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Gemeinsam für Bildung

Was ist Bildung?
Der Hauptkongresstag beginnt mit einem Vortrag des New Yorker Regisseurs und Dramaturgen Robert Wilson. "Was ist Bildung?" lautet der Titel, glaubt man dem Programmheft. Doch statt sich der Frage zu widmen, erzählt Wilson eine Geschichte. Und an manchen Stellen spielt er sie sogar vor.

Ein Schrei aus New Jersey
Es ist die Geschichte eines tauben, schwarzen Jungen, dem die Polizei im New Jersey der 70er Jahre die Fähigkeit zu lernen abspricht. Statt Schulbildung zu erhalten, soll er ins Heim. Es ist die Geschichte, wie Wilson ihn ans Theater bringt und motiviert, Laute auszudrücken, nicht Worte. Der Junge wird Darsteller in postmodernen Theateraufführungen und lernt dabei, Töne zu artikulieren. Eines Tages steht er auf der Bühne, und ein noch nie zuvor erlebter Schrei bricht aus ihm heraus. Vielleicht ist das eine Antwort darauf, was Bildung ist.

Werte und Bildung unter dem Dach der Akademie
Szenenwechsel: Im großen Saal unter dem Dach der Akademie sind die Plätze fast vollständig besetzt. In den hinteren Reihen beziehen Fotografen und Journalisten Stellung. Auf dem Podium: Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur des Tagesspiegel, im Gespräch mit Kardinal Karl Lehmann, dem Soziologen Hans Joas, der Schriftstellerin Eva Demski und der Moralforscherin Gertrud Nunner-Winkler. Gemeinsam diskutieren sie über Werte und Bildung.

Weinbau auf Lanzarote
Für Werte gilt nach Nunner-Winkler der Kantsche Imperativ: "Man darf Werte nur auf die Weise verfolgen, dass die Freiheit des anderen, ebenfalls seine Werte zu verfolgen, nicht gestört wird." Joas fehlt dabei das Ergriffensein, das notwendig sei, um anderen Menschen zu helfen. Empathie als zentraler Bestandteil moralischen Handelns. Auch Lehmann stellt die Frage, wie man von der Wahrnehmung, dass jemand Hilfe braucht, zum Tun kommt. Doch statt "Empathie" spricht er lieber von "Sensibilität". Auf die Frage, wie optimistisch er die Zukunft sehe, verweist er auf den Weinbau auf den Vulkanfeldern von Lanzarote: "Dort wird auch Unmögliches möglich gemacht. Deshalb bleibe ich optimistisch."

Das Gespräch ist das Ziel
Das Podiumsgespräch ist nur eines von drei Gesprächsrunden, die zeitgleich am Vormittag stattfinden. Drei weitere dieser so genannten Panels gibt es am Nachmittag. Jedes Panel hat einen Bereich des Gesamtthemas Bildung zum Inhalt. Vier Stockwerke tiefer, im Auditorium, moderiert die "heute"-Moderatorin Petra Gerster das Thema "Umgang mit Wissen". Nach dem Mittagessen geht es um frühkindliche Bildung, Schule, Hochschule und Weiterbildung.

Mut durch Aufmerksamkeit
Nicht jedes Panel kommt zu einem Ergebnis. "Man diskutiert viel im Kreis - ein roter Faden wäre manchmal hilfreich", sagt einer der Teilnehmer in der Kaffeepause. Für manch einen verlieren sich die Gespräche in wissenschaftlicher Abstraktion. Zitat di Lorenzo: "Entschuldigen Sie, Frau Nunner-Winkler, dass ich so konkret frage". Doch insgesamt überwiegt der positive Eindruck. "Vor dreißig Jahren hatten wir ähnliche Probleme", sagt eine Dame mittleren Alters aus der Jugendarbeit. "Damals aber war keine der wirklich einflussreichen Personen auf einem Kongress. Dass es heute anders ist, macht mir Mut."

 

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