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Studium mit Zusammengehörigkeitsgefühl

Krakau in Polen [Quelle: unsplash.com, Jacek Dylag]

Quelle: unsplash.com, Jacek Dylag

Polen steht auf der Liste der Wunschziele für ein Auslandsstudium bei den meisten zwar nicht ganz oben, hat aber dennoch einiges zu bieten. Vor allem das Studentenleben ist geprägt vom engen Kontakt der Studierenden. Weitere Infos zum Studium in Polen findest du hier.

Seit Einführung des SOCRATES/ERASMUS-Programms zwischen Deutschland und Polen ist Deutschland das beliebteste Studienland für polnische Studierende. Umgekehrt trifft dies leider noch nicht zu. An der ERASMUS-Statistik zeigt sich deutlich das Ungleichgewicht in den deutsch-polnischen Hochschulbeziehungen: Im Jahr 2003/2004 kamen 1.870 von insgesamt 6.276 ausreisenden polnischen Studierenden an eine deutsche Hochschule (fast 30 Prozent). Dagegen fanden nur 395 der 20.688 ins Ausland gehenden deutschen Studierenden den Weg nach Polen (knapp 2 Prozent). Dabei kann sich ein Studium in Polen durchaus lohnen.

Ein junges EU-Mitglied

Mit den ersten wirklich freien Wahlen am 27. Oktober 1991 vollzog sich der endgültige Übergang Polens zur Demokratie. Die stalinistische Verfassung von 1952, bereits 1989 in wesentlichen Teilen verändert, wurde durch eine neue Verfassung abgelöst, die am 17. Oktober 1997 in Kraft trat. Die Republik Polen ist heute eine parlamentarische Präsidialdemokratie. Das Land hat etwa 38,5 Millionen Einwohner. In der Hauptstadt Warschau leben etwa 2,4 Millionen Menschen. Seit dem 1. Mai 2004 ist Polen Mitglied der Europäischen Union. Zuvor war Polen bereits der NATO beigetreten.

Wirtschaftliche und politische Dynamik

Schon während des sozialistischen Systems und der Abhängigkeit von der Sowjetunion hatte der überwiegende Teil der polnischen Gesellschaft von der "Rückkehr nach Europa" geträumt. Im Rahmen eines Referendums stimmten im Juni 2003 fast 78 Prozent der Wähler für den EU-Beitritt – bei einer für polnische Verhältnisse sensationell hohen Beteiligungsquote von 59 Prozent. Skeptisch bis ablehnend stand dem EU-Beitritt ein großer Teil der Landwirte gegenüber, die sich bei dem erwarteten grundlegenden Strukturwandel auf der Verliererseite sahen. Mittlerweile jedoch überwiegt eine positive Haltung gegenüber der EU. Den Beitritt lehnen nach wie vor die national-konservativen Kreise ab, die eine kulturelle und gesellschaftliche Entfremdung sowie eine unkontrollierte wirtschaftliche Dominanz, vor allem Deutschlands, befürchten.

Die deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen haben sich in den vergangenen Jahren intensiviert. Polen ist wirtschaftlich sehr dynamisch. In politischer Hinsicht gibt es bisweilen noch Probleme. Das liegt oft an den mit dem zweiten Weltkrieg Krieg verbundenen Leiden der Bevölkerung.

Hochschullandschaft in Polen

Seit der politischen Wende 1989 haben sich die Hochschulen in Polen rasant entwickelt. So gibt es heute knapp 1,9 Millionen Studierende, die an 377 Hochschulen eingeschrieben sind. Im akademischen Jahr 1989/1990 zählte man lediglich 378.000 Studierende an 112 Hochschulen. Polen hat auf dem Gebiet des Hochschulwesens die historisch bedingten Rückstände im Vergleich zu Westeuropa weitgehend aufgeholt.

