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Moderner Studienstandort in Skandinavien

Altstadt in Stockholm Schweden [Quelle: unsplash.com, Jon Flobrant]

Quelle: unsplash.com, Jon Flobrant

Top ausgestattete Unis und keine Studiengebühren – das sind nur ein paar Vorteile, die dich erwarten, wenn du in Schweden studieren willst. Wie das schwedische Studiensystem funktioniert, welche Abschlüsse du erwerben kannst und welche Voraussetzungen du erfüllen musst, liest du hier.

Warum im hohen Norden studieren?

Schwedens Unis haben zwar nicht den Ruf von Harvard oder Cambridge. Trotzdem lohnt sich ein Studienaufenthalt auf jeden Fall: Weil Schweden ein sehr reformfreudiges Land ist, gehört das Hochschulsystem heute zu den modernsten Europas, denn im Sozialstaat Schweden hat die Bildung einen hohen Stellenwert: Die Universitäten sind gerade im technischen Bereich weit besser ausgestattet als deutsche Hochschulen. Das macht sich vor allem in den Naturwissenschaften bemerkbar, wo Computeranimationen oft Versuche ersetzen. Auch Studiengebühren gibt es in Schweden nicht. Bei einem Erasmus-Aufenthalt beispielsweise müssen lediglich die anfallenden Gebühren an der heimischen Universität oder Hochschule gezahlt werden (z.B. Studentenbeitrag an das Studierendenwerk).

Schwedische Hochschullandschaft

In Schweden gibt es etwa 50 Hochschulen und Universitäten, die über das ganze Land verteilt sind. Fast alle sind staatlich. Es gibt zwei Hochschultypen:

  • Universitet (Universität)
  • Högskola (Hochschule)

Anfang der 1990er Jahre hat Schweden sein Hochschul-System dezentralisiert. Seitdem gibt die Regierung zwar Qualitätsstandards und ein einheitliches System von Credit Points vor, die Studieninhalte können die einzelnen Unis und Hochschulen aber selber zusammenstellen.

In Schweden wird zwischen Universitäten und Hochschulen unterschieden. Wie auch in Deutschland kann man (bis auf wenige Ausnahmen) lediglich an den Universitäten promovieren. Die sechs ältesten sind: Göteborg, Stockholm, Lund, Linköping und Umea sowie die 1477 gegründete Uppsala Universitet. In den letzten Jahren kamen neue Universitäten in den Städten Luleå, Örebro und Karlstad hinzu. Die Linné-Universitetet mit den Standorten Växjö und Kalmar ist seit 2010 Bestandteil der Småland-Region. Einen besonderen Status haben drei Unis, die sich auf einzelne Fächer spezialisiert haben: das Karolinska Institut für Medizin, das Königliche Institut der Technik in Stockholm und die schwedische Universität für Landwirtschaft in Alnarp, Flyinge, Skara, Strömsholm, Skinnskattenberg, Uppsala, Wangen und Umeå.

Generell bieten die Universitäten ein breiteres Fächerspektrum als die Hochschulen. Die fachspezifischen Universitäten bilden hier natürlich eine Ausnahme. An den Universitäten hat darüber hinaus die Forschung großes Gewicht. Die Studenten haben zudem die Wahl, ob sie sich ihr Studium frei aus einzelnen Kursen zusammenstellen oder ein fest vorgegebenes Programm absolvieren.

Im Vergleich zu den Unis ist das Angebot an Studiengängen bei Hochschulen meist eingeschränkter. Generell sind die Hochschulen eher praxisorientiert und ähneln den deutschen Hochschulen (University of Applied Sciences). Sehr vorteilhaft sind dabei die traditionell oft engen Verbindungen der schwedischen Hochschulen zur Wirtschaft.

Rankings

Schwedische Universitäten genießen weltweit einen hervorragenden Ruf. In den QS World University Rankings 2019 befinden sich insgesamt zehn schwedische Universitäten unter den Top 400 der Welt, darunter: Lund University, KTH (Königliches Institut für Technik), Uppsala University, die Chalmers University of Technology (Göteborg) und Stockholm University (Stand 2018).

