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Minijob und Praktikum: Das sind deine Rechte

Clifford Chance Private Equity Associate (Autor: ArTo, Quelle: Fotolia.com)

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Arbeitsrecht ist nur was für Berufstätige? Irrtum! Bereits im Minijob oder Praktikum stellen sich dir arbeitsrechtliche Fragen zu Urlaub, Überstunden und Mindestlohn. Die wichtigsten gesetzlichen Regelungen in der Zusammenfassung.

Musst du im Praktikum oder Minijob Überstunden leisten?

Ob und wie viele Überstunden im Minijob von dir verlangt werden können, hängt ganz davon ab, was dein Arbeitsvertrag zu Arbeitszeit und Vergütung vorsieht. Praktikanten hingegen dürfen nie mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten, ansonsten steht ihnen ein Freizeitausgleich zu. Unbezahlte Überstunden als Beweis deiner Motivation musst du also im Praktikum laut Gesetzgeber nicht leisten.

Wenn in deinem Praktikum eine Vergütung vereinbart ist, kann theoretisch auch ein Recht auf Überstundenvergütung entstehen. In der Praxis ist es allerdings schwierig nachzuweisen, dass du Überstunden geleistet hast und diese auch von deinem Chef angeordnet oder zumindest geduldet wurden. Auch normale Arbeitnehmer scheitern mit ihren Forderungen oft an diesem Nachweis.

450-Euro-Job: Um wie viele Stunden darf dein Arbeitgeber die Arbeitszeit kürzen?

Du jobbst neben dem Studium auf 450-Euro-Basis, aber dein Arbeitgeber teilt dich nicht oft genug ein? Das ist nicht nur ärgerlich, sondern mitunter auch ein ernstes Problem für deine Finanzen: Denn weil du pro Stunde bezahlt wirst, kommst du am Ende des Monats nicht auf die eingeplanten 450 Euro. Erlaubt das Arbeitsrecht also tatsächlich, dass dein Chef im Minijob deine Arbeitszeit reduziert?

Generell gilt, dass Arbeitgeber ihren Arbeitsmangel nicht auf Arbeitnehmer abwälzen dürfen. Auch Minijobbern darf die Arbeitszeit also nur sehr begrenzt gekürzt oder erhöht werden. Doch Vorsicht: Das hängt auch von deinem Vertrag ab. Ist das Stundenkontingent schriftlich festgelegt, hast du das Recht, auch in diesem Umfang eingesetzt zu werden. Sind hingegen weder ein festes Arbeitsvolumen noch eine Mindeststundenzahl vereinbart, können Anzahl und Dauer deiner Arbeitseinsätze in manchen Fällen tatsächlich sehr gering ausfallen.

Wenn es im Arbeitsvertrag keine entsprechende Regelung gibt, darf dein Chef entscheiden, ob deine Einsätze zu Beginn des Monats in einem Dienstplan festgelegt oder spontan eingeteilt werden. Natürlich muss er dir in jedem Fall die Möglichkeit geben, dabei die vereinbarte Stundenzahl abzuleisten.

Will der Arbeitgeber eine vertraglich vereinbarte Stundenzahl kürzen, geht das nur mit einem Änderungsvertrag oder einer Änderungskündigung. Um zu vermeiden, dass dein Chef trotzdem von einem stillschweigenden Einvernehmen ausgeht, wenn er deine Arbeitsstunden reduziert, solltest du ihn darauf hinweisen, dass du mit einer Kürzung deines Stundenvolumens nicht einverstanden bist.

Hast du Urlaubsanspruch im Minijob oder Praktikum?

Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf bezahlten Urlaub: Der gesetzliche Mindesturlaub in Deutschland beträgt 24 Tage bei einer 6-Tage-Woche und 20 Tage bei einer 5-Tage-Woche. Diesen Urlaubsanspruch kannst du als Student auch im Minijob geltend machen. Er berechnet sich anteilig in Abhängigkeit der Beschäftigung. Wenn in deinem Arbeitsvertrag mehr Urlaubstage vereinbart sind, erhöht sich auch dein Urlaubsanspruch. Zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses besteht jedoch eine Wartezeit: Dir steht pro Monat nur ein Zwölftel des Jahresurlaubs zu. Erst wenn du sechs Monate für das Unternehmen gearbeitet hast, erwirbst du den vollen Urlaubsanspruch.

