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Karriere-Aufschwung süß-sauer

China Schriftzeichen Lampion [Quelle: Unsplash.com]

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Alle reden von China. Und immer mehr Studenten und junge Berufstätige wollen das Boom-Land mit eigenen Augen sehen. Schließlich verspricht ein China-Aufenthalt nicht nur Abenteuer und Exotik – sondern auch einen Kick für die Karriere.

Go West? Go East! China liegt im Trend, und das kann man an Zahlen ablesen: 2010 kamen genau 4.873 deutsche Studierende in die Volksrepublik. Das sind viermal so viele wie noch 2003, also gerade mal sieben Jahre zuvor.

Jetzt kommen die Europäer

Eine Entwicklung ganz im Sinne des chinesischen Bildungs-Ministeriums, das die Zahl ausländischer Studierender in China verdoppeln will – von derzeit 265.090 internationalen Studenten auf eine halbe Million. Der Großteil der ausländischen Studenten kommt zwar bisher noch aus anderen asiatischen Ländern. Doch Europa holt auf und liegt schon auf dem zweiten Platz.

Auslandssemester in China? Warum nicht!

"Die Hemmschwelle, nach China zu gehen, ist gesunken", meint auch e-fellows.net-Stipendiat Markus, der ein Semester lang Business Administration an der renommierten University of Hong Kong studierte (siehe Interview auf Seite 2). Immer mehr deutsche Unis und FHs bieten Austauschprogramme mit chinesischen Unis, etwa die RWTH Aachen, die ESB Business School und die Technische Universität München, um nur einige wenige zu nennen. An der prestigeträchtigen Tongji Universität gibt es bereits seit 1998 das "Chinesisch-Deutsche Hochschulkolleg", eine Gemeinschaftseinrichtung der Uni und des DAAD, die den Wissenschaftsaustausch beider Länder vorantreiben soll.

Auch für Juristen kann der Aufenthalt lohnen

Natürlich ist ein Aufenthalt in China nicht für jeden Studenten gleichermaßen interessant. "Für Juristen ist ein LL.M. in den USA oder England die bessere Wahl" meint e-fellows.net-Stipendiatin Christina. Sie selbst hat sich jedoch für einen LL.M. in Peking entschieden: "Ein Studium an einer chinesischen Uni lohnt sich, da China ein wichtiger Handelspartner von Deutschland ist." Derzeit absolviert sie ihre Verwaltungsstation beim Generalkonsulat der BRD in Schanghai (siehe Interview auf Seite 2).

Praktikum – reiche Erfahrung, bescheidene Vergütung

Auch ein Praktikum in China ist eine tolle Möglichkeit, das Land kennenzulernen und Arbeitserfahrung mit Exotenbonus zu sammeln. Viele deutsche Firmen wie Bosch, Siemens oder VW bieten Praktika in ihren chinesischen Werken an. Reich wirst du dabei in der Regel nicht, meist liegt die Vergütung zwischen 300 und 400 Euro (3.000-4.000 Yuan). Auch eine (bescheidene) Unterkunft kriegst du in der Regel gestellt.

Chancen für internationale Talente

Eine China-Station im Trainee-Programm ist als "Schmankerl" meist besonders vielversprechenden und ehrgeizigen Trainees vorbehalten – für Berufserfahrene gilt Ähnliches. Für Bosch zum Beispiel sind derzeit 268 Mitarbeiter in China im Einsatz. Tendenz steigend, denn Bosch wächst in China weiterhin rasant und damit auch der Bedarf an Führungskräften und Spezialisten. Zwar werden auf Managementpositionen immer mehr lokale Mitarbeiter eingesetzt, trotzdem bietet das Unternehmen qualifiziertem Personal, das eine Zeitlang den Sprung nach China wagt, spannende Aufgaben.

Emerging Markets als Karrierebeschleuniger

Wer Karriere machen will, sollte China jedenfalls im Auge behalten – ebenso wie andere "Emerging Markets" wie Brasilien oder Vietnam: "Wir reden über einen großen Markt mit großem Wachstum", betont Albrecht Schneider, Länderreferent bei Bosch Rexroth, "da sind für mich Absolventen, die bereits in China waren, besonders interessant. Wer ein exotischeres Praktikum macht, stellt sich auch anderen Herausforderungen."

