e-fellows im Lebenslauf-Check: Zwei Karrierewege im Banking, die zeigen, worauf es ankommt
- Elena Alferi
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Wer an eine erfolgreiche Karriere im Banking denkt, hat oft ein klares Bild vor Augen: geradlinige Lebensläufe, klassische Finance-Studiengänge und ein früher, klar definierter Karriereplan. Doch die Realität sieht zum Glück vielfältiger aus. Zwei junge Talente aus der Branche zeigen, was wirklich zählt.
e‑fellows.net-Stipendiat Benno, 22 Jahre, Student
Benno hat im Bachelor Wirtschaftsingenieurwesen in Hannover studiert und mit der Note 1,4 abgeschlossen. Schon vor seinem Studium hat er ein erstes Praktikum im Investment Banking bei der Deutschen Bank absolviert. Anschließend folgten Stationen als Werkstudent bei Swiss Life (Financial Reporting & Distribution) und der HypoVereinsbank (Private Banking and Wealth Management). Zuletzt hat er drei Monate lang als Praktikant im Corporate Banking bei der Deutschen Bank gearbeitet.
Du hast Wirtschaftsingenieurwesen im Bachelor studiert. Warum hast du dich für diesen Studiengang und nicht für, zum Beispiel BWL, entschieden?
Ich habe mich bewusst für Wirtschaftsingenieurwesen entschieden, weil ich neben betriebswirtschaftlichem Wissen auch technische und analytische Fähigkeiten entwickeln wollte. Gerade im Banking sind diese Kompetenzen in vielen Bereichen gefragt. Als Bewerber kann man sich so immer etwas von allen anderen abheben und beweisen, dass die eigenen Fähigkeiten gut übertragbar sind.
Wie hast du es geschafft, dein Studium, gute Leistungen und anspruchsvolle Werkstudierendenjobs parallel auf hohem Niveau zu halten und alles unter einen Hut zu bekommen?
Gute Organisation war für mich der Schlüssel. Ich habe früh versucht, vorausschauend zu planen und Prioritäten zu setzen. Als Werkstudent war es mir außerdem wichtig, verlässlich zu sein: Ich habe meine Verfügbarkeit klar kommuniziert und mich regelmäßig mit meinem Team abgestimmt. So konnte ich beiden Seiten gerecht werden.
Welche Skills hast du in deinen Praktika und Werkstudierendenjobs entwickelt, die man im Hörsaal nicht lernt?
Der größte Skill, den man in der Praxis erlernt, ist die Kommunikationsfähigkeit. Im Job kommt es nicht nur darauf an, was man weiß, sondern wie man es vermittelt – klar, strukturiert und leicht verständlich. Das Studium gibt einem das fachliche Fundament, aber die wirklich wichtigen Soft Skills entwickelt man erst im Arbeitsalltag und nicht im Hörsaal.
Wo siehst du dich in den nächsten fünf Jahren – und welche Rolle soll die Branche Banking dabei spielen?
In den nächsten fünf Jahren sehe ich mich im Bereich Private Equity oder Venture Capital. Ich glaube, die Grundlage dafür ist es, auch das klassische Bankgeschäft zu verstehen, um unterschiedliche Finanzierungsformen zu kennen. Der nächste Schritt nach meinem Bachelor wird erstmal ein Gap Year bei McKinsey sein.
Wenn du auf die Bewerbungsprozesse bei renommierten Häusern wie der Deutschen Bank zurückblickst: Was hat dir aus deiner Sicht geholfen, dich von anderen Kandidat:innen abzuheben?
Ich glaube, was mich von anderen abgehoben hat, war mein Blick für das große Ganze. Ich habe mich nicht nur mit der Stelle oder Abteilung beschäftigt, sondern auch mit der Strategie des Unternehmens. So konnte ich in Gesprächen zeigen, dass ich Zusammenhänge verstehe und nicht nur Teilbereiche betrachte. Das kam gut an.
Und das sagt die Deutsche Bank dazu:
Um sich von anderen Bewerber:innen abzuheben, zählt am Ende oft das Gesamtpaket: Neben guten Qualifikationen spielen vor allem praktische Erfahrung und echte Motivation eine entscheidende Rolle. Bei der praktischen Erfahrung sind insbesondere konkrete Beispiele und Projekte wichtig, wie jemand mit komplexen Fragestellungen umgeht oder Verantwortung übernommen hat. Ebenso wichtig ist echte Motivation: Wer sich intensiv mit der Bank, unseren aktuellen Themen und dem wirtschaftlichen Umfeld auseinandergesetzt hat und diese Zusammenhänge einordnen kann, zeigt echtes Interesse. Wenn man all diese Aspekte im Interview authentisch und souverän vermittelt, hebt man sich klar von anderen Bewerbenden ab.
e‑fellows.net-Alumna Julia, 28 Jahre, Client Analyst bei SEB
Julia hat im Bachelor Wirtschaftswissenschaften und im Master Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt am Main studiert. Während ihres Studiums absolvierte sie zunächst ein Praktikum im Employer Branding und war als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Marketing-Lehrstuhl tätig.
Anschließend arbeitetete sie als Praktikantin und Werkstudentin bei PwC in den Abteilungen Corporate Tax und Data Driven Marketing und stieg 2021 als Trainee 4.0 Data Analyst bei der DZ Bank ein. Seit 2025 ist sie als Client Analyst bei SEB tätig.
