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Tschüss Alltag – ab ins Abenteuer

Work and Travel [Quelle: unsplash.com, Autor: Danka & Peter]

Quelle: unsplash.com, Danka & Peter.

Mit der Entscheidung für ein Jahr Work and Travel wagt ihr einen gewaltigen Sprung. Dass euer Auslandsaufenthalt auch ein voller Erfolg wird, hat euch unsere Stipendiatin Julia einige Empfehlungen zusammengefasst. Schnuppert rein und informiert euch!

In Sydney vor der Harbour Bridge einen Kaffee trinken, mit anderen Reisenden den nächsten Surf-Kurs planen und nebenbei die Stellenanzeigen durchforsten – so stellst du dir deine Ankunftswoche in Australien vor? Klingt gut! Doch damit dieser Plan aufgeht, solltest du den ganz großen Plan bereits vor deiner Ankunft haben.

Nicht grenzenlos über die Grenze

Nach dem Abi ein Jahr im Ausland leben und arbeiten: Das war die ursprüngliche Idee hinter Work and Travel. Eigentlich aber ist Work and Travel auch für Studenten und Absolventen eine aufregende Alternative zu Freiwilligenarbeit zuhause oder einem Praktikum. Ganz ohne Bürokratie wird sich die Auszeit jedoch nicht bewerkstelligen lassen: Denn wer im Ausland arbeiten will, braucht ein Visum – und das gibt es in vielen außereuropäischen Ländern eigentlich nur nach Vorlage des Arbeitsvertrags. Bei Work-and-Travel-Aufenthalten steht der Arbeitgeber aber nicht schon vorab fest.

Die Lösung sind die sogenannten "Working Holiday Visa“, für die Deutschland eigens Abkommen mit einigen der beliebtesten Reiseländer geschlossen. Doch Vorsicht: Dieses Working Holiday Visum gibt es nur bis zum Alter von 25, 30 oder 35 Jahren.

Abkommen zu Working Holiday Visa

Land Altersgrenze Gültigkeit
Australien 18 bis 30 Jahre 12 Monate
Neuseeland 18 bis 30 Jahre 12 Monate
Kanada 18 bis 35 Jahre 12 Monate
Japan 18 bis 30 Jahre 12 Monate
Chile 18 bis 30 Jahre 12 Monate
Südkorea 18 bis 30 Jahre 12 Monate
Taiwan 18 bis 30 Jahre 12 Monate
Singapur 18 bis 25 Jahre 6 Monate
Hong Kong 18 bis 30 Jahre 12 Monate
Israel 18 bis 30 Jahre 12 Monate
Brasilien
(noch nicht wirksam)
18 bis 30 Jahre 12 Monate

Mit den USA gibt es leider kein Abkommen für ein Working Holiday Visum. Um größeren Aufwand vor Reiseantritt zu vermeiden, entscheiden sich die meisten Work-and-Travel-Interessierten für eines der oben aufgeführten Länder.

Work and Travel – mit oder ohne Agentur?

Hier kommt es ganz auf deine Abenteuerlust an an. Ich selbst habe mich entschieden, ohne Work-and-Travel-Organisation nach Australien zu gehen. Ich wollte auf eigenen Füßen stehen, aber auch Kosten sparen: Denn Agenturen verlangen für ihre Leistungen gerne um die 500 Euro. Dafür genießt du die Vorzüge eines festen Programms, und du musst dich nicht selbst um Visum, Haftpflichtversicherung, Auslandskrankenversicherung, Flug, Steuernummer oder die erste Unterkunft kümmern. Außerdem bekommst du Starthilfe bei der Jobsuche und hast während der ganzen Dauer deiner Reise einen Ansprechpartner. Gerade die Beantragung von Visum oder Steuernummer lässt sich aber recht einfach über das Internet selbst erledigen. Außerdem kann man auch in den Reisebüros zusätzlich zum Flug Leistungen wie die erste Hotelübernachtung, eine Stadtführung oder einen Ausflug buchen. Notwendig ist die Agentur also nicht, sie bietet aber zusätzliche Sicherheit.

Wie gut kennst du dein Reiseziel?

Neben den organisatorischen Details solltest du dich unbedingt mit den Gegebenheiten im Zielland auseinandersetzten. Beispiel Australien: Welche gefährlichen Tiere gibt es? Wie schütze ich mich vor Hautkrebs? Wann ist wo Trocken- oder Regenzeit? Wo fange ich mit meiner Reise am besten an? Wo ist gerade Erntezeit? Welche anderen Jobmöglichkeiten gibt es während deines Aufenthalts? Bei der Beantwortung dieser Fragen helfen Reiseführer. Für mich hat sich – auch wenn er alles andere als ein Geheimtipp ist – der "Lonely Planet" als bester Reisebegleiter erwiesen. Nirgends sonst findest du so viele hilfreiche Informationen in einem Buch.

Allein ins Abenteuer?