Bist du Praktikant, unterscheidet das Arbeitsrecht nach Art des Praktikums. Handelt es sich um ein Pflichtpraktikum, steht dir kein Urlaub zu. Ausnahme: Praktikanten, die noch nicht volljährig sind, haben in jedem Fall ein Recht auf Urlaub. Bei freiwilligen Praktika hingegen kannst du ab einem Monat den gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch geltend machen. Im Zweifelsfall hilft ein Blick in den Arbeitsvertrag. Der Urlaubsanspruch kann auch erlöschen, wenn du nicht in die Arbeitsprozesse des Unternehmens eingebunden bist, du also keinen wirtschaftlich verwertbaren Beitrag zum Betriebsergebnis leistest.

Dein Arbeitgeber zahlt nicht? Das sind deine Rechte

Dein Minijob oder Praktikum ist beendet, der Arbeitsvertrag ausgelaufen, doch Geld gesehen hast du immer noch nicht? Dann solltest du deinem Arbeitgeber zunächst eine schriftliche Mahnung (nachweislich übersendet) zukommen lassen. Falls er darauf nicht reagiert, ist auch eine Klage möglich. Wird dein Gehalt zu spät ausgezahlt, kannst du zusätzlich Verzugszinsen in Höhe von 5% über dem Basiszinssatz verlangen. Doch Vorsicht – der Arbeitsvertrag kann relativ kurze Ausschlussfristen enthalten. Hältst du mit deiner Mahnung oder Klage diese Frist nicht ein, verfällt dein Lohnanspruch. Das sollten Studenten auf jeden Fall im Blick haben, wenn der Arbeitgeber versucht, sie hinzuhalten.

Ist eine Kündigung vor Arbeitsantritt möglich?

Du hast dein Studium beendet und den ersten Job schon in der Tasche. Doch noch vor deinem ersten Arbeitstag erhältst du ein viel attraktiveres Jobangebot. Lässt das Arbeitsrecht eine Kündigung vor Arbeitsantritt zu?

Grundsätzlich kannst du vom Arbeitsvertrag unter Einhaltung der Kündigungsfrist auch vor Vertragsbeginn zurücktreten. Um kurzfristige Arbeitsausfälle zu vermeiden, können Arbeitsverträge aber auch Vertragsstrafen vorsehen. Trittst du trotz einer solchen Vereinbarung deine Stelle nicht an, werden Zahlungen an den Arbeitgeber fällig. Empfehlenswert ist eine Kündigung generell erst, nachdem der andere Arbeitsvertrag unterschrieben wurde.

Wann gilt der Mindestlohn im Praktikum?

Seit der Einführung des Mindestlohngesetzes (MiLoG) am 1. Januar 2015 haben auch Praktikanten über 18 Jahren ein Recht auf den gesetzlich geregelten Stundenlohn von 8,50 Euro. Doch es gibt Ausnahmen: Ist dein Praktikum verpflichtender Bestandteil deines Studiums, hast du keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Auch freiwillige Praktika, die nicht länger als drei Monate dauern, sind vom Mindestlohn ausgenommen. 

Aber was sagt das Arbeitsrecht zu längeren Praktika? Steht dir von Anfang an der Mindestlohn zu, oder erst ab dem vierten Monat? Der Gesetzestext dazu ist unklar. Das Bundesarbeitsministerium vertritt die Meinung, dass der Mindestlohn in diesem Fall schon ab dem ersten Monat bezahlt werden muss. Einige Juristen sehen das allerdings anders. Wer in dieser Streitfrage Recht bekommt, bleibt abzuwarten – Urteile dazu gibt es noch nicht.

Mehr Informationen zum Thema "Arbeitsrecht für Studenten" gibt es im Faktencheck: Mindestlohn im Praktikum.

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Müssen Arbeitsverträge schriftlich abgeschlossen werden? Was passiert mit ungenutzten Urlaubstagen? Wir klären acht Mythen des Arbeitsrechts.

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