Sprachkenntnisse zum Eindruck schinden

Wer richtig Eindruck schinden will, sollte sich ernstzunehmende Chinesischkenntnisse aneignen, rät Albrecht Schneider. "Wer so weit Chinesisch kann, dass er sich fließend unterhalten kann, hat einen außergewöhnlichen Vorteil. In der Zeit eines Praktikums ist das allerdings nicht zu machen." Radikaler formuliert es e-fellows.net-Stipendiatin Denise: "China lernt man wirklich nur kennen, wenn man Chinesisch kann" (siehe Interview auf Seite 4).

Was macht China so reizvoll?

Doch was ist so reizvoll an einem längeren Aufenthalt in einem Land, das vielen Europäern erst einmal sehr fremd erscheint? Klar, da ist die Faszination einer uralten Kultur, eines unvergleichlichen Wirtschaftsbooms, eine Atmosphäre von Aufbruch.

Mehr Verantwortung, mehr Spaß

Doch dazu kommt ein "Gestaltungsspielraum, den man in etablierten Strukturen und Märkten nicht allzu häufig hat", wie es Albrecht Schneider nennt. "Oft kriegt man schneller mehr Verantwortung übertragen. Die interkulturelle Erfahrung macht Spaß und oft baut man etwas ganz Neues auf: neue Werke, neue Produkte, man findet neue Lieferanten oder es geht zumindest um spürbare Verbesserungen in der Qualität oder im Prozess."

Eine Erfahrung, die verändert

Zurück in Deutschland, geht es auf der Karriereleiter oftmals aufwärts: "Der Auslandsaufenthalt ist auf jeden Fall ein Plus und gehört zu den Bausteinen einer erfolgreichen Karriere. Man reift und entwickelt sich weiter, und die gestiegene Verantwortung nimmt man mit zurück", so Albrecht Schneider. Um den Übergang möglichst glatt zu gestalten, bietet Bosch Rückkehrseminare an und etwas, dass Bosch-Mentor Dirk Henze "ein Rundum-Sorglos-Paket" nennt (siehe Interview auf Seite 3). Was nicht heißt, dass die Rückkehr nach Deutschland immer leicht fällt. Nicht wenigen erscheint die Heimat plötzlich so unvertraut wie eben noch das fremde Land.

Interviews mit e-fellows in China

Mit einem entspannten Party-Semester braucht man an der University of Hong Kong wahrscheinlich nicht zu rechnen, oder?

Nein, während des Semesters war extrem viel zu tun. Ich habe vier Kurse à sechs Credits gemacht, in jedem Kurs musste ich vier bis fünf Hausarbeiten im Semester abgeben, dazu kamen Pflichttutorien, Übungen und Präsentationen sowie Zwischenprüfungen nach der Hälfte des Semesters. Die chinesischen Kommilitonen haben noch mehr gearbeitet, die sind morgens zur Uni und haben bis Mitternacht gelernt. Der Ehrgeiz ist groß, denn die Hong Kong University ist die beste Uni am Platz. Auch die Eltern machen Druck, schließlich sind die Studiengebühren hoch.

Was ist eigentlich so spannend an China?

Mich fasziniert an China die Kultur, aber auch der Mythos der aufstrebenden Weltmacht, vor der man sich fürchtet. Ich wollte das selber erleben, diesen extremen Hunger nach Aufstieg, Wachstum, Konsum.

Wie kommt dein Auslandsaufenthalt bei Personalern an?

Ich schreibe meine Bachelor-Arbeit bei Bosch. Natürlich war China auch ein Thema im Vorstellungsgespräch. Der Personaler fand das super. Weil mir das Land so gut gefiel, bin ich nach dem Auslandssemester noch für ein Praktikum zur Volkswagen Group nach Peking gegangen. Peking ist mehr das wahre China, kein Mensch spricht dort Englisch. Es ist nicht so eine Weltstadt wie Hong Kong, hat aber viel mehr Kultur zu bieten.

Liegt China im Trend?

Ja, die Hemmschwelle, nach China zu gehen, ist gesunken. Viele Studenten überlegen sich das inzwischen, weil es gut im Lebenslauf aussieht. Ich bekomme oft Anfragen von Studenten, die wissen wollen, wie ich das organisiert habe.

Und wie hast du das organisiert?