Viele Abenteuerlustige stellen ihren Work-and-Travel-Plan in Frage, wenn sich für die Reise kein Begleiter findet. In vielen Ländern jedoch sind diese Ängste unbegründet. Gerade in Australien beispielsweise ist alles auf die Backpacker ausgerichtet. Man wird regelrecht von Angeboten überhäuft, alles gibt es für den kleinen Geldbeutel oder, wie der Australier sagt, "Low Budget". Die Kriminalitätsrate ist sehr gering, so lange man sich nicht in einschlägig bekannte Wohngebiete begibt. Ich habe mich als alleinreisende Frau zu keinem Zeitpunkt unsicher oder bedroht gefühlt. Horrorgeschichten über entführte Backpacker kann man meist schnell als schlechten Scherz entlarven.

Gerade Deutsche gibt es übrigens in Australien wie Bier auf dem Oktoberfest. Man müsste sich nur mit dem Schild "Ich bin Deutscher, wer noch?" an die Straße stellen und hätte in fünf Minuten zwanzig neue Freunde gefunden.

Eigenes Auto, Bus oder Hitch-Hiken?

Fortbewegung ist für jeden Backpacker ein wichtiges Thema, dochnicht immer lohnt sich der Kauf eines eigenen Autos. Manche haben Glück, kaufen sich einen Wagen zum Spottpreis und verkaufen ihn für das Doppelte wieder. Andere wiederum machen Verluste. Hier ist wichtig, wo du das Auto kaufst und verkaufst; der Markt in Sydney ist völlig überlaufen, während du in Perth gute Chancen hast, deine Karre loszuwerden. Zudem teilen sich meist zwei Reisende oder eine ganze Gruppe den Wagen und damit den Kaufpreis. So kommst du am Ende in den meisten Fällen billiger weg als mit einem Mietwagen.

Eine Alternative sind Busse. Vor allem an der Ostküste Australiens kannst du mit ihnen kostengünstig und vor allem sehr flexibel reisen. Die Hot Spots erreichst du hier mit dem Bus genauso gut wie mit dem Auto. An der etwas abgelegeneren Westküste ist der Busverkehr dagegen völlig überteuert und du siehst verhältnismäßig wenig.

Hallo, hast du noch einen Platz für mich?

Ich habe mich für eine andere Variante entschieden: Über die Internetplattform gumtree habe ich nicht nur Jobs und Unterkünfte, sondern auch Mitfahrgelegenheiten gefunden. Reisende mit eigenem Auto, die hohe Ausgaben für Benzin sparen wollen, suchen hier Mitfahrer. Dabei finden sich ganze Reisegruppen zusammen, mit denen du zwei bis vier Wochen verbringen kannst. Angebote durchscannen, anrufen, mitfahren. Für mich war das die billigste und auch interessanteste Variante der Fortbewegung. Man lernt ständig neue Leute kennen, ist durch das Auto unabhängig von Fahrplänen und sucht sich bei Bedarf einfach eine neue Gruppe. Oder man bleibt länger als gedacht mit den Mitreisenden zusammen.

Die letzte und günstigste Variante, bei Work and Travel voranzukommen, ist das Hitch-Hiken. Alleine würde ich es keinem empfehlen, zu zweit (vor allem mit einem männlichen Begleiter) wäre es eine Überlegung wert. Allerdings ist das Reisen per Anhalter extrem stressig und anstrengend. Ständig musst du das ganze Gepäck ein- und wieder ausladen und du kommst höchstens 50 Kilometer weit –  was bei einem Tagespensum von 300 Kilometern nicht viel ist. Auch die immer gleich ablaufenden Gespräche mit den Fahrern gehen einem irgendwann mächtig auf den Keks. Dafür kommt man in direkten Kontakt mit Einheimischen und ihrer Kultur. Zur Not lohnt sich also auch "Daumen raus".

Wo finde ich Arbeit? Das Jobhopping

Im Traumland angekommen wollte ich erst einmal das neugewonnene "Urlaubs-Feeling" genießen. Bald herrschte aber Ebbe in der Reisekasse, denn Australien ist teuer. Allein für die Unterkunft im Hostel zahlst du zwischen 15 und 25 Euro pro Nacht. Pro Monat kannst du während des Reisens mit Kosten in Höhe von 800 bis 2.000 Euro rechnen. Ausflüge ans Great Barrier Reef und zum Uluru sollen ja schließlich auch dabei sein. Mit ein bisschen Geschick lässt sich aber überall eine Gelegenheit zum Jobben finden. Und das Gute: Die Arbeit Down Under ist gerade für Backpacker überbezahlt: In der Regel verdienst du nicht weniger als 10 bis 15 Euro pro Stunde. Und das für Tätigkeiten wie Salatputzen.

