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Umfrage unter e-fellows.net-Alumni

Wie erwartet ist das Thema Unternehmensethik, das in Ländern wie Großbritannien und den USA seit einigen Jahren stark wächst, in Deutschland noch wenig bekannt. Nur 29 Alumni zeigten Interesse an der Umfrage über Unternehmensethik. Auch hat sich über die Hälfte der Teilnehmer an der Umfrage (55,2 Prozent) im Studium gar nicht mit dem Thema beschäftigt. Dafür kam ein Fünftel aller Befragten (20,7 Prozent) im Beruf mit dem Thema schon in Berührung. 

Was ist Wirtschafts- und Unternehmensethik für Sie?

Bei dieser Frage zeigte sich, wie breit gefächert das Themenfeld ist. Eine Gruppe von Teilnehmern betont vor allem die moralische Pflicht eines Unternehmens gegenüber der Umwelt und den Stakeholdern. Ein Alumnus definiert Unternehmensethik als "Abkehr von rein kurzfristig finanzorientierten Wertmaßstäben nach dem Motto 'the business of business is business'". Die andere Gruppe definiert Unternehmensethik vor allem als unternehmensinternes Miteinander von Kollegen. Ein Zitat: "Allgemeine Grundsätze für das berufliche Miteinander, die den Arbeitsalltag und das Arbeitsklima positiv beeinflussen."

Unternehmensethik - nach innen und nach außen

Unternehmensethik beginnt im Unternehmen selbst und zeigt sich dann auch nach außen. So fasst es ein Alumnus treffend zusammen: "Zunächst sollte sich eine ethische Ausrichtung im eigenen Unternehmen in den Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter und dem Verhalten der Führungskräfte (fair, zugänglich, kritikfähig, lösungsorientiert) zeigen. Erst wenn diese internen Bedingungen stimmen, sollte sich ein Unternehmen prestigeträchtigen außenwirksamen Projekten zuwenden um nicht gleichzeitig an interner Glaubwürdigkeit zu verlieren." (Mehr Infos und eine genauere Definition des Begriffs Unternehmensethik und Corporate Social Responsibility gibt in der Fokus-Reportage Unternehmensethik

Wie oft haben Sie Berührung mit ethischen Fragen der Wirtschaft in Ihrem Arbeitsalltag?

Auf einer Skala von 1 (niemals) bis 5 (sehr häufig) landete die Gesamtheit der Teilnehmer bei einem Wert von 2,6 zwischen selten und regelmäßig. Ein ganz anderes Bild bei der Frage, wie wichtig ein Arbeitgeber mit gelebter Unternehmensethik ist. Hier ging die Skala von 1 (unwichtig) bis 5 (Ausschlusskriterium bei der Arbeitgeberwahl). Der Gesamtwert liegt hier bei 3,7 also in der Nähe des Wertes "sehr wichtig".

Sind ethische und moralische Grundsätze von Unternehmen in einer globalisierten Marktwirtschaft nur schöngeistiges Geblubber zur Imagepflege?

Hier antwortete knapp über die Hälfte (51,7 Prozent) mit Nein. Ein Drittel (31 Prozent) votierte mit Ja. Ein knappes Fünftel (17,2 Prozent) konnte sich in dieser Frage nicht festlegen. 

Unternehmensethik in der Praxis. Welche Erfahrungen haben Sie?

Diese Frage beantwortete ein Alumnus mit: "Mein Unternehmen hat vor kurzem pro bono eine Gemeindekonferenz mit einer Kirchengemeinde in der Nähe des Unternehmensstandortes durchgeführt zur Zukunft der Gemeinde und ihrer Aktivitäten." Ein weiterer formuliert das Unternehmensziel seines Arbeitgebers folgendermaßen: "Wir entwickeln und vermarkten Treibstoffe und Schmierstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe." Doch nicht jeder kann so viel Gutes von seinem Arbeitgeber sagen. Einer meint: "In meinem Arbeitsalltag wird leider lediglich auf Außenwirksamkeit gesetzt", und eine Alumna hat sich sogar von der Wirtschaft abgewendet: "Ich arbeite ganz bewußt nicht mehr in der Wirtschaft! Bin jetzt Forscherin. Da gibt es zwar auch Probleme, aber lang nicht so heftig wie in der Wirtschaft." 

Wenn es darauf ankommt: die eigene Wahl

"Sie haben zwei Jobangebote. Das erste bei einem Ölkonzern, der dafür bekannt ist, mit Diktaturen in der Dritten Welt zu kooperieren, aber hohe Gehälter bezahlt und gute Aufstiegschancen bietet. Das andere Angebot kommt von einem Automobilkonzern, der sich beim Bau umweltschonender Motoren hervortut, aber weniger Gehalt bezahlt als der Ölkonzern. Welches Angebot nehmen Sie an?" Knapp über die Hälfte (51,7 Prozent) antwortet hier: "Den Job mit dem niedrigeren Gehalt, der dafür aber ethisch korrekt(er) ist." Nicht mal ein Fünftel (17,2 Prozent) wählt "den Job mit dem höheren Gehalt und den guten Karrierechancen." Doch ein Drittel der Teilnehmer wollte sich nicht so festlegen lassen. Ein Alumnus bemerkt hierzu: "Es gibt schon sehr viele positive Projekte. Es müssen auch Menschen mit Veränderungswillen zu solchen Unternehmen gehen, sonst ändert sich wenig, da der Druck von außen nur ein Aspekt ist."
 

Einige Diskussionsbeiträge aus der Umfrage

 "Dass moralisch wertvolles Verhalten sich auch und vor allem wirtschaftlich auszahlt, ist die Voraussetzung für eine langfristige und konjunkturunabhängige Orientierung an ethischen Maßstäben."
 
 "Ich glaube, dass die langfristigen Vorteile von ethischem Verhalten (zu) häufig unterschätzt werden."
 
 "Ich finde es sehr gut, dass sie dieses Thema aufgreifen. Leider vermisse ich, dass Sie es selber in ihren Förderrichtlinien unterstützen. Mir ist wohl bewusst, dass eine eingehende Prüfung des sozialen Engagements und des Charakters des Bewerbers schwierig ist. Ich würde es jedoch begrüßen, wenn in diese Richtung mehr Anstrengungen unternommen würden. e-fellows.net sollte mit gutem Beispiel voran gehen."* 

  
*Anmerkung der Redaktion: Für die Auswahl ins Stipendienprogramm von e-fellows.net sind grundsätzlich sehr gute akademische Leistungen, Praktika und Auslandsaufenthalte sowie Engagement außerhalb des Studiums entscheidend. Für e-fellows.net ist Engagement für Umwelt und Gesellschaft daher ein wichtiges Kriterium bei der Aufnahme, wenngleich die akademischen Leistungen das Hauptkriterium darstellen.

Jesco Kreft
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