Überwachte Qualitätsstandards

Die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der akademischen Lehrer konnte mit diesem Wachstum der Studierendenzahlen bislang nicht Schritt halten: Während 1990/1991 auf einen Professor im Schnitt noch 36 Studierende kamen, waren es 2001/2002 bereits 92. Vor allem die immer zahlreicher werdenden privaten Hochschulen verfügen häufig nicht über eigene Hochschullehrer. Stattdessen bieten sie Professoren staatlicher Institutionen an, bei ihnen auf einer zweiten oder sogar dritten Stelle zu arbeiten. Diese weit verbreitete "Tätigkeit auf vielen Stellen" und der daraus resultierende Qualitätsverfall in Lehre und Forschung an polnischen Hochschulen werden zunehmend als Problem wahrgenommen.

Die 1998 von der Konferenz der Universitätsrektoren gegründete "Universitäts-Akkreditierungskommission" (UKA) hat mittlerweile Standards für zahlreiche Studiengänge entwickelt und erteilt darauf basierend Akkreditierungen. 2002 hat zusätzlich die "Staatliche Akkreditierungskommission" ihre Tätigkeit aufgenommen, die über umfangreichere Rechte als die UKA verfügt und alle polnischen Hochschulen sehr genau überprüft. Weisen Studiengänge schwere Mängel auf, so werden sie unter Umständen ganz eingestellt. Zertifikate dieser Kommissionen stellen damit eine Auszeichnung für höchste Qualität in der Ausbildung dar und bieten ein hohes Maß an Sicherheit bei der Studien- und Universitätswahl.

Beliebte Studienfächer

Besonders beliebte Studiengänge in Polen sind die Fächer Wirtschaftswissenschaften, Informatik, Pädagogik, Politologie, Jura, Psychologie und Soziologie. Das Interesse an wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen und Rechtswissenschaften ist rückläufig, da es für diese beiden in den letzten Jahren sehr beliebten Fachrichtungen auf dem Arbeitsmarkt inzwischen deutliche Sättigungsanzeichen gibt. Besorgnis erregend gering ist das aktuelle Interesse an Natur- und Ingenieurswissenschaften. Seit den neunziger Jahren ist der Anteil ausländischer Studierender an polnischen Hochschulen stetig gestiegen. Die meisten kommen aus der Ukraine, gefolgt von Weißrussland und Litauen.

Studium im Klassenverband

Polen bietet in vielen Fachbereichen ein hohes wissenschaftliches Niveau und eine Reihe sehr guter Studien- und Forschungsmöglichkeiten. Zahlreiche Hochschulen haben ihre Lehrpläne aktualisiert. Die Einführung des europäischen Leistungspunktesystems ECTS ermöglicht je nach Heimatuniversität eine unkomplizierte Anrechnung der Studienleistungen. Häufig ist das Betreuungsverhältnis an polnischen Hochschulen besser als an deutschen Massenuniversitäten. Üblicherweise findet das Studium im "Klassenverband" statt – es ist dementsprechend häufig durch einen starken sozialen Zusammenhalt geprägt. In den letzten Jahren haben sich zahlreiche Kooperationen zwischen deutschen und polnischen Hochschulen entwickelt.

Zunehmendes Gewicht im Wirtschaftsleben

Darüber hinaus gibt es viele Polen, die einen Studien- oder Forschungsaufenthalt in Deutschland absolviert haben und heute in der polnischen Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung oder Politik tätig sind. So kann man leicht Ansprechpartner finden, die bei der Vorbereitung des Aufenthaltes und auch währenddessen behilflich sein können. Gerade nach dem EU-Beitritt verfügt Polen über ein rasch zunehmendes Gewicht im internationalen Wirtschaftsleben. Ein Studienaufenthalt dort kann, gemeinsam mit zusätzlich erworbenen Fach-, Sprach- und Landeskundekenntnissen, ein wichtiger Vorteil auf dem Arbeitsmarkt sein. Denn auch deutsche Unternehmen suchen zunehmend Fachkräfte mit entsprechenden Qualifikationen. Und letztlich bietet Polen nicht nur Studien-, sondern auch Lebenserfahrungen jenseits der bekannten und oftmals ausgetretenen Pfade: Sein geschichtlicher und kultureller Reichtum, die teilweise noch völlig unberührten Naturlandschaften, die Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit der Menschen sowie die offensichtlichen Umbrüche in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik – all dies lohnt es zu entdecken. 