Wann hast du gemerkt, dass dich die Banking-Branche fasziniert? Und was gefällt dir daran am besten?
Ehrlich gesagt hatte ich Banking lange gar nicht im Fokus, auch wenn ich in Frankfurt studiert habe. Während des Studiums habe ich verschiedene Praktika gemacht, allerdings eher in Unternehmen und Unternehmensberatungen. Nach meinem Master habe ich mich bewusst breit orientiert, insbesondere im Bereich Data Analytics, mit dem ich mich im Rahmen meiner Masterarbeit intensiv beschäftigt hatte und über den ich eine Faszination für Zahlen entwickelt habe.
Die Trainee-Stelle als Data Analyst bei einer Bank hat mich dann vor allem inhaltlich gereizt und war für mich die Gelegenheit, meine analytischen Stärken in einem neuen Kontext einzusetzen. So bin ich zunächst eher opportunitätsgetrieben in die Branche eingestiegen. Die eigentliche Faszination hat sich dann sehr schnell im Job entwickelt: Mich begeistert bis heute, wie tief man in unterschiedlichste Unternehmen, Branchen und Geschäftsmodelle eintauchen kann.
Du hast deine Karriere zunächst bei PwC gestartet und bist später in die Banking-Branche gewechselt. Was war der Auslöser für diesen Schritt?
Mein Einstieg bei PwC begann mit einer Vorlesung im Steuerrecht, die von einem Partner von PwC gehalten wurde. Daraus ergab sich zunächst ein Praktikum in seinem Team und später eine Werkstudententätigkeit. Nach einiger Zeit habe ich bewusst intern in den Bereich Data-Driven Marketing gewechselt, da ich mich im Studium auf quantitatives Marketing und Management spezialisiert hatte.
Nach dem Studium stand dann die klassische Frage im Raum: Beratung oder Unternehmen? Für mich war schnell klar, dass ich nicht nur analysieren, sondern auch näher an der Umsetzung der erlangten Erkenntnisse arbeiten möchte.
Am Ende hat mich das Gesamtpaket der Trainee-Stelle bei der DZ Bank überzeugt, insbesondere die Möglichkeit, verschiedene Bereiche zu durchlaufen und gleichzeitig eine Branche fundiert zu verstehen. Der Wechsel ins Banking war für mich daher eine bewusste Entscheidung, um analytisches Arbeiten, strategische Fragestellungen und praktische Umsetzung miteinander zu verbinden.
Wenn du auf deinen bisherigen Karriereweg zurückblickst: Worauf bist du persönlich am meisten stolz?
Am meisten stolz bin ich darauf, wie konsequent ich Chancen ergriffen und mich immer wieder bewusst neuen Herausforderungen gestellt habe. Ich bin mehrfach ins kalte Wasser gesprungen, sei es durch den Einstieg in eine Branche, die ich ursprünglich nicht geplant hatte, den Wechsel zwischen Unternehmen oder die frühe Übernahme der Stelle als Projektleiterin.
Gerade in diesen Situationen habe ich gelernt, mich schnell in neue Themen einzuarbeiten, Verantwortung zu übernehmen und auch unter Unsicherheit gute Lösungen zu entwickeln. Rückblickend waren genau das die Schritte, die meine Entwicklung am stärksten geprägt haben. Für mich hat sich dabei bestätigt, dass man nicht von Anfang an alles können muss. Entscheidend ist die Bereitschaft, Verantwortung aktiv anzunehmen und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Welche Fähigkeit war für deinen Karriere-Erfolg wichtiger, als du ursprünglich gedacht hast?
Ganz klar Netzwerken und damit verbunden die Fähigkeit, offen auf Menschen zuzugehen und sich aktiv einzubringen.
Viele Chancen ergeben sich nicht ausschließlich über fachliche Leistung, sondern durch Austausch, Vertrauen und Sichtbarkeit innerhalb der Organisation. Ein Großteil meiner Entwicklungsmöglichkeiten ist tatsächlich genau aus solchen Kontakten entstanden.
Gleichzeitig habe ich gelernt, wie wichtig es ist, Chancen bewusst zu ergreifen, auch dann, wenn man sich noch nicht zu hundert Prozent bereit fühlt. Gerade für Frauen ist es aus meiner Sicht entscheidend, diesen Schritt aktiv zu gehen und sich nicht durch den eigenen Perfektionsanspruch auszubremsen.
Du hast dich nach deinem Traineeship bei der DZ Bank mit SEB erneut für einen Arbeitgeber im Banking entschieden. Was hat dich dazu bewogen, weiter in der Branche zu bleiben?
Für mich war die Entscheidung vor allem davon geprägt, dass ich in der Branche weiterhin großes Entwicklungspotenzial gesehen habe. Besonders gereizt hat mich die Möglichkeit, mich fachlich noch einmal neu auszurichten und ein anderes Umfeld kennenzulernen.
Mit dem Wechsel zur SEB habe ich mich inhaltlich
umorientiert, weg von Privatkunden- und Plattformthemen hin zu globalen
Firmenkunden (Large Corporates). Damit verbunden sind internationale
Fragestellungen sowie eine breitere und komplexere Produktlandschaft, die
insbesondere globale Unternehmen benötigen. Genau diese inhaltliche Tiefe und
neue Perspektive haben für mich den nächsten Schritt besonders spannend
gemacht.