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Wie der Ochse vorm Postkorb

Assessment-Center (Quelle: fotolia, Autor: alphaspirit)

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Jedes Unternehmen entwirft eigene Übungen für seine Assessment-Center, um genau die Fähigkeiten abzuprüfen, die für die jeweiligen Stellen wichtig sind. Einige Aufgaben kommen aber in ähnlicher Form immer wieder vor. Sie testen vor allem, wie du dich in einem Team verhältst, ob du gut präsentieren kannst, und wie es um deine Organisationsfähigkeit bestellt ist.

Einige der häufigsten Aufgaben lernst du hier kennen - und was die Personaler aus deinem Verhalten lesen wollen. Das Gute ist: Du kannst jede dieser Situationen mit Freunden üben und danach wesentlich entspannter ins Assessment-Center (AC) gehen.

Postkorb-Übung: Richtig priorisieren

Der Klassiker unter den AC-Aufgaben schlechthin. Du erhältst eine Liste mit Aufgaben, eine Einschätzung, wie lang jede Aufgabe dauern wird, und ein "Zeit-Budget". Nun sollst du diese Aufgaben nach Wichtigkeit priorisieren. Der Zeitrahmen ist dabei bewusst so knapp gesetzt, dass du nicht alle Punkte schafffen kannst. Teilweise sind auch private Verpflichtungen auf der Liste, was die Priorisierung zusätzlich erschwert.

Bei dieser Übung will der Personaler sehen, ob du in der Lage bist, die Punkte in ihrer Wichtigkeit richtig einzuschätzen und deine Einschätzung gut zu begründen. Dabei sollen deine Fähigkeit, zu strukturieren und zu delegieren, sowie deine Stressanfälligkeit überprüft werden. Ebenso deine Realitätsnähe: Wenn du die Beerdigung deiner Großmutter mit "Prio 6" direkt unterhalb des Sortierens deiner Büroklammern einstufst, wird jeder Personaler das als weltfremd beurteilen. Du wirst schließlich immer ein Leben neben dem Job haben.

Rollenspiele: Die Kunst der Nicht-Verstellung

Nein, du wirst nicht Bombudir, der Gnom aus dem Feenland, sein. Stattdessen darfst du in die Rolle des Personalverantwortlichen hineinschnuppern, der einem Mitarbeiter eine Verwarnung oder Kündigung mitteilt. Oder du musst als Vertriebler einen schwierigen Kunden überzeugen. Nach einer kurzen Vorbereitungszeit wirst du diese Gesprächssituationen gemeinsam mit einem Mitbewerber simulieren.

Wichtig: Nur deine Position ist im Rollenspiele eine andere (weil du plötzlich Chef bist) - du bleibst aber du selbst! Sehr leicht verfällt man in Stereotypen wie "strenger Chef", "mitfühlender Chef" oder auch "Büromonster", die man vielleicht aus dem Fernsehen kennt. Versuche, so zu agieren, wie es deinem tatsächlichen Charakter entspricht. Spiele also, entgegen dem Namen der Aufgabe, gerade keine Rolle.

... und noch einmal: das Rollenspiel

Du bist also der Chef und wirst deinem Mitarbeiter kündigen. Das ist die Vorgabe. Es ist verführerisch, umgehend auf dieses Thema zu sprechen zu kommen - dann hat man es rascher hinter sich. Aber würdest du in Wirklichkeit auch so handeln? Auch im Rollenspiel sollte der normale Gesprächsverlauf aufrechterhalten werden. Das bedeutet: Du begrüßt freundlich, fragst nach dem Befinden, vielleicht nach Frau und Kindern, bietest etwas zu trinken an.

Lass zu, dass sich ein wirkliches Gespräch entwickelt. Beantworte Fragen deines Gegenübers, auch wenn sie vom Thema wegführen, und versuche, ihn vorsichtig wieder "auf Spur" zu bringen. Stelle selbst Fragen - das ist ohnehin die beste Möglichkeit, ein Gespräch in die gewünschte Richtung zu lenken. Hör zu, unterbrich nicht, nimm die Antwort in deine Argumentation auf. Natürlich sind das alles Selbstverständlichkeiten - im normalen Gespräch. In der Stresssituation Assessment-Center vergisst man sie aber allzu leicht.

Gruppendiskussionen

Ein Thema, eine Gruppe von fünf bis zwölf Leuten, eine halbe Stunde Diskussion - das kann so schwer nicht sein. Das kann sehr schwer werden, wenn die Diskutanden sich als Konkurrenten sehen und die Nervosität für den einen oder anderen Missgriff im Ton sorgt. Hier zeigt sich dein Verhalten im Team. Bist du eher der Typ, der andere durch eine große Anzahl logischer Argumente zu überzeugen versucht? Hörst du dir die Argumente der anderen an und versuchst anschließend, die Harmonie durch den einen Kompromissvorschlag wiederherzustellen? Agierst du als Diskussionsleiter, der das Gespräch koordiniert, aber nicht inhaltlich eingreift?

