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Agiles Arbeiten – ein Patentrezept?

Quelle: unsplash.com, David Travis

Am agilen Arbeiten scheiden sich die Geister. Doch richtig angewandt birgt die Methode viele Vorteile: Flexibilität, Innovation und Geschwindigkeit. In einem Expertenforum in der Community haben Experten von Roche, Accenture und der Allianz die Fragen der e-fellows dazu beantwortet. Hier haben wir für dich die wichtigsten Tipps zusammengetragen.

Was ist agiles Arbeiten?

Für Dr. Carsten Rausch von Roche ist agiles Arbeiten eine Arbeitsweise und ein Mindset für Projekte und Organisationen in einer komplexen Welt. Die Elemente dieser Methode sind:

  • Arbeit in kurzen Zeitintervallen
  • die Einbeziehung des Kunden
  • kleine und selbstorganisierte Teams
  • hohe Wertorientierung

Alexander Birke von Accenture betont, dass Agilität zwar ursprünglich aus der IT komme, aber keine reine IT-Sache sei. Für eine nähere Beschreibung verweist er auf das Agile Manifest zu den Grundsätzen agilen Arbeitens.

Wann arbeiten wir besser agil, wann traditionell?

Klassisches Projektmanagement ist nicht besonders gut für Kundenanforderungen geeignet, die sich schnell ändern oder nicht klar sind. Dennoch gibt es hier nicht immer ein Schwarz oder Weiß. Dieser Meinung ist Daniel Richter von der Allianz.

Für Alexander Birke von Accenture stellt sich eher die Frage, welchen Anteil agiles Arbeiten einnehmen solle. Viele agile Elemente wie z.B. Transparenz oder Betonung der menschlichen Komponente kommen ihm zufolge auch oft in überwiegend traditionellen Projekten zum Einsatz. Welchen Anteil das Agile habe, sei meist vom Umfeld und der Technologie abhängig.

Alexander Birkes Faustregel lautet: "Alles, was kompliziert ist, lässt sich mit traditionellem Projektmanagement gut bearbeiten. Alles, was komplex ist, bedarf agiler, emergenter Vorgehensweisen. Mit einfachen Worten: Was planbar ist, d.h. alles, von dem wir wissen wie es geht, weil wir Pläne haben oder es schon mal gemacht haben, kann mit traditionellen Methoden bearbeitet werden. Was neu, unerforscht und noch nie begangen wurde, gehört ins Agile. Beim letzteren brauchen wir kleine Schritte mit Feedback, die uns sagen, ob wir noch auf dem richtigen Weg sind. Das agile Arbeiten bietet hier die Möglichkeit der schnellen Anpassungen durch kurze Zyklen und Feedback. Im Bereich der Softwareentwicklung mit technologisch neuen oder nicht mehr überschaubaren Systemen und dem Faktor Mensch als komplexes Auftraggeber-/Stakeholdergeflecht sind wir fast immer im Komplexen."

Agil arbeiten – unter einem konservativen Management?  

Experte Alexander Birke von Accenture betont, dass man zu einem gewissen Punkt "außen rum arbeiten" könne, dabei jedoch schnell an Grenzen stoße. Dies führe dazu, dass sich Vorteile nicht realisieren oder sogar Enttäuschung entstehe. Er empfiehlt deshalb die Schulung des Managements. Dabei ist wichtig, dass Agile sehr viel mit Mindset und nicht nur reiner Methode zu tun hat. Der Fokus soll ihm zufolge auf den drei Punkten Zeit, Qualität und Umfang liegen. Diese spielen im klassischen Projektmanagement eine andere Rolle als im agilen Projektmanagement. Im klassischen Projektmanagement wird der Scope (Inhalt, Umfang und Qualität) festgelegt; die Projektlaufzeit und die Kosten werden geschätzt. Dagegen werden letztere im agilen Projektmanagement festgelegt, und der Scope für diese wird geschätzt.

Alexander Birke empfiehlt folgenden Ansatz in der Praxis: Aus seiner Erfahrung heraus habe es sich bewährt, dem Management zu zeigen, wie sich die Anders-Interpretation von Zeit, Qualität und Umfang in Agilität anfühle. Das bedeutet in einem Pilotprojekt wird versucht, die Angst vor Neuem zu nehmen bzw. das Neue erfahrbar zu machen. Dabei helfe auch zu erarbeiten, welche realisierbaren Vorteile, Vorbedingungen und Konsequenzen sich für eine agile Herangehensweise ergeben. Gerade in Bezug auf den Scope sollte frühzeitig klar gemacht werden, dass Agile nicht die neue Wunderwaffe ist und z.B. Programmierer zweimal so schnell Software entwickeln. Das schafft Transparenz gegenüber dem Management, zusätzlich zur wichtigen Einsicht, dass eine Umstellung hin zu agilem Arbeiten auch ein Investment in Schulung, Coaching und kontinuierlichem Lernen ist.

Welchen Einfluss haben Unternehmenskulturen auf den Erfolg von agilen Projekten?

Expertin Dr. Katharina Rauch von Roche betont, dass der Einfluss von Unternehmenskulturen gar nicht überschätzt werden könne. Denn Agilität und damit der Erfolg von agilen Projekten habe ihr zufolge sehr viel mit dem Mindset der Beteiligten zu tun. Dazu gehöre eine sinnvolle Fehlerkultur, um in den iterativen Prozessen immer wieder lernen zu können. Ein Unternehmen, das agil arbeiten möchte, müsse die Mitarbeiter darin bestärken, Fehler anzusprechen und Mut zu haben, diese auch zu begehen. Projekte müssten abgebrochen werden dürfen, wenn klar werde, dass fehlerhafte Annahmen zu dem Projekt geführt haben.

Relevant für den Erfolg von agilen Projekten ist laut der Expertin Dr. Katharina Rauch außerdem, wie Hierarchien gelebt werden. Bei einer Transformation müssten sowohl Mitarbeiter als auch Führungskräfte neu austarieren, wie ihre Zusammenarbeit aussehen solle und wie Entscheidungen getroffen werden. Im Sinne agiler Denkweise haben einzelne Personen mehr Freiheit. Ihnen solle auch das Vertrauen entgegengebracht werden, Entscheidungen selbstständig zu treffen. Dies zu verstehen und umzusetzen benötige Zeit.

Wichtig ist ihr auch das Thema Offenheit und Transparenz. Eine vertrauensvolle Umgebung im Unternehmen fördere offene und ehrliche Dialoge zwischen Mitarbeitern und Führungskräften. Hierzu gehöre, dass ein Gefühl der Zusammenarbeit statt ein Gegeneinander etabliert werde. Die Mitarbeiter müssten verstehen, dass jeder eine verantwortungsvolle Aufgabe habe, man aber nur zusammen das gemeinsame Ziel erreichen werde.

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