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16 Tage unter Wasser

Matthias’ Beruf ist aufregend und führte ihn in Trainingslager in China und Russland, Japan und den USA. Er tauschte sich mit ehemaligen Astronauten aus und übte zukünftige Reparaturarbeiten für das Leben auf einer Raumstation. Gemeinsam mit anderen Astronauten simulierte er 2016 eine 16-tägige Marsmission in einer Unterwasserkapsel. Arbeiten auf engstem Raum und Probensammeln in der Schwerelosigkeit machten ihn zum Allrounder.

Aber trotz der aufregenden Reisen und Experimente, die ihm sein Beruf bietet, legt Matthias Wert auf Ausgleich. "Die Work-Life-Balance muss schon stimmen", sagt er. "Bereits im Studium habe ich autogenes Training gemacht und viel Sport getrieben. Das hilft mir bis heute, gezielt abzuschalten."

"Belastungsfähigkeit ist ein wichtiges Kriterium für Astronauten. Das wurde mir zum Glück von Kindesbeinen an mitgegeben. Im Auswahlverfahren musste ich unter Zeitdruck Englisch- und Matheaufgaben lösen, Erinnerungstests bestehen und mein räumliches Vorstellungsvermögen beweisen. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass manche Aufgaben gar nicht ausgewertet wurden, sondern nur dazu dienten, mein Stresslevel zu erhöhen. Bei einer solchen Dauerbelastung ist es wichtig, gezielt zu entspannen."

Ein ganz normaler Job?

Während mir Matthias von den Tai-Chi-Sitzungen seiner Astronautenkollegen aus China berichtet, fühle ich mich immer weniger an die Weltraummissionen von Kirk, Picard & Co. erinnert. Stattdessen denke ich plötzlich an das Poster mit praktischen Dehnübungen für den Büroalltag, das in unserer Redaktion hängt.

Ich merke: Auch Astronauten haben einen ganz normalen Berufsalltag. Auch Matthias sitzt oft stundenlang am Schreibtisch und verfasst Berichte. Auch er muss mit unterschiedlichen Kollegen zusammenarbeiten und auf seine Work-Life-Balance achten – oder einfach nur büffeln: aktuell Russisch und Chinesisch, um irgendwann auf einer Sojus-Kapsel oder einer Shenzhou eingesetzt werden zu können. Oft hätte er aber auch nur eine 40-Stunden-Woche, erzählt er. Und über die Zeit danach denkt er natürlich nach: Er kann sich gut vorstellen, an Universitäten sein Wissen an Studenten weiterzugeben.

Zum Schluss unseres Gesprächs stelle ich Matthias die Frage eines weiteren Community-Mitglieds: Wie soll die Raumfahrt auch in Zukunft die Menschen begeistern? Selbstsicher antwortet er: "Die Raumfahrt muss sich heute mit vielen anderen Angeboten messen, und es ist schwierig, den Mehrwert für die Forschung zu vermitteln. Aber genau deswegen trete ich und tritt die ESA so viel medial auf. Die Menschen können sich weiterhin für die Raumfahrt begeistern – wir müssen unsere Erkenntnisse nur ansprechend gestalten."

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