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No al telefonino!

WG-Suche in Padua? Das sei ganz einfach, versicherte mir meine Erasmus-Betreuerin bei der Ankunft. Ich müsse "einfach nur kurz" die Vermieter anrufen. Das hatte ich befürchtet – schließlich ist Telefonieren der Nationalsport der Italiener. Unpraktisch, wo ich doch eine ausgewachsene Telefonphobie hegte. Noch unpraktischer, da meine Italienischkenntnisse nach drei halbherzig bestandenen Sprachkursen eher bescheiden und mein Selbstvertrauen darin noch bescheidener waren. Es dauerte Wochen, bis ich überhaupt den Mut für einen Anruf zusammenkratzte.

Die ersten drei Telefonate beendete ich, ohne ein Wort gesagt zu haben. Zu schnell prasselten die Worte auf mich ein, zu langsam zerlegte mein Hirn den klangvollen Schwall in verständliche Einzelteile. Beim vierten Mal erschlossen sich mir aus drei Minuten ganze drei Sekunden – eine Adresse! Braucht man auf Wohnungssuche mehr? Ich brüllte schnell eine Uhrzeit ins Handy, ein "Grazie!" hinterher, und legte auf. Der Troll aus Harry Potter hätte nicht ungelenker telefoniert.

Weitere Telefonate blieben mir zum Glück erspart: Das WG-Zimmer war toll und meine Mitbewohner fanden meine Vorgeschichte weniger trollig denn drollig. Das Telefonino aber treibt mir seitdem erst Recht den Angstschweiß auf die Stirn.

Die Sitzdusche

Meine Erasmus-Mansarde in der Straßburger Altstadt stammte aus der Zeit, in der Dachböden weder aus schierer Platznot zu Wohnzwecken ausgebaut noch Menschen 1,95 Meter groß wurden. Dass es senkrechte Stellflächen nur an den innenliegenden Wänden gab, schien mir in meiner ersten Euphorie weniger als ergonomische Zumutung denn als Gipfel der Gemütlichkeit.

Was ich bei der Besichtigung nicht bedacht hatte: Auch die Badewanne befand sich in einer Dachschräge. Und zwar längs! Aufrechtes Duschen gehörte damit der Vergangenheit an. Ich konnte entweder täglich ein Bad nehmen, was jedoch die gesamte Füllmenge des nur nachts heizenden Warmwasserboilers aufbrauchte. Oder ich pflanzte mich mit ausgestreckten Beinen in die trockene Wanne und führte mit einer Hand die Brause über meinen Körper, während die andere zumindest die Stellen einseifte, die ich in dieser Haltung erreichen konnte. Um die ungeflieste Schräge über mir zu schonen, musste ich wahlweise flunderflach nach hinten glitschen – was aber die Anzahl manuell einseifbarer Körperteile drastisch reduzierte – oder aber eine Haltung einnehmen, die ins Straßburger Studenten-Yoga als "Der krepierende Rundrücken" eingegangen ist.

Aus dem Elsass mitgenommen habe ich nach sechs Monaten nicht bloß eine figurtechnisch bedenkliche Vorliebe für Pökelfleisch und Stinkekäse, sondern auch eine irreversible Aversion gegen Badewannen und einen leichten Buckel.

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