In manchen ACs wird gefordert, vor der Diskussion die Rollen zu verteilen. In anderen wird nichts dazu gesagt, aber erwartet, dass die Teilnehmer dieses Problem selbst lösen. Wie auch immer: Keine dieser Positionen ist an sich schlecht, sofern sie nicht zu einem zu dominanten oder zu passiven Verhalten führt. Aber verstelle dich nicht - es fällt immer auf.

Was du in der Gruppendiskussion brauchst

Wichtig ist in jedem Fall: zuhören, die Meinung der anderen überdenken und vernünftige Gegenargumente finden. Oder auch einfach mal zugeben, dass der andere Recht hat - das beweist Charakterstärke. Vermeiden solltest du dagegen, durch Lautstärke oder Aggression "überzeugen" zu wollen, persönlich zu beleidigen ("Das ist doch Schwachsinn") oder Kritik an den eigenen Argumenten von vorneherein vom Tisch zu wischen. Ebenso wenig aber solltest du dich ständig umstimmen lassen. Eine eigene Meinung zu haben und zu vertreten, ist in jedem Job wichtig.

Selbstpräsentation im Assessment-Center

Es gibt zwei Arten von Menschen: Die einen reden sehr gerne und den ganzen Tag über sich selbst, den anderen ist jede Form von Eigenlob extrem peinlich. Beide werden mit der Selbstpräsentation ihre Schwierigkeiten haben. In den fünf bis zehn Minuten, die dir zugestanden werden, sollst du locker über dich selbst sprechen - also eigentlich über das, womit du dich am besten auskennst. Dabei musst du weder ein spannendes Leben erfinden noch dich selbst über den grünen Klee loben.

Berichte über jobrelevante Erfahrungen, hebe deine Stärken hervor, erzähle ein bisschen aus deiner Lebensgeschichte und lasse deine Schwächen nonchalant unter den Tisch fallen. Wichtiger als der Inhalt - den kennen die Zuhörer ja bereits aus deinem Lebenslauf - sind eine saubere Struktur des Vortrags, deine Art der Präsentation und deine rhetorischen Fähigkeiten. Tipp eins: Wenn du die Möglichkeit bekommst, Flipcharts oder einen Projektor zu verwenden, nutze sie. Tipp zwei: Übe daheim. Die Selbstpräsentation wird bei beinahe jedem Assessment-Center verlangt.

... und danach zur Kneipe um die Ecke

Das abendliche Bierchen mit den künftigen Trainee-Kollegen sorgt nach einem anstrengenden Tag für die dringend nötige Entspannung. Wenn der Kneipenbesuch allerdings durch das Unternehmen, bei dem du dich bewirbst, initiiert wurde, ist Vorsicht geboten. Das heißt nicht, dass du dich nicht amüsieren darfst. Im Gegenteil: Die Personaler wollen wirklich sehen, ob sie einen lebenslustigen, kommunikativen Menschen vor sich haben oder ein Mauerblümchen, das am liebsten 20 Stunden am Tag am Rechner verbringt. Es herrscht auch kein absolutes Alkoholverbot. Den Vollrausch solltest du dennoch lieber auf einen Abend mit deinen Freunden verschieben. Vorsicht auch bei den Gesprächsthemen: Die Nervosität vor dem AC ist ein erlaubtes Thema - die Abscheu gegenüber einem der Personaler definitiv nicht. Du weißt schließlich nie, wer in deiner Umgebung zur Firma gehört und später über dein Lästern Bericht erstattet.

Geschafft! Und jetzt?

Du bist durch - ausgebrannt, mit leerem Hirn und nur noch einem Wunsch: nach Hause - und das AC so schnell wie möglich vergessen. Wie sehr das Gefühl des Versagthabens nach so einer Prüfung trügen kann, weißt du bereits aus der Uni. Dort allerdings kannst du dich wirklich zurücklehnen, bis Wochen oder Monate später die Ergebnisse kommen. Das Feedback zu deinem Auftritt im AC wird wesentlich schneller kommen: Manchmal klingelt bereits am nächsten Tag das Telefon. Manchmal wirst du zu einem weiteren Gespräch eingeladen. Es kann auch sein, dass du eine Absage erhältst. Hake gleich nach, woran das lag - wenn du anrufst und in freundlichem Ton nachfragst, wo du in Sachen "Soft Skills" nicht überzeugt hast, erhältst du normalerweise gute Tipps, wo du an dir arbeiten kannst. Und dann: auf zum nächsten Assessment-Center.

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