Wir haben ein Austauschprogramm an der Hochschule, die Uni hat den Studienplatz besorgt und der Auslandskoordinator an der Uni Hong Kong hat sich für mich um einen Platz im Studentenwohnheim und das Visum gekümmert. Im Studentenwohnheim habe ich nur 500 Euro fürs ganze Semester gezahlt. Dafür musste ich mir die 15 Quadratmeter auch mit einem Equadorianer teilen.

Ist es dir schwer gefallen, Kontakte zu Chinesen zu knüpfen?

In Hong Kong war es nicht schwer, man geht zum Beispiel viel zusammen essen. In Peking war es schwieriger, weil mein Chinesisch nur für die normalen Alltagsdinge reicht.

Würdest du gerne länger in China leben?

Ich kann mir gut vorstellen, noch mal nach China zu gehen, vielleicht für zwei, drei Jahre. Es ist einfach spannend, was sich da alles bewegt. Man fährt an einem Wohngebiet vorbei, das gerade abgerissen wird, alles Schutt und Asche. Zwei Monate später steht schon wieder ein fertiger Rohbau da. Das Tempo ist krass. Ich glaube auch, dass ein beruflicher Aufenthalt in China ein Karrierebeschleuniger ist. Der finanzielle Aspekt ist mir nicht so wichtig – man bekommt zwar Zuschläge, aber wenn man so leben will wie in Europa, kostet das auch genauso viel.

Was ist dein erster Eindruck von Schanghai?

Viele Menschen, viele Touristen, aber es gibt auch viele grüne Flächen. Insgesamt geht es hier hektischer als in Peking zu.

Hast du eine Art Kulturschock bekommen?

Der Kulturschock wirkt sich bei mir am Anfang meistens so aus, dass ich ziemlich genervt bin. Denn die Chinesen sind zum Beispiel in der U-Bahn oder auf der Straße recht rücksichtslos. Man wird angerempelt, keiner entschuldigt sich, und die Autos dürfen hier auch bei grüner Fußgängerampel immer rechts abbiegen, so dass man sehen muss, wie man über die Straße kommt.

Trotzdem muss es dir in China gut gefallen haben, schließlich bist du schon zum zweiten Mal da.

Ich habe in Peking sehr gute chinesische Freunde gefunden, die mir wirklich bei allem geholfen haben. Diese Gastfreundschaft hat mich sehr beeindruckt. China ist außerdem von der Kultur her ganz anders als Deutschland. Ich fand das so interessant, dass ich unbedingt wieder nach China zurück wollte. Außerdem spürt man hier so eine gewisse Aufbruchsstimmung. Es werden in kürzester Zeit neue Hochhäuser aus dem Boden gestampft, neue U-Bahnlinien gebaut. China hat mich auch als Reiseland fasziniert, da es so viele verschiedene Landschaften gibt: die chinesische Mauer, die Karst-Berge in Guilin...

Und im Lebenslauf macht sich ein China-Aufenthalt sicher auch nicht schlecht?

Ja, das denke ich auch. Ich habe auch schon gehört, dass das mit ein Hauptgrund für viele ist, nach China zu gehen. Für mich war das jedoch nicht ausschlaggebend. Ich habe mich schon immer sehr für Asien interessiert, weshalb ich vor meinem Jurastudium angefangen hatte, Sinologie zu studieren. Als meine Uni dann ein Austauschprogramm mit der CUPL Peking angeboten hatte, habe ich mich sofort beworben. Aus fachlicher Sicht ist aber zum Beispiel ein LL.M. in den USA oder England für einen Juristen die bessere Wahl. Ein Studium an einer chinesischen Uni lohnt sich insofern, als China ein wichtiger Handelspartner von Deutschland ist. Zudem zeigt es, dass man in einer fremden Kultur zurecht kommen kann.

Was genau machst du jetzt in China?

Ich absolviere einen Teil meiner Verwaltungsstation beim Generalkonsulat der BRD. Ich habe mich beim Auswärtigen Amt beworben, da ich noch nicht sicher weiß, was ich nach dem zweiten Staatsexamen machen möchte. Eine Station ist eine gute Möglichkeit, das mal auszuprobieren. Zudem wollte ich schon immer international arbeiten.

Was verbindest du mit China?