Studienaufbau in Schweden

Das schwedische Studienjahr teilt sich in zwei Hälften auf, nämlich das Hösttermin (Herbstsemester) von Ende August bis Mitte Januar und das Vårtermin (Frühlingssemester). Es schließt nahtlos an das Herbstsemester an und dauert bis Anfang Juni. In einigen Unis gibt es in den Semesterferien Sommerkurse, die meist im August beginnen. Über Weihnachten und Neujahr haben schwedische Studierende zwei Wochen Ferien. Auch über Ostern und an anderen Feiertagen machen sie Urlaub. In einigen Studiengängen, wie zum Beispiel an den technischen Hochschulen, belegen die Studenten mehrere Kurse parallel. Es kommt aber ebenso vor, dass die Kurse nacheinander gegeben werden. So besucht ein schwedischer Student zum Beispiel ein fünfwöchiges Seminar und geht in dieser Zeit in keine andere Veranstaltung – erst wenn das Seminar abgeschlossen ist, beginnt der nächste Kurs.

Das Credit Point-System

In Schweden werden die Studienleistungen mit einem Punktsystem erfasst, das kürzlich umgestellt wurde und nun ECTS entspricht. Die Kurse haben je nach Dauer einen bestimmten Punktwert. Eine Woche Vollzeitstudium entspricht 1,5 Punkten. Ein Vollzeitstudent sollte am Ende des Semesters 30 Punkte gesammelt haben. Die einzelnen Veranstaltungen bauen i.d.R. aufeinander auf. Es gibt vier verschiedene Level: Grundkurse, erweiterte Kurse, Fortgeschrittenen- und Fachkurse. Man muss jeweils den vorherigen Kurs abschließen, um den nächsten beginnen zu können. Um den Schein zu erhalten, müssen die Studierenden alle Anforderungen des Kurses bestanden haben. Das sind meist Klausuren (tentamen), aber auch Referate oder Hausarbeiten. Fällt ein Student bei einer Prüfung durch, kann er sie wiederholen. Dies kann mitunter in wenigen Wochen nach dem eigentlichen Prüfungstermin geschehen. Je höher das Niveau eines Kurses, desto mehr Wert legen die Dozenten auf selbstständiges Arbeiten. Ihre Hausarbeiten müssen die Studierenden im Seminar häufig präsentieren und diskutieren.

Das Notensystem in Schweden

Neben den Punkten, die eigentlich nur die Teilnahme bestimmten Kursen dokumentieren, gibt es Noten. Alle Prüfungen am Ende eines Kurses werden in Schweden benotet, allerdings nicht so differenziert wie in Deutschland. Manchmal gibt es nur die Unterscheidung zwischen "bestanden" und "nicht bestanden". An Universitäten wird meist eine dreistufige Skala benutzt:

  • väl godkänt – gut bestanden
  • godkänt – bestanden
  • underkänt – nicht bestanden

Die Juristische Fakultät benutzen meist 4 Notenstufen:

  • AB – "pass with high distinction"
  • Ba – "pass with distinction"
  • B – bestanden
  • underkänd – nicht bestanden

In naturwissenschaftlich-technischen Studiengängen wird folgendes System verwendet:

  • 5 – sehr gut bestanden
  • 4 – gut bestanden
  • 3 – bestanden

Auch gibt es das Notensystem von A-E, wobei A gleichbedeutend mit einer 1 in Deutschland ist. Beim Absolvieren eines Erasmus-Aufenthalts werden diese Benotungen dementsprechend an das deutsche Notensystem der jeweiligen Hochschule anhand von Tabellen angepasst. Schließlich muss es zu einer Anrechnung der Noten kommen. In der Regel wird die Bewertung in Deutschland dann aufgewertet, da der Standard an den schwedischen Hochschulen zum Teil höher liegt als bei uns.

Durch das System der aufeinander folgenden Kurse finden ständig Prüfungen statt. Ein großer Unterschied zu Deutschland ist auch das Fehlen einer Zwischenprüfung oder eines Vordiploms. Selbst am Ende eines Studiengangs steht in Schweden keine abschließende Prüfung. Es ist aber üblich, sein Studium mit einer Examens- oder Projektarbeit zu beenden.

