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Kommt ihr klar?

Ingenieurin, Karriere [© Fotolia.com]

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Deutsche Ingenieure galten lange besonders gut ausgebildet. Stimmt das noch? Experten und Berufseinsteiger erzählen.

Lernen Ingenieure im Studium das Richtige?

ZEIT CAMPUS im Gespräch mit Thorsten Jungmann

Herr Jungmann, Sie beraten seit sieben Jahren Hochschulen dabei, Ingenieure besser auszubilden. Was ist das Problem?

Die Wissenschaft kommt im Bachelorstudium zu kurz. Die Studierenden lernen zwar, Buchwissen zu verarbeiten und Kennwerte auszurechnen. Aber eine Forschungsfrage selbstständig zu entwickeln und mit den Methoden der Wissenschaft zu untersuchen – das lernen sie nicht ausreichend.

Müssen Ingenieure das können, wenn sie nicht forschen wollen?

Für viele ist die Bachelorarbeit die erste wissenschaftliche Arbeit, das kann nicht sein. Häufig fällt erst dann auf, wie schwer ihnen das Schreiben fällt – generell, nicht nur das wissenschaftlicher Texte. Auch das Rechnen ist im Ingenieurstudium aktuell eine große Herausforderung.

Schreiben, Rechnen – meinen Sie das ernst?

Ich bekomme manchmal Arbeiten, da ist selbst die Word-Autokorrektur machtlos. Die sprachlichen Mängel sind zu Studienbeginn teilweise so groß, dass ich den Inhalt kaum nachvollziehen kann. Einen Dreisatz rechnen und Brüche kürzen bereitet vielen Schwierigkeiten.

Kann man so überhaupt den Abschluss schaffen?

Ich habe über zwanzig Hochschulen zu Prüfungen in Ingenieurwissenschaften beraten. Fast überall war es das Gleiche: Wer seine Bachelor- oder Masterarbeit mit 2,0 oder schlechter abgegeben hatte, wurde so lange weiterbetreut, bis es auf eine Eins vorm Komma hinauslief. So werden diese Mängel in der Ausbildung überdeckt.

Gibt es noch andere Gründe, warum Ingenieure wissenschaftlich arbeiten sollten?

Eigene Forschungsfragen zu entwickeln, statt sich nur mit vorgesetzten Themen zu beschäftigen, macht neugierig. Und diese Motivation brauchen junge Ingenieure, vor allem später im Job.

Wenn es so viele Probleme bei der Ingenieurausbildung gibt, haben Sie einen Rat für Absolventen?

Ich rate jungen Menschen, sich die Inhalte des Studiums vor der Einschreibung genau anzuschauen. Ob ein Studiengang gewissenhaft entwickelt wurde, erkennt man oft daran, wie klar die Modulhandbücher formuliert sind.

Thorsten Jungmann, 39, ist Professor für Technikdidaktik in Bielefeld und berät Hochschulen zur Lehre.

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