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Die besten Tipps von einer Schreibberaterin

Tipps Schreibberatung, Schreiben auf Papier [Quelle: unsplash.com, rawpixel]

Quelle: unsplash.com, rawpixel

Sich einfach hinsetzen und eine überzeugende wissenschaftliche Arbeit aufs Papier zaubern? Irene Steindl weiß, wie. Im Interview verrät die freie Redakteurin und Trainerin ihre Strategien für erfolgreiches akademisches Schreiben. 

Was machst du als Schreibberaterin?

Ich unterstütze Studierende in allen Phasen des Schreibprozesses. Sie bekommen einen Werkzeugkoffer, mit dem sie danach selbstständig weiterarbeiten können. Eigentlich ist Schreibberatung Hilfe zur Selbsthilfe. Das hat natürlich auch sehr viel mit Motivation und psychologischen Faktoren zu tun.

Was sind die häufigsten Gründe, aus denen Studierende zu dir kommen?

Sie haben sehr unterschiedliche Anliegen, abhängig von der jeweiligen Phase des Schreibprozesses. Ein großes Thema ist die Frage: Wie organisiere ich mich selbst? Viele haben auch Versagensängste. Gerade Doktorandinnen oder Doktoranden trauen sich erst in der Schreibberatung zu sagen, dass sie nicht sicher sind, wie wissenschaftlich ihre Arbeit ist. Zum Teil sind ihre Ängste noch größer, weil auf ihnen mehr Druck lastet und bestimmtes Wissen vorausgesetzt wird.

Wie gehst du bei der "Hilfe zur Selbsthilfe" vor?

Es gibt kein Patentrezept. Zuerst analysiere ich die Situation und mache gemeinsam mit den Studierenden einen Plan. Oft sehen sie ihre Arbeit als riesigen Berg. Meine Aufgabe ist es, diesen Berg in kleine, überschaubare Schritte zu unterteilen, die man bewältigen kann, und die Person auf Augenhöhe mit der Arbeit zu bringen. Die Verantwortung bleibt aber immer bei den Studierenden. Sie haben alle eine ganz eigene Schreibstimme, so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Ich unterstütze dabei, diese Stimme zu fördern. Denn die Fähigkeit, sich auszudrücken und zu argumentieren, braucht man nicht nur im Studium. Das ist eine Kompetenz fürs Leben.

Wie schätzt du die Betreuungsangebote an Universitäten derzeit ein?

Studierende werden mit ihren Fragen allein gelassen und zu wenig an die Hand genommen. Es ist wichtig, die Freude am wissenschaftlichen Arbeiten zu stärken. Zum Glück gibt es in Deutschland und Österreich immer mehr Schreibberatungen und Initiativen an Fakultäten – zum Beispiel das Schreibzentrum der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt oder das Schreibmentoring-Programm der Universität Wien. Das ist eine großartige Leistung, die weiter um sich greift – nur leider wissen es noch zu wenige.

Wie kann ich mit hohen Erwartungen an die eigene Arbeit umgehen? 

Je mehr Regeln und Druck es gibt, umso mehr muss man Räume schaffen, die damit brechen – in denen es nicht um Leistung und Bewertung, sondern den spielerischen Zugang zum Schreiben geht. Daher rate ich zu sogenannten Shitty First Drafts: schlechte Erstentwürfe. Du bringst deine Gedanken in deinen eigenen Worten roh zu Papier, ohne Regeln wie Rechtschreibung oder Grammatik. Die Methode nennt sich Freewriting: Es geht darum, möglichst viel am Stück zu produzieren. Der Erstentwurf darf fehlerhaft und holprig sein und sollte nicht mit dem Überarbeiten vermischt werden. Kritische Stimmen haben hier nichts verloren. Erst in der Phase des Überarbeitens holst du sie bewusst wieder hervor, um am Text zu feilen.

Welche Phasen gibt es denn im Schreibprozess?

Es gibt ein Idealmodell mit fünf Phasen. Die erste ist die der Orientierung und Ideensuche. Danach ist es bei großen Arbeiten wie Bachelor, Master oder Dissertationen unabdingbar, eine grobe Struktur für den Aufbau zu entwickeln. Ein roter Faden gibt Halt, kann sich aber im Laufe der Zeit verändern. Auf diese Strukturierungsphase folgt das Rohtexten. Hier sollte man alles, was man bisher gesammelt hat, aufschreiben, in vielen Shitty First Drafts. Dann erst kommt das Überarbeiten, bei dem der Text auf Inhalt, Struktur und Sprache überprüft wird. Zum Schluss sind Korrekturlesen und Feinschliff dran.

Welchen Ratschlag hast du zum Thema Zeitmanagement?

Die wenigsten haben tatsächlich einen Zeitplan, sondern nur eine Deadline. Dabei ist Zeitmanagement unglaublich wichtig. Es hilft, sich Ziele zu setzen. In ihrem Buch "Bird by Bird" erzählt die Autorin Anne Lamott, dass ihr kleiner Bruder eines Abends weinend am Tisch sitzt, voller aufgeschlagener Bücher vor sich. Auf die Frage des Vaters, was los sei, sagt er: "Ich muss morgen ein Referat halten über Vögel, aber wie soll ich das machen? Es sind so viele ..." – "Ganz einfach", antwortet der Vater: "Just take it bird by bird."

Wie strukturiere ich meinen Schreibtag?

Das ist schwierig zu beantworten. Einige schreiben in der Früh am besten, andere am Nachmittag. Schritt eins ist, herauszufinden: Wie funktioniere ich am besten? Experimentiere mit Arbeitszeiten, mit Arbeitsdauer und Arbeitsorten. Eine große Gefahr ist das Bingewriting oder Komaschreiben. Das gibt es so wie das Komatrinken. Von solchen "durchzechten" Schreibnächten ist eher abzuraten. Man kann sehr schnell blind werden, ob das Geschriebene noch gut ist. Es ist besser, sich jeden Tag eine feste Zeit zu reservieren und sie so ernst zu nehmen wie ein Date. Auch wenn es nur 15 Minuten sind: Hauptsache, man bleibt dran.

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