In einigen Studiengängen, wie zum Beispiel bei Sprachkursen, gibt es täglich Veranstaltungen. Abgesehen davon müssen die Studenten sich disziplinieren und viel alleine arbeiten. Im Fach Jura gibt es oft nur zwei Unterrichtseinheiten pro Woche. Die restliche Zeit sollen die angehenden Juristen über ihren Büchern in der Bibliothek verbringen oder in Kleingruppen arbeiten. Auch das Probieren in bzw. an der Praxis liegt den Schweden sehr. So kann es beispielsweise sein, dass Studierende Aufgaben innerhalb von Feldstudien oder Experimenten gestellt bekommen, die dann einige Tage später in der Vorlesung präsentiert und diskutiert werden sollen. Dies bringt zusätzliche Erfahrungen in der Praxis und zeigt, wie sich das Verhältnis zwischen der Theorie und der Praxis in der Realität verhalten kann.

Unterrichtsformen

Wie in Deutschland gibt es in Schweden verschiedene Veranstaltungstypen:

Die Vorlesung: Die Vorlesung, auf Schwedisch föreläsning, ist auch an schwedischen Unis die klassische Veranstaltungsform. Hier hält der Professor Vorträge über ein bestimmtes Themengebiet. Die Studierenden beschränken sich auf das Mitschreiben.

Die Lektion: An Lektionen nehmen nur 20 bis 30 Studierende teil. Anhand von vorbereiteter Literatur wird mit dem Lehrer diskutiert. Je nach Fachrichtung kann die wöchentliche Stundenzahl stark variieren: In geisteswissenschaftlichen Fächern nehmen die Lektionen nur 10 bis 15 Stunden die Woche ein. Die Studierenden haben so Zeit, sich ihre Arbeit selbst einzuteilen. In den Ingenieurwissenschaften gibt es Übungsstunden die im Stundenplan festgelegt, aber nicht obligatorisch sind. Dort können die Studenten Hilfe mit dem Lösen ihrer Aufgaben in dem jeweiligen Kurs bekommen. Je nach Studienjahr entsprechen sie zwischen 20 und 30 Stunden in der Woche.

Das Seminar: In Schweden gibt es wie in Deutschland Seminare. Sie leben von der aktiven Mitarbeit der Studenten; oft werden auch Referate verlangt. Der Lesestoff für Seminare und genauso für die Lektionen ist in der Regel sehr umfangreich. Häufig teilen die Dozenten aber zumindest kostenlose Kopien aus.

Gruppenarbeit: Gruppenarbeit ist in Schweden sehr beliebt. Ziel ist es, die Teamfähigkeit der Studierenden zu schulen, indem sie die zugeteilten Aufgaben gemeinsam lösen.

Das Laborpraktikum: Bei den Naturwissenschaften und Technikstudiengängen sind Laborpraktika (laborationer) ein wichtiger Teil des Studiums. In einer Gruppe oder allein führen die Studierenden Experimente durch und präsentieren die Ergebnisse mündlich und schriftlich. Nicht zu unterschätzen sind die Kosten für Unterrichtsmaterialen bzw. Bücher für die einzelnen Veranstaltungsarten. Im Durchschnitt gibt ein schwedischer Student pro Monat etwa 90€ für notwendige Literatur oder ähnliches aus. Tipp: Meist gibt es an den Hochschulen einen Bücherbasar oder eine Facebook-Gruppe, in denen Bücher der vorherigen Semester angeboten werden. Hier kann man wirklich Geld sparen!

Studienplatz

Das deutsche Abitur wird in Schweden problemlos anerkannt. Für manche Studiengänge verlangen die Unis jedoch gute Schulnoten in den für das Studium relevanten Fächern. Möchtest du zum Beispiel Physik studieren, so solltest du dieses Fach auch in der Oberstufe belegt haben. Schwedische Schüler haben die Möglichkeit nach dem Abitur noch eine spezielle Hochschulprüfung abzulegen, um ihre Chancen zu verbessern den gewünschten Studienplatz zu bekommen. Sie ähnelt dem ehemaligen Medizinertest in Deutschland. Ausländische Studenten müssen sie jedoch nicht machen. Für die Bewerbung um einen Studienplatz muss man die nötigen Dokumente oft in einer englischen – und beglaubigten – Übersetzung vorlegen.

Zulassungsbeschränkungen

Ist ein Studiengang überlaufen, werden die Studienplätze nur noch begrenzt vergeben. Die Vergabe richtet sich nach einem bestimmten Schlüssel. Ein Teil der Studienplätze wird an Bewerber mit den besten Schulabschlüssen vergeben, ein Teil an Bewerber mit den besten Hochschulprüfungen und ein Teil an die Bewerber mit Berufserfahrung.

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