Mit China verbinde ich vor allem Vielfalt und starke Kontraste. Das merkt man vor allem, wenn man die Städte hinter sich lässt und aufs Land reist, wo Konsum noch nicht so groß geschrieben wird. Mit China verbinde ich aber auch Lärm, Umweltverschmutzung, Menschenmassen. Leute, die einen manchmal nicht verstehen wollen. Das Bedürfnis, seinem Unmut Ausdruck zu verleihen, was man hier nicht darf. Andererseits gibt es so viele positive Dinge wie die Gastfreundschaft.

Kannst du dir vorstellen, dauerhaft in China zu leben?

Dauerhaft eher nicht, aber für zwei bis fünf Jahre sicher.

Was war dein schönstes Erlebnis bisher in China?

Mein schönstes Erlebnis war, als eine chinesische Freundin mich und andere chinesische Freunde zu ihrer Mutter nach Hause zum Jiaozi machen eingeladen hat. Jiaozi sind Teigtaschen.

Und was nervt an China?

Ich fand es nervenaufreibend, dass man wichtige Termine erst kurzfristig und nach mehrmaligem Nachfragen mitgeteilt bekommt. Das Planungsbedürfnis ist hier nicht so ausgeprägt wie bei uns Deutschen.

Hast du einen Tipp für andere Studenten, die eine Zeit in China verbringen möchten?

Sucht euch chinesische Freunde und reist viel. Nur so kann man Land und Leute richtig kennenlernen. Und man sollte sich nicht entmutigen lassen, wenn man am Anfang nicht verstanden wird.

Wie findet man denn am besten chinesische Freunde?

Indem man auf dem Campus wohnt und sich Sprachpartner sucht – es gibt viele Chinesen, die gerne ihr Englisch oder Deutsch verbessern wollen. Oder indem man Tischtennis oder Badminton an der Uni spielt. Häufig wird man von chinesischen Studenten angesprochen, ob man nicht Sprachpartner für Englisch werden möchte. Wenn man ein Praktikum in China macht, ist es wahrscheinlich schwieriger, Kontakte zu Chinesen zu knüpfen. Ich habe mich daher entschieden, zu einer Chinesin in die WG zu ziehen. Nach Zimmern in Schanghai kann man übrigens auch übers Internet suchen unter www.smartshanghai.com.

Interview mit China-Rückkehrer Dirk Henze

War die Entscheidung, eine so lange Zeit in China zu verbringen, im Rückblick richtig?

Mein Leben hat sich durch China stark verändert. Meine damalige Partnerin sagte schon bei unserer ersten gemeinsamen Reise nach Zhuhai, dass Sie sich ein Leben dort nicht vorstellen kann. Ich habe mich letzten Endes dann gegen meine damalige Beziehung und für das Land entschieden. In China habe ich meine jetzige Frau kennengelernt, sie ist Chinesin. Wir haben zwei Kinder. Ich habe den Schritt nie bereut.

Das ist das Private, doch was ist mit dem Beruflichen?

Als Trainee nach China zu gehen war super. Doch rückblickend würde ich nicht noch mal direkt im Anschluss ans Trainee-Programm ins Ausland gehen. Nach dem Trainee-Programm ist man noch sehr jung – wer nach China kommt, sollte aber besser schon Erfahrung mitbringen. Denn die Chinesen betrachten einen nicht als Kollegen, sondern als Vorgesetzten, weil man von der deutschen Zentrale kommt. Es wird erwartet, dass man Antworten auf alle Fragen hat.
Mein zweiter Fehler war die lange Zeit: Sechs Jahre sind an der Grenze, um sich wieder gut im Heimatland integrieren zu können. Drei bis vier Jahre sind ein sinnvoller Zeitraum.

Hat sich die Entscheidung denn finanziell gelohnt?

Finanziell lohnt es sich auf jeden Fall. Aber man zahlt auch einen Preis. Die Arbeitszeiten sind schon sehr lange. Man fängt morgens an, mittags stoßen – telefonisch – die Deutschen dazu, darum sitzt man oft nach offiziellem Büroschluss noch am Rechner. Wenn dann noch eine Telefonkonferenz mit Amerika ansteht, wählt man sich von daheim ein und dann ist eben erst spät am Abend Feierabend.

Wie war die Rückkehr nach Deutschland?

Der Freundeskreis in Deutschland ist schon um einiges geschrumpft. Die Freunde haben sich weniger stark verändert als man selber, man hat nicht mehr so viele Gemeinsamkeiten. Ich identifiziere mich weniger mit meiner eigenen Nationalität als vor dem Auslandsaufenthalt.