Universitäten und Ranking

Seit einigen Jahren werden jeweils im Frühjahr in verschiedenen polnischen Zeitschriften Ranking-Listen veröffentlicht. Die meisten dieser Rankings sollten kritisch betrachtet werden, erfährt man hier doch meist, was in Polen ohnehin bereits bekannt ist: Dass entweder die Universität Warschau oder die Jagiellonische Universität in Krakau die "beste polnische Universität" ist, und dass unmittelbar dahinter die Universitäten in Posen und Breslau, die Warschauer Wirtschaftsuniversität (SGH) sowie die Technischen Hochschulen der entsprechenden Städte platziert sind. Die einzige methodologisch einwandfrei erarbeitete und damit einigermaßen brauchbare Rangliste wird nach weit verbreiteter Meinung vom Wochenmagazin "Polityka" publiziert: Hier werden Interessenten darüber informiert, welche Studienbedingungen sie für sieben der populärsten Studiengänge – Wirtschaftswissenschaften, Informatik, Pädagogik, Politologie, Jura, Psychologie und Soziologie – an den einzelnen Hochschulen vorfinden. Kriterien für die Rankings sind: Anzahl der angebotenen Spezialisierungsmöglichkeiten, Anzahl der wissenschaftlichen Angestellten, Renommee des Studiengangs und der Hochschule, Ausmaß des internationalen Austauschs sowie Größe der Fachbibliothek. Allerdings liegen diese Informationen leider nur in polnischer Sprache vor. 

Organisation

Neben den 125 staatlichen und staatlich finanzierten Hochschulen bieten 225 private Hochschulen verschiedene Studiengänge an. Zu den staatlichen und staatlich finanzierten Hochschulen zählen 17 Universitäten, 18 Technische Universitäten und fünf Wirtschaftshochschulen. Daneben gibt es noch mehrere Akademien und Hochschulen, die sich auf Themen wie Landwirtschaft, Medizin, Kunst, Pädagogik, Seefahrt oder Theologie spezialisiert haben.

Teilzeitstudium für die Mehrheit

Die verschiedenen Hochschulen werden von verschiedenen Ministerien betreut, so ist zum Beispiel das Gesundheitsministerium für Studiengänge wie Medizin zuständig, während technische und wirtschaftswissenschaftliche Bereiche dem Ministerium für Nationale Bildung und Sport unterstehen. Nur 46 Prozent aller polnischen Studierenden absolvierten im akademischen Jahr 2003/2004 ein "normales" Voll- oder Präsenzstudium, die restlichen 54 Prozent studierten Teilzeit im Rahmen eines Abend- oder Wochenstudiums, das sich gut mit einer Berufstätigkeit verbinden lässt.

Viel abfragbares Wissen, weniger Eigenverantwortung

Schon während der Zeit des Sozialismus gab es in Polen Hochschulen, die sich in privater Trägerschaft befanden. Weitere private Einrichtungen etablierten sich nach der Wende vor allem im Bereich der Wirtschaftswissenschaften. Insgesamt ist das Studium in Polen straff organisiert und weist verschulte Strukturen auf: Neben Anwesenheitslisten in den Lehrveranstaltungen gehören dazu über das Semester verteilt zahlreiche Tests. Das gesamte Bildungssystem läuft darauf hinaus, möglichst viel abfragbares Wissen zu vermitteln. Schüler und Studenten lernen kaum, selbstständig zu arbeiten. Das Fachstudium ist allerdings wesentlich breiter gefächert als an deutschen Universitäten. Wer zum Beispiel Wirtschaftswissenschaften oder Jura studiert, muss Pflichtveranstaltungen in Philosophie und Geschichte belegen.

