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Telearbeit und Teilzeit-Börse

Kinder und Karriere - was die Unternehmen tun [Quelle: sxc.hu, Autor: weirdvis]

Kinder und Karriere - was die Unternehmen tun [Quelle: sxc.hu, Autor: weirdvis]

Arbeitgeber tun gut daran, die Wünsche der Spitzen-Studenten ernst zu nehmen. Denn wer eine ausgewogene Work-Life-Balance bietet, kann anderen Unternehmen die klugen Köpfe wegschnappen. Einige Unternehmen wie Bosch oder Roche setzen daher verstärkt auf Teilzeit und Co. Die Frage nach der Work-Life-Balance ist auch im Vorstellungsgespräch nicht mehr tabu.

In unserer aktuellen Umfrage zur Familienplanung gaben vier von zehn Studenten an, dass sie ausschließlich Arbeitgeber wählen würden, die Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Kind und Karriere bieten. Halten Sie diese Haltung für realistisch?

Heidi Stock: Ich halte sie nicht für unrealistisch. Vielen Unternehmen ist bewusst, dass sich in der Gesellschaft etwas ändert. Viele - auch Bosch - arbeiten heute sehr viel internationaler, die Mitarbeiter arbeiten mehr. Da muss das Unternehmen Angebote machen, die trotzdem eine Familie ermöglichen.

Ulrike von Faber: Auch ich halte diese Haltung für realistisch. Studien zeigen, dass das Thema Beruf und Familie für Arbeitnehmer immer wichtiger wird. Männer setzen sich auch immer mehr dafür ein, ihren Beitrag zu leisten. Roche nimmt das schon seit Jahren sehr ernst. Schließlich werden die Leistungsträger immer weniger, viele wandern außerdem ins Ausland ab. Roche will die Verbleibenden für sich gewinnen.

Wie empfinden Sie es, wenn ein Bewerber im Vorstellungsgespräch nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie fragt?

Ulrike von Faber: Wir werten es als sehr positiv, wenn ein Bewerber nach der Work-Life-Balance fragt, weil das Roche die Gelegenheit gibt, seine Stärke darin darzustellen. Schließlich haben wir mehrere Preise für Work-Life-Balance gewonnen. Außerdem ist das eine ehrliche Frage und spricht für die Authentizität des Bewerbers.

Heidi Stock: Das Thema ist völlig normal. Eine Frage nach der Work-Life-Balance wirkt sich auf keinen Fall negativ aus.

Gibt es in Ihren Unternehmen Männer, die in Babypause gehen?

Ulrike von Faber: Von den 11.700 Mitarbeitern von Roche Diagnostics befanden sich Ende 2007 insgesamt 495 in Elternzeit - 478 Frauen und 17 Männer. Der Männeranteil beträgt also nur 3,43 Prozent. Aber es werden immer mehr - wenn auch in kleinen Schritten. Halbe-Halbe bei der Babypause halte ich zwar nicht für realistisch, aber einen Beitrag wollen die Männer leisten. Müssen sie auch, weil sich die Frauen anders aufstellen.

Heidi Stock: Von den 90.000 Männern bei Bosch gingen letztes Jahr 200 in Babypause. 2006 waren es nur 30. Sprunghaft angestiegen ist vor allem die Zahl derjenigen, die die beiden Partnermonate nehmen. Aber immer mehr Männer nehmen auch eine verlängerte Babypause. Die Aufteilung der Babypause wird allmählich normal. Noch trauen sich aber viele Männer nicht zu fragen. Dabei haben sie dieselben Fragen und Ängste wie Frauen. Für Frauen gibt es bei Bosch seit langem Netzwerke, für Männer bisher nicht. Aber das kommt demnächst: "Papas@Bosch".

Welche Betreuungsmöglichkeiten haben Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen, die nach der Geburt möglichst schnell wieder einsteigen wollen?

Heidi Stock: Bosch bietet vier Möglichkeiten: Erstens gibt es einen Familienservice, der Tagesmütter, Aupairs oder Krippenplätze vermittelt. Zweitens Tagesmütter nur für Bosch-Kinder. Drittens hat Bosch Verträge mit externen Anbietern von Kinderbetreuung. Viertens arbeitet Bosch mit den Kommunen zusammen und reserviert in den öffentlichen Kinderkrippen und -gärten Plätze für die Kinder von Mitarbeitern. Diese Bandbreite ist wichtig, um auf die Wünsche der Mütter Rücksicht zu nehmen. Manche bevorzugen Kinderkrippen, andere haben lieber eine Tagesmutter.

Ulrike von Faber: Roche bietet sowohl in Penzberg als auch in Mannheim Kinderkrippen für Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Damit die gegründet wurden, hatte Roche zusammen mit den Eltern eine Initiative gestartet und die Finanzierung stark unterstützt. In den Krippen werden nicht nur Kinder von Roche-Mitarbeitern betreut, aber sie genießen Vorrang. Die Zeiten sind an die Arbeitszeiten von Vollzeit-Beschäftigten angepasst. Bisher konnte noch jeder Mitarbeiter sein Kind in der Krippe unterbringen, der das wollte. Außerdem haben wir seit Mai eine Not- und Spontanbetreuung für Mitarbeiterkinder ab sechs Monaten. Unsere Mitarbeiter können dieses Angebot dreimal pro Jahr kostenlos in Anspruch nehmen.

Hat ihr Unternehmen weitere Betreuungsangebote?

Ulrike von Faber: Neben den Krippen bieten wir auch Ferienbetreuung für Schulkinder. In den Sommerferien gibt es Sommer- und Sportcamps, in denen die Kinder ganztags betreut werden. Außerdem arbeiten wir mit einem externen Familienservice zusammen, der Tagesmütter vermittelt, Betreuung für Kinder unter einem Jahr, Babysitter, Nachmittagsbetreuung für Schulkinder oder Pflegepersonal in der "elder care", also in der Pflege für ältere Familienangehörige.

Heidi Stock: Bosch bietet ein Programm mit vier Dimensionen. Die Kinderbetreuung ist nur eine davon. Hier wird vor allem Betreuung für Kinder unter drei nachgefragt. Die zweite ist die schon erwähnte "elder care". Die dritte Dimension umfasst Angebote für Familien - vom Babysitter-Service über Wochenendveranstaltungen für die ganze Familie bis hin zu Ferienbetreuung für Kinder. Besonders die wird stark nachgefragt. Der vierte Pfeiler ist Teilzeit.

Apropos Teilzeit: Wie viele Mitarbeiter kehren denn nach der Babypause ins Unternehmen zurück - und wie viele davon in Teilzeit?

Ulrike von Faber: Bei Roche kehren 92 Prozent zurück. Die Rückkehr in Teilzeit ist beliebt, vor allem bei den Frauen. Insgesamt 14,1 Prozent unserer Mitarbeiter arbeiten in Teilzeit. Heidi Stock: Bei Bosch kehren 90 Prozent der Frauen in ihre alte Position zurück. Etwa 85 Prozent steigen in Teilzeit ein. Jede dritte Frau arbeitet in Teilzeit, in den Führungsebenen jede vierte Frau. Dieser Anteil steigt seit vier, fünf Jahren. Der Anteil der Väter in Teilzeit liegt im einstelligen Prozent-Bereich. In einer neuen Initiative bauen wir einen internen Stellenmarkt auf, in dem hochqualifizierte Teilzeitstellen ausgeschrieben werden. Damit soll es leichter werden, sich in Teilzeit auch beruflich weiterzuentwickeln. Ich selbst arbeite übrigens auch in Teilzeit.

Mit wie vielen Stunden denn, Frau Stock?

Heidi Stock: Nach Geburt meines Sohnes habe ich sofort wieder zu arbeiten begonnen - zunächst acht Stunden von zu Hause aus. Nach fünf Monaten arbeitete ich zwei Tage, davon einen im Büro. Nach acht Monaten stockte ich wieder auf: zwei Tage im Büro und ein Telearbeitstag. Wenn mein Sohn demnächst in die Schule kommt, werde ich dreieinhalb Tage in der Woche arbeiten. Während der gesamten Zeit hat mich eine Tagesmutter unterstützt. Mit Schulbeginn wird mich eine neue Tagesmutter bei der Nachmittags- und Hausaufgabenbetreuung unterstützen.

Gibt es auch bei Roche Mitarbeiter, die ihre Aufgaben von zu Hause aus erledigen?

Ulrike von Faber: Ja, ich selbst bin das beste Beispiel dafür. Ich arbeite in Telearbeit - wie zwei Prozent aller Roche-Mitarbeiter. Das bedeutet, dass ich komplett von zu Hause aus arbeite. Nur manchmal fahre ich zu Terminen ins Unternehmen. Daneben gibt es auch die so genannte mobile Arbeit: Viele Mitarbeiter haben sowohl im Büro als auch zu Hause einen Arbeitsplatz. So können sie abends früher nach Hause oder morgens später kommen. Mehr als die Hälfte der Akademiker nutzt dieses Angebot.

Wie sieht das denn bei Ihnen aus, Frau von Faber?

Ulrike von Faber: Als sich meine Tochter ankündigte, ging ich erst einmal in Erziehungsurlaub. Nach 16 Monaten rief mich ein Personalleiter an und bot mir an, für ein Projekt acht Stunden die Woche von zu Hause aus zu arbeiten. Das sah dann so aus, dass ich täglich in den zwei Stunden arbeitete, in denen meine Tochter ihren Mittagsschlaf hielt. Nach einem Jahr erhöhte ich auf 20 Stunden. Heute arbeite ich 24 Stunden - also vier Tage die Woche am Vormittag, wenn meine Tochter in der Schule ist. Am Freitag habe ich frei. Auch für das Unternehmen hat das Vorteile: Ich kann zu Hause effizienter arbeiten, weil nicht ständig jemand in der Tür steht oder ich in eine Sitzung muss. In derselben Zeit schaffe ich mehr als im Büro.

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