Jobbörsen findest du im Internet (zum Beispiel www.gumtree.com.au), in den Hostels am schwarzen Brett oder über Agenturen, die einem kostenfrei Stellen vermitteln. Lebenslauf abgeben, warten, fertig. Insider-Tipps geben erfahrene Backpacker, deshalb Ohren auf: Welcher Arbeitgeber zahlt besonders viel? Wer hört bald auf und kann seinen Traumjob abgeben? Die Erfahrungsberichte anderer Backpacker können Gold wert sein. Natürlich schadet es auch nichts, einfach alle Cafés im Umkreis abzuklappern, wenn du als Kellner arbeiten möchtest. Ich selbst hatte unzählige Jobs, mit denen es nie langweilig wurde: Au-pair, Kellnerin, Verkäuferin für Schuhcreme oder Aushilfe auf einem Tauchboot. Nur Fruit-Picking habe ich nicht gemacht. Die Farmarbeit gilt zwar als "der Job" für Backpacker in Australien, ist aber ziemlich mies bezahlt und extrem anstrengend. Der Vorteil: Auch wer kein Wort Englisch kann, hat hier die Möglichkeit, Geld zu verdienen.

Auf die Nase fallen gehört dazu

Nicht jeder findet in Work and Travel seine Erfüllung. Viele meiner Mitreisenden hatten irgendwann keine Lust mehr, aus dem Koffer zu leben und nicht zu wissen, was morgen kommt. Hier kann ich nur raten, nicht Hals über Kopf abzureisen. Denn meistens kommen die Zweifel nach drei Monaten und verfliegen innerhalb von zwei Wochen wieder. Sehnst du dich nach einem geregelten Tagesablauf, kannst du mit einem entsprechenden Job leicht dafür sorgen. In der Hotelarbeit oder als Au-pair beispielsweise sind dir Unterkunft, Verpflegung und Gehalt über einen längeren Zeitraum sicher: Das hilft meist, um über die erste Krise hinwegzukommen.

Insgesamt gilt: Wer ein Jahr lang auf eigenen Füßen stehen will, muss auch damit rechnen, auf die Nase zu fallen. Denn nicht alles läuft immer nach Plan. Meinem italienischen Mitreisenden wurde der komplette Rucksack inklusive Pass geklaut, eine andere Freundin wurde auf einer Farm beim Fruit-Picking ausgebeutet. Genauso habe ich aber auch Freunde, die sich für ein "Second Year Visa" beworben haben und noch ein Jahr dranhängen. Egal welche Erfahrungen du machst, es lohnt sich immer. Denn am Ende blickst du auf ein Jahr zurück, das ungeplanter und spannender kaum hätte sein können. Also: Work and Travel – egal ob in Sydney, Vancouver oder Tokio!

Work and Travel: Darauf kommt es an:

  • Es hat einen Grund, warum es so viele Deutsche zum Work and Travel in die immer gleichen Länder verschlägt: Überprüfe, ob es auch mit deinem Traum-Reiseziel ein Visa-Abkommen gibt.
  • Überleg dir vor deinem Auslandsaufenthalt gut, ob du ein Programm einer Work-and-Travel-Organisation machen oder deinen Aufenthalt selbst organisieren möchtest. Gerade in Asien, wo viele sprachlich an ihre Grenzen stoßen, kann eine Agentur wertvolle Unterstützung leisten.
  • Erkundige dich – nicht zuletzt mit Blick auf deine Packliste – über kulturelle und klimatische Besonderheiten des Ziellandes sowie über hilfreiche Dokumente für die Jobsuche, und frag deinen Arzt rechtzeitig nach Reiseapotheke und Impfschutz. Gegen einige Krankheiten musst du dich mehrfach im Abstand von einigen Wochen impfen lassen.  
  • Überleg dir, wie du zwischen den Arbeitsstationen reisen möchtest. Eventuell lohnt es sich, für die Zeit deiner Reise ein Auto zu kaufen. Eine weitere Möglichkeit sind Fahrgemeinschaften oder Mitfahrgelegenheiten. Mutige Traveller können auch per Anhalter reisen.
  • Auslandsjobs findest du nicht nur durch Aushänge oder an schwarzen Brettern, sondern auch über Jobbörsen im Internet.
  • Wenn deine Sprachkenntnisse noch nicht für die üblichen Work-and-Travel-Jobs ausreichen, solltest du deinen Aufenthalt mit einer Sprachreise kombinieren. Sonst bleiben am Ende keine spannenden Jobs für dich übrig.
  • Nicht unterkriegen lassen: Es gehört dazu, auch einmal auf die Nase zu fallen, wenn man ein ganzes Jahr lang in einem fremden Land auf eigenen Füßen stehen möchte.
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Der Ratgeber "Startschuss Abi" bietet Orientierung zu Studien- und Berufswahl - vor allem in Wirtschaft, Technik und Recht - sowie Tipps zum Auslandsaufenthalt.

Unis und Unternehmen stellen beim Studien-Infotag "Startschuss Abi" ihre Studiengänge vor und du kannst Fragen zu Work & Travel, FSJ und Stipendien stellen.

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