Was sind denn die positiven Veränderungen?

Man sieht Dinge ganz anders und viel gelassener. Und man lernt, mit Leuten zu kommunizieren, Dinge nicht automatisch vorauszusetzen. Die Hand geben, jemandem auf die Schulter klopfen, das heißt in China etwas anderes als hier. Chinesen sind schüchtern, zurückhaltend und nicht so direkt, sie gehen anders an Dinge heran. Würde ich einen Entwickler in Deutschland zu intensiv betreuen, fühlte er sich beschulmeistert. In China würde er sich vernachlässigt fühlen, wenn ich nicht jeden Tag gucke, was er macht.

Was hat Sie am meisten gestört in China?

In China wird oft für einen Gefallen ein Gegengefallen erwartet. Sich dann herauszureden, ist sehr schwer. Das Unrechtbewusstsein ist nach meinem Empfinden nur gering ausgeprägt und wenn sich niemand beschwert, wird es wohl in Ordnung gewesen sein. Meinungsfreiheit, wie wir sie kennen gibt es nicht, man muss unheimlich aufpassen, was man sagt. Viele guten Studenten sind in der Partei – das größte Beziehungsnetzwerk, das es gibt, und wer drin ist, wird oft vorrangig behandelt.

Bosch sucht Deutsche, die nach China gehen – wem würden Sie diesen Schritt empfehlen?

Ich kann einen Auslandsaufenthalt jedem empfehlen. Wenn man zeitlich begrenzt entsandt wird, sollte man vorher zwei bis drei Jahre beim Unternehmen gewesen sein und dann rübergehen. Dann hat man noch den Kontakt zum Heimatland und kann zurück, wenn es für einen persönlich gar nicht passt.

Und wie geht es dann nach der Rückkehr weiter?

Ich habe hier Deutschland wieder eine super Stelle bekommen, aber in anderen Unternehmen heißt es: Nach sechs Jahren Asien ist der doch in Deutschland nicht mehr integrierbar. Für das Unternehmen ist die Gefahr groß, dass der Mitarbeiter hier unzufrieden ist, erst recht, wenn er seine ausländische Frau mitbringt. Denn dann geht es los mit Integrationskursen, Führerschein und so weiter. Ich bin jetzt in der Abteilung Entwicklungskoordination, Technikstrategie und Koordinationsmanagement. Da koordiniere ich entwicklungsübergreifende Themen. Wir sind nach ein paar Jahren in Deutschland nochmals bereit, den Schritt ins Ausland zu gehen. Es muss aber nicht China sein, denn es gibt noch viele andere interessante Länder.

Wie kümmert sich Bosch um Rückkehrer?

Bosch bietet da so ein Rundum-Sorglos-Paket, die organisieren den Umzug, da gibt es sogar eine Pauschale, weil die Stecker aller Geräte, die man sich gekauft hat, nicht mehr passen und so weiter. Bosch will Leute nach China bekommen und kümmert sich auch um eine gute Anschlussstelle.

Wie hat sich das Land in den letzten Jahren verändert?

Fast überall in China gibt es Starbucks und McDonald's. In Peking und Shanghai merkt man kaum noch den Unterschied zu Europa. Wenn man in die Provinzen geht, sieht man Orte, die waren vor 30 Jahren noch ein Fischerdorf. Jetzt leben da viele Millionen. Die Straßen sind sechsspurig, die Häuser sind alle neu. Kultur, alte Gebäude – da muss man schon suchen. Scheinbar Altes ist oft nur auf alt gemacht und bei genauerer Betrachtung aus Beton. Weiter im Landesinneren ist die Anzahl der Ausländer geringer, da ist man mittendrin, das lohnt sich.

Was ist Ihr Eindruck vom chinesischen Wirtschafts-Boom?

In China, wie in allen Ländern, die so schnell gewachsen sind, gibt es einige Menschen, die schnell sehr reich geworden sind. Diese Wenigen haben ihr Glück auf den Schultern ganz vieler gemacht, die jetzt vielleicht so langsam in die Mittelklasse aufsteigen. Und wenn man einmal reich ist, wird man immer reicher. Als ich nach China gegangen bin, fand ich die Wohnungen schon überteuert, aber in diesen sechs Jahren hat sich der Wert mindestens verdoppelt, vielerorts sogar verdreifacht.