Fremdsprachen und körperliche Ertüchtigung

Fremdsprachen spielen eine große Rolle: In vielen Studiengängen sind zusätzliche Fremdsprachenkurse Pflicht, zumeist wird Englisch gewählt. Da Deutschland Polens wichtigster Handelspartner ist, steht auch Deutsch hoch im Kurs. Die Beliebtheit der russischen Sprache wächst, obwohl sie in sozialistischen Zeiten die verhasste Pflichtsprache war. Pflicht für alle ist Polnisch, auch der angehende Arzt beschäftigt sich während seines Studiums mit Klassikern der polnischen Literatur. Überbleibsel der Idee der kollektiven Körperkultur im Sozialismus ist die obligatorische Teilnahme an Sportkursen – immerhin ist die Auswahl der Sportart frei. Die Anforderungen an polnischen Hochschulen sind im Allgemeinen sehr viel höher als in den meisten anderen EU-Ländern.  

Studium in Polen

Die Studiendauer in Polen variiert je nach Studiengang zwischen vier und sechs Jahren. Wobei die meisten Studiengänge nach fünf Jahren abgeschlossen werden. Der akademische Grad "Magister" wird nach fünf bis sechs Jahren Studium nach erfolgreicher Verteidigung der Magisterarbeit als gängigster Abschluss vergeben. Das Medizinstudium, das auf eine Dauer von sechs Jahren angelegt ist, wird mit dem Erwerb des Grads lekarz abgeschlossen.

Das akademische Jahr in Polen

Das akademische Jahr besteht aus zwei Semestern, die beide jeweils 15 Studienwochen beinhalten. Jede Studienwoche umfasst etwa 30 Unterrichtsstunden. Das Wintersemester beginnt zum 1. Oktober (teilweise bereits eine Woche früher, zum Beispiel an der Wirtschaftsuniversität Warschau) und endet mit einer Prüfungsperiode bis Mitte Februar. Das Sommersemester beginnt Mitte Februar/Anfang März und endet mit Prüfungsterminen im Juni. In der Regel sollte das Studium zu Beginn des Wintersemesters aufgenommen werden, da die Studieninhalte des Sommersemesters häufig auf dem Lehrstoff des Wintersemesters aufbauen. Die Organisation des akademischen Jahres liegt in der Hand der jeweiligen Hochschule.

Postgraduate Studies

Im Postgraduierten-Bereich können die akademischen Titel Dr. (Promotion) und Dr. habil. (Habilitation) nach erfolgreichem Bestehen von Prüfungen und Vorlage von wissenschaftlichen Arbeiten vergeben werden. Das Doktoratsstudium kann bis zu vier Jahre dauern. Außerdem werden weitere Postdiplomstudiengänge mit einer Dauer von ein bis zwei Jahren angeboten.

Bachelor und Master in Polen

Ähnlich wie in Deutschland werden auch in Polen immer mehr der bisher fünfjährigen Magisterstudiengänge in dreijährige Lizenziatstudiengänge (ähnlich dem Bachelor) und darauf aufbauenden zweijährige Magisterstudiengängen umorganisiert. Auch nach dem dreieinhalb-/vierjährigen Ingenieursstudium kann man ein zwei- bis dreijähriges Ergänzungsstudium anhängen, das mit dem Magister abgeschlossen wird.

