass sie ihre Waren immer häufiger in der dritten Welt und in Schwellenländern produzieren lassen. Doch herrschen dort oft menschenunwürdige Arbeitsbedingungen und Defizite beim Umweltschutz. Wie sieht die moralische Mitverantwortung von Unternehmen wie Peek & Cloppenburg oder Bosch aus, die viel mit Zulieferen in wirtschaftsschwachen Ländern zusammenarbeiten?

Warum ist Corporate Social Responsibility für Peek & Cloppenburg wichtig?

Bei einem Unternehmen unserer Größe halten wir es für sehr wichtig, unserer Verantwortung gegenüber den Menschen und der Umwelt gerecht zu werden. Ein Importeur hat heute mehr Verantwortung für die Waren, die er bezieht. Er muss wissen, woher sie kommen und unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden.

Wie prüfen und überwachen Sie Ihre Zulieferer?

Wir haben ein System geschaffen, das zunächst einfach feststellen sollte, woher unsere weltweite Ware kommt. Wir haben erkannt, dass wir dafür ein wirksames Instrumentarium schaffen und vertragliche Regelungen mit unseren Zulieferern treffen müssen. Dabei greifen wir auf unsere eigenen Mitarbeiter, zum Beispiel im Einkauf zurück. Aber auch auf externe Dienstleister, die Kontrollen in den Fabriken durchführen.

Was passiert, wenn Sie ein schwarzes Schaf entdecken?

Wenn bei einem Zulieferer grundlegende soziale Standards nicht eingehalten werden, so setzen wir Sanktionen fest oder sprechen eine Warnung aus. Im Extremfall brechen wir den Geschäftskontakt auch ganz ab. Das ist aber bisher nur in wenigen Fällen vorgekommen, da wir die Standards ja in vertraglichen Regelungen festgelegt haben.

Wie zuverlässig kann ein solches Überwachungssystem sein?

Eine verlässliche Kontrolle ist bis zur vorherigen Produktionsstufe, also unseren direkten Zulieferern, möglich. Allein bei der Herstellung unserer Eigenmarken, die weniger als die Hälfte unseres Sortiments ausmachen, kooperieren wir weltweit mit bis zu 1.800 Fabriken. Wir streben an, etwa 75 Prozent des Warenvolumens in einem Zeitraum von drei Jahren durch Kontrollen abzudecken. Dabei besuchen wir Fabriken bis zu drei Mal im Jahr bis das Resultat zufriedenstellend ist.

Ihre Zulieferer müssen also bei der Gestaltung sozialer Standards mit Ihnen und jedem weiteren Großkunden extra verhandeln?

So war es früher. Doch die firmenspezifischen Anforderungen und Standards sind einfach zu verschieden, was für Zulieferer ein großes Problem darstellt. Daher haben wir die Idee mitentwickelt, firmenübergreifende, soziale Standards zu schaffen, an denen sich die Zulieferer orientieren können. Die von uns mitgegründete "Business Social Compliance Initiative" ist ein solcher Sozialstandard. An ihm beteiligen sich inzwischen über 50 Einzelhändler in Europa. Die Überwachung der Standards übernimmt nach wie vor jeder Einzelhändler in Eigenregie.

Worin liegt der Geschäftserfolg dieser Initiative?

Gewinn mit Unternehmensethik zu machen, ist nicht unser Ziel. Wir machen mit diesem Thema auch keine Werbung. Unsere Hauptmotivation liegt darin, dass wir unsere Reputation halten und unserer Verantwortung gerecht werden wollen. Diese erstreckt sich aber nicht nur auf die Arbeitsbedingungen, sondern auch auf Themen wie schadstofffreie Textilien oder die artgerechte Haltung bei Pelztierzüchtern.

Wie sorgen Sie für Umweltschutz in ihrem weltweit tätigen Unternehmen?

Wir haben weltweit zurzeit 264 Fertigungs- und Entwicklungsstandorte, die umweltrelevant sind. Einerseits prüfen wir diese Standorte intern, andererseits arbeiten wir mit einem weltweiten Steuerkreis zusammen, dem "Steering Commitee Health, Saftey and Environment". Daran sind die Regionen USA, Südamerika, Indien, Japan, China und Europa beteiligt. Auf unserer letzten Sitzung im Juli 2006 in Paris sprachen wir unter anderem über die Ziele für Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz und ihre weltweite Umsetzung. Es gibt auch die internationale Umweltnorm ISO 14001, nach der bereits 145 Standorte, vorrangig im Kraftfahrzeugbereich, zertifiziert sind. Auch binden wir unsere Zulieferer mit einer Lieferantenbewertung in unsere Umweltschutzaktivitäten ein.
 

Ist der Einsatz für den Umweltschutz nur etwas für das Unternehmensimage oder ziehen Sie auch einen geschäftlichen Nutzen daraus?

Bosch hat ein vitales eigenes Geschäftsinteresse beim Thema Umweltschutz. Denn mit einer größeren Energieeffizienz, zum Beispiel bei der Brennwerttechnik oder bei der Solartechnik, lassen sich die Produkte auch verstärkt im Markt absetzen. Mit einer besseren Einspritztechnik im Auto verringern wir Emissionen, das verbraucht weniger Sprit - ein echtes Verkaufsargument. Weniger Energieverbrauch bedeutet auch weniger Bedarf an Rohstoffen und das ist wiederum ein wichtiger Aspekt bei der Effizienz in der Produktion.

Wie lässt sich umweltfreundliches Verhalten messbar machen oder gar in Zahlen ausdrücken?

Das ist tatsächlich ein schwieriges Unterfangen. Da die Bandbreite der Produkte bei Bosch sehr groß ist, lassen sich Erfolge bei den sehr unterschiedlichen Produkten nicht einfach addieren. An einem einzelnen Produkt aber können wir die Steigerung der Effizienz messen und damit einen Erfolg in Zahlen ausmachen.

MBA Ethik-Manager

Eine Umfrage von e-fellows.net unter seinen Alumni ergab, dass über die Hälfte der Teilnehmer im Studium gar keine Berührung mit dem Thema hatte, viele wurden erst im Beruf auf Unternehmensethik aufmerksam. Doch nun tauchen an Universitäten und MBA-Schulen immer mehr Master- und MBA-Programme zu Themen wie "Sustainability Management" und "Business Ethics" auf (siehe Übersicht unten). Einige Lehrstühle und private Universitäten haben das Thema und sein Potenzial für die Wirtschaft schon entdeckt. Sie rücken ab von der These, dass Unternehmenserfolg immer nur kurzfristig und profitorientiert sein muss, sondern sind der Ansicht, dass ethisches Verhalten eine Basis für nachhaltigen Unternehmenserfolg darstellt.

Zunehmende Nachfrage am Arbeitsmarkt

Alumnus Jesco Kreft (32) (siehe Interview auf der Seite 1) von der Stiftung Wertevolle Zukunft glaubt, dass auch in Deutschland der Stellenmarkt für Ethik-Manager wächst. Fast jedes der DAX 30 Unternehmen habe heute schon eigene Manager für CSR-Aktivitäten eingestellt. Sie beraten die Abteilungen im Unternehmen in sozialen und Umweltfragen und kümmern sich um die externe Kommunikation mit den Stakeholdern. 

Ein Beruf, der langsam im Kommen ist

Die Jobmöglichkeiten für Ethik-Manager in Deutschland wachsen, wenn auch noch langsam. Im skandinavischen und anglo-amerikanischen Raum hat sich der Beruf des Ethik-Beraters schon etabliert. Hier gibt es auch schon renommierte Studiengänge (siehe Links unten). Bernhard Schwager von Bosch (siehe Interview Seite 2) hat Chemie studiert und meint: "Chemisches Wissen ist bei Umweltthemen natürlich sehr nützlich. Allerdings bin ich nicht mehr so repräsentativ für meine Abteilung. Heute stellen wir meist Mitarbeiter ein, die sich schon im Studium mit umweltwissenschaftlichen Themen beschäftigt haben und damit eine zielgenaue Ausbildung mitbringen."

Alles andere als ein Blütenfach

Alumna Carolin Seeger (siehe zu Anfang), Sustainability-Beraterin, brachte als Qualifikation Beratungserfahrungen und einen Master in Development Studies mit. "Bei meinem Master ging es vor allem um internationale Entwicklung. Das hat mit meinem jetzigen Beruf wenig zu tun. Trotzdem hätte ich ohne Master meinen Job wohl nicht bekommen. Auch der Ruf der Universität spielt eine Rolle." Seeger machte auch ein Praktikum in dem typischen Zuliefererland Indien, um mehr über Maßnahmen zur Förderung von Nachhaltigkeit zu erfahren. Außerdem, so Seegers, hat sie als Beraterin gelernt, wo bei Unternehmen die Prioritäten liegen, so dass sie auch die Umwelt-Reports durchschauen kann. Ihr Beruf ist für Seeger daher alles andere als ein "Blütenfach".

Umfrage unter e-fellows.net-Alumni

Wie erwartet ist das Thema Unternehmensethik, das in Ländern wie Großbritannien und den USA seit einigen Jahren stark wächst, in Deutschland noch wenig bekannt. Nur 29 Alumni zeigten Interesse an der Umfrage über Unternehmensethik. Auch hat sich über die Hälfte der Teilnehmer an der Umfrage (55,2 Prozent) im Studium gar nicht mit dem Thema beschäftigt. Dafür kam ein Fünftel aller Befragten (20,7 Prozent) im Beruf mit dem Thema schon in Berührung. 

Was ist Wirtschafts- und Unternehmensethik für Sie?

Bei dieser Frage zeigte sich, wie breit gefächert das Themenfeld ist. Eine Gruppe von Teilnehmern betont vor allem die moralische Pflicht eines Unternehmens gegenüber der Umwelt und den Stakeholdern. Ein Alumnus definiert Unternehmensethik als "Abkehr von rein kurzfristig finanzorientierten Wertmaßstäben nach dem Motto 'the business of business is business'". Die andere Gruppe definiert Unternehmensethik vor allem als unternehmensinternes Miteinander von Kollegen. Ein Zitat: "Allgemeine Grundsätze für das berufliche Miteinander, die den Arbeitsalltag und das Arbeitsklima positiv beeinflussen."

Unternehmensethik - nach innen und nach außen

Unternehmensethik beginnt im Unternehmen selbst und zeigt sich dann auch nach außen. So fasst es ein Alumnus treffend zusammen: "Zunächst sollte sich eine ethische Ausrichtung im eigenen Unternehmen in den Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter und dem Verhalten der Führungskräfte (fair, zugänglich, kritikfähig, lösungsorientiert) zeigen. Erst wenn diese internen Bedingungen stimmen, sollte sich ein Unternehmen prestigeträchtigen außenwirksamen Projekten zuwenden um nicht gleichzeitig an interner Glaubwürdigkeit zu verlieren." (Mehr Infos und eine genauere Definition des Begriffs Unternehmensethik und Corporate Social Responsibility gibt in der Fokus-Reportage Unternehmensethik

Wie oft haben Sie Berührung mit ethischen Fragen der Wirtschaft in Ihrem Arbeitsalltag?

Auf einer Skala von 1 (niemals) bis 5 (sehr häufig) landete die Gesamtheit der Teilnehmer bei einem Wert von 2,6 zwischen selten und regelmäßig. Ein ganz anderes Bild bei der Frage, wie wichtig ein Arbeitgeber mit gelebter Unternehmensethik ist. Hier ging die Skala von 1 (unwichtig) bis 5 (Ausschlusskriterium bei der Arbeitgeberwahl). Der Gesamtwert liegt hier bei 3,7 also in der Nähe des Wertes "sehr wichtig".

Sind ethische und moralische Grundsätze von Unternehmen in einer globalisierten Marktwirtschaft nur schöngeistiges Geblubber zur Imagepflege?

Hier antwortete knapp über die Hälfte (51,7 Prozent) mit Nein. Ein Drittel (31 Prozent) votierte mit Ja. Ein knappes Fünftel (17,2 Prozent) konnte sich in dieser Frage nicht festlegen. 

Unternehmensethik in der Praxis. Welche Erfahrungen haben Sie?

Diese Frage beantwortete ein Alumnus mit: "Mein Unternehmen hat vor kurzem pro bono eine Gemeindekonferenz mit einer Kirchengemeinde in der Nähe des Unternehmensstandortes durchgeführt zur Zukunft der Gemeinde und ihrer Aktivitäten." Ein weiterer formuliert das Unternehmensziel seines Arbeitgebers folgendermaßen: "Wir entwickeln und vermarkten Treibstoffe und Schmierstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe." Doch nicht jeder kann so viel Gutes von seinem Arbeitgeber sagen. Einer meint: "In meinem Arbeitsalltag wird leider lediglich auf Außenwirksamkeit gesetzt", und eine Alumna hat sich sogar von der Wirtschaft abgewendet: "Ich arbeite ganz bewußt nicht mehr in der Wirtschaft! Bin jetzt Forscherin. Da gibt es zwar auch Probleme, aber lang nicht so heftig wie in der Wirtschaft." 

Wenn es darauf ankommt: die eigene Wahl

"Sie haben zwei Jobangebote. Das erste bei einem Ölkonzern, der dafür bekannt ist, mit Diktaturen in der Dritten Welt zu kooperieren, aber hohe Gehälter bezahlt und gute Aufstiegschancen bietet. Das andere Angebot kommt von einem Automobilkonzern, der sich beim Bau umweltschonender Motoren hervortut, aber weniger Gehalt bezahlt als der Ölkonzern. Welches Angebot nehmen Sie an?" Knapp über die Hälfte (51,7 Prozent) antwortet hier: "Den Job mit dem niedrigeren Gehalt, der dafür aber ethisch korrekt(er) ist." Nicht mal ein Fünftel (17,2 Prozent) wählt "den Job mit dem höheren Gehalt und den guten Karrierechancen." Doch ein Drittel der Teilnehmer wollte sich nicht so festlegen lassen. Ein Alumnus bemerkt hierzu: "Es gibt schon sehr viele positive Projekte. Es müssen auch Menschen mit Veränderungswillen zu solchen Unternehmen gehen, sonst ändert sich wenig, da der Druck von außen nur ein Aspekt ist."
 

Einige Diskussionsbeiträge aus der Umfrage

 "Dass moralisch wertvolles Verhalten sich auch und vor allem wirtschaftlich auszahlt, ist die Voraussetzung für eine langfristige und konjunkturunabhängige Orientierung an ethischen Maßstäben."
 
 "Ich glaube, dass die langfristigen Vorteile von ethischem Verhalten (zu) häufig unterschätzt werden."
 
 "Ich finde es sehr gut, dass sie dieses Thema aufgreifen. Leider vermisse ich, dass Sie es selber in ihren Förderrichtlinien unterstützen. Mir ist wohl bewusst, dass eine eingehende Prüfung des sozialen Engagements und des Charakters des Bewerbers schwierig ist. Ich würde es jedoch begrüßen, wenn in diese Richtung mehr Anstrengungen unternommen würden. e-fellows.net sollte mit gutem Beispiel voran gehen."* 

  
*Anmerkung der Redaktion: Für die Auswahl ins Stipendienprogramm von e-fellows.net sind grundsätzlich sehr gute akademische Leistungen, Praktika und Auslandsaufenthalte sowie Engagement außerhalb des Studiums entscheidend. Für e-fellows.net ist Engagement für Umwelt und Gesellschaft daher ein wichtiges Kriterium bei der Aufnahme, wenngleich die akademischen Leistungen das Hauptkriterium darstellen.

Jesco Kreft
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