Chinesisch lernen - Tipps von e-fellow Denise

Wie hat deine Begeisterung für China begonnen?

Ich habe in der 12. Klasse angefangen, Chinesisch zu lernen. Nach und nach hat mich die Kultur immer mehr in ihren Bann gezogen, und nach dem Abi war ich für zwei Wochen in Shanghai für einen Sprachkurs. Danach wusste ich, dass ich unbedingt länger hier leben möchte und habe mich in meinem ersten Semester für das China-Programm der Krupp-Stiftung beworben. Von 2006 bis 2007 habe ich damit dann in Nanjing Chinesisch studiert. Danach bin ich zurück nach Deutschland, habe da meinen Bachelor fertiggemacht. Während meines Masters war ich für zwei Monate in Peking für ein Praktikum.

Und was machst du derzeit in China?

Jetzt, vor meiner Doktorarbeit, wollte ich mein Chinesisch noch mal endgültig auf Vordermann bringen und bin jetzt hier mit dem Stipendium für ostasiatische Sprachen des DAAD – Tipps, wie man das bekommt, gebe ich in meinem Blog.

Woher diese Begeisterung für die chinesische Sprache?

Mich fasziniert, was man mit dieser Sprache alles anstellen kann – Chinesen sind unglaublich offen, wenn sie merken, dass man gut mit ihnen kommunizieren kann. Die Sprache ist sehr vielschichtig, von den Tang-Gedichten bis hin zu zu sehr ausdrucksstarken Vergleichen aus der Alltagssprache. Chinesisch reden macht mich glücklich.

Hast du Tipps, wie man so gut Chinesisch lernt?

Man muss auf jeden Fall viel Zeit im Land verbringen. Pausen sind im Chinesischen schlimmer als in jeder anderen Sprache. Außerdem sollte man von der Idee: "Eine Sprache muss man verstehen" wegkommen und sich stattdessen damit abfinden, dass die Chinesen nicht umsonst so viel auswendig lernen. Das gilt anfangs fürs Zeichen-Pauken und später für vorgefertigte Konstruktionen. Seit Neuestem habe ich außerdem entdeckt, dass das Auswendiglernen von Gedichten wirklich sehr gut für die Aussprache ist.

Willst du auch beruflich mit China zu tun haben?

Ich hoffe, dass meine Arbeit später auch mit China zu tun haben wird. Ich möchte Patentanwältin werden und momentan entwickelt sich das Patentwesen hier so gut, dass ich glaube, dass Chinesisch Japanisch als für Patentanwälte wichtige Sprache bald ablösen wird. Aber als Patentanwalt braucht man natürlich ein sehr hohes Niveau, und deswegen habe ich mir eben dieses zweite Jahr gegeben, um mich voll auf die Sprache konzentrieren zu können. Chinesisch lernt man nicht so nebenbei im Labor.

China ist unglaublich im Trend, gerade unter Akademikern scheint es fast schon zum guten Ton zu gehören, eine Zeit in China zu verbringen – wie siehst du das?

Natürlich ist es einerseits gut, dass China mehr in den Fokus rückt und sich immer Europäer hierher wagen. Andererseits muss man aber sagen, dass niemand China kennenlernt, nur weil er mal für zwei Monate bei der Niederlassung einer deutschen Firma in Shanghai ein Praktikum gemacht hat. Das echte China besteht aus mehr als aus der Suppenküche um die Ecke und einem "Ni Hao!" zum Taxifahrer.

Du bist aber streng.

Sorry, China lernt man wirklich nur kennen, wenn man Chinesisch kann. Das gilt auch dann, wenn die Kollegen angeblich super Englisch reden. Wenn man auf Chinesisch kommunizieren kann, wird man einfach anders wahrgenommen – und dann stellt man im Übrigen auch fest, dass Chinesen keineswegs verschlossen sind, sondern auch sehr offen über die Probleme ihres Landes sprechen.

Welches Gefühl verbindest du mit China?

Ich liebe es. Nach China kommen ist für mich ein bisschen wie nach Hause kommen. Klar vermisse ich manchmal deutsches Essen oder einen Busfahrplan, aber all die kleinen Begebenheiten des Alltags, der Plausch mit dem Obstverkäufer oder die Herzlichkeit meiner chinesischen Freunde, wiegen das alles mehr als auf.

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