Anerkennung von Studienleistungen

Über die Anrechnung von Studienleistungen, die bereits an deutschen Hochschulen erbracht wurden, wird nach Maßgabe des "Abkommens zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Republik Polen über die Anerkennung von Gleichwertigkeiten im Hochschulbereich" entschieden. Danach werden Studienzeiten und -leistungen sowie Prüfungen, die an einer deutschen Hochschule in einem Studiengang erbracht worden sind, dessen Abschluss unmittelbar die Zulassung zum Promotionsverfahren ermöglicht, für einen entsprechenden Studiengang an polnischen Hochschulen anerkannt.

Studien- und Prüfungsleistungen, die an deutschen Fachhochschulen oder den entsprechenden Studiengängen an deutschen Universitäten/Gesamthochschulen erbracht worden sind, werden für den universitären Studiengang an polnischen Hochschulen entsprechend den Anerkennungsregelungen in der Bundesrepublik Deutschland auf Antrag angerechnet oder anerkannt. Die Anrechnung von in Polen erbrachten Studien- und Prüfungsleistungen erfolgt ebenfalls auf der Grundlage dieses Abkommens. Zuständig für die Anrechnung und Anerkennung von an polnischen Hochschulen erbrachten Studienzeiten und Prüfungsleistungen ist letztlich die deutsche Hochschule, an der das Studium fortgesetzt werden soll. Dies gilt auch für die Anrechnung von Prüfungsleistungen im Hinblick auf eine Promotion. Über die Anrechnung von Studien- und Prüfungsleistungen in Studiengängen, die in Deutschland mit einer Staatsprüfung abschließen, wird nach Maßgabe der geltenden Prüfungsordnungen und der zuständigen Ministerien entschieden.

Das "European Credit Transfer System" (ECTS) wird bereits an über zwei Dritteln der staatlichen und rund einem Drittel der privaten polnischen Hochschulen in vielen Studiengängen angewendet und erleichtert die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen. Ein neues Hochschulgesetz von 2004 sieht unter anderem eine Weiterführung der Umorganisation von Magister- in Bachelor- und Masterstudiengänge sowie die umfassende Einführung des ECTS verpflichtend vor. Polen gehört zu den Mitunterzeichnern der Bologna-Erklärung von 1999.

Bewerbung und Zulassung in Polen

Die Bewerbung um einen Studienplatz läuft immer über die polnische Botschaft. Deutsche Bewerber können davon ausgehen, dass die allgemeine Hochschulreife den Zugang zu polnischen Hochschulen eröffnet. Die fachgebundene Hochschulreife ermöglicht in der Regel das Studium der gleichen Fächer wie in Deutschland, wobei in diesem Fall die Frage der Zulassung individuell mit der polnischen Botschaft oder den polnischen Konsulaten geklärt werden muss. Die Anerkennung der (Fach-)Hochschulreife kann mit Auflagen, zum Beispiel Aufnahmeprüfungen, verbunden sein.

Nachweis der Studienleistungen

Soll ein bereits in Deutschland begonnenes Studium in Polen fortgesetzt werden, muss ein Nachweis aller Studien- und Prüfungsleistungen an deutschen Hochschulen erbracht werden. In diesem Fall sollte man sich möglichst frühzeitig bei der polnischen Botschaft über die entsprechende Anerkennung der bisherigen Studienzeiten und -leistungen informieren. Bei speziellen Fachrichtungen wie Kunst muss die Eignung durch eigene Arbeiten nachgewiesen werden.

Auswahl durch Tests

In Polen besteht keine Numerus-Clausus-Regelung und keine Zentrale zur Vergabe von Studienplätzen. Der Zugang zu den Hochschulen wird in der Regel mittels strenger Aufnahmeprüfungen geregelt, mit denen sich jede Fakultät ihre Studenten selbst aussucht. Kommen auf einen Studienplatz mehrere Bewerber, werden Studienplätze an anderen Hochschulen angeboten. Ausländischen Studierenden passiert das eher selten. In so einem Fall wird dem Bewerber vom Ministerium für Nationale Bildung eine andere Hochschule vorgeschlagen, an der er das gewünschte Fach studieren kann. Die polnischen Studienbewerber, die die Aufnahmeprüfung zwar bestanden, aber wegen der hohen Bewerberzahl dennoch keinen gebührenfreien Vollstudienplatz bekommen haben, können alternativ das von ihnen gewünschte Fach in der Form eines gebührenpflichtigen Teilstudiums betreiben oder auch eine private Hochschule besuchen, an der man meist ohne Aufnahmeprüfung zugelassen wird.

Bewerbungsfrist für das Studium in Polen

Bewerbungen ausländischer Studierender müssen über die polnische Botschaft erfolgen. Für Studierende endet die Bewerbungsfrist am 1. Juni, für Graduierte am 31. Januar eines Jahres. Informationen zu Zulassungsvoraussetzungen erhält man beim Nationalen Ministerium für Bildung und Sport.

Studiengebühren und Stipendien für das Studium in Polen

Kostenlos ist das Studium in Polen für die etwa 700.000 Studierenden eines Vollstudiums an einer staatlichen Hochschule. Offiziell sind mit dem Beitritt Polens zur EU auch EU-Bürger von Gebühren befreit. Die Universität Warschau verlangt dennoch Studiengebühren zwischen 2.000 und 5.000 Euro pro Studienjahr. Studierende, die nicht mit Austauschprogrammen nach Polen kommen bezahlen um die 1.000 Euro. Wobei sich die Gebühren für das Studium an einer privaten Hochschule nicht wesentlich von denen an einer staatlichen unterscheiden. Ausländische Studierende müssen eine einmalige Einschreibungsgebühr in Höhe von etwa 170 Euro bezahlen. Darüber hinaus sind Studiengebühren zu entrichten, die je nach Fachrichtung und Studienstufe stark variieren.

Große Spannbreite der Gebühren

Zurzeit reicht die Spanne von 2.500 Euro (Geistes, Sozial-, Wirtschaftswissenschaften) bis 10.000 Euro (Film- und Fernsehwissenschaften, Filmregie) pro Studienjahr. Die Gebühr für Doktoratsstudien, weiterführende Studien und Fachkurse beträgt je nach Fachrichtung zwischen 4.200 und 5.800 Euro. Genauere Informationen sind über die polnische Botschaft und die konsularischen Vertretungen zu erfahren. Um die exakte Höhe der zu entrichtenden Studiengebühren zu erfahren, wendet man sich jedoch am besten an die einzelnen Hochschulen. Die Studiengebühren müssen für zwölf Monate im Voraus bezahlt werden. In bestimmten Fällen kann der Rektor der Hochschule einer teilweisen oder gänzlichen Gebührenbefreiung zustimmen.

Diskussion um Studiengebühren

Die ungelöste Frage nach einer ausreichenden Hochschulfinanzierung belastet bereits seit Jahren die polnische Hochschulpolitik. Eng damit verbunden ist auch die Frage nach Studiengebühren: Einerseits beinhaltet die polnische Verfassung die Garantie eines kostenlosen Studiums, andererseits ist der Staat nicht in der Lage, den Hochschulen die Mittel zur Verfügung zu stellen, die erforderlich sind, um der immer größer werdenden Zahl Studierwilliger ein kostenloses Studium tatsächlich ermöglichen zu können. Bisher erlauben es die politischen Mehrheitsverhältnisse nicht, den für dieses Dilemma verantwortlichen Verfassungsartikel zu ändern. Allerdings interpretiert man ihn recht pragmatisch: Die Gebührenfreiheit gilt nur für das Präsenzstudium, während für zusätzliche pädagogische Dienstleistungen wie andere Studienformen (zum Beispiel Abend- oder Wochenendstudium) Gebühren verlangt werden können. Damit hängt die Zahl der von den einzelnen staatlichen Hochschulen angebotenen Plätze für ein "Tagesstudium" nunmehr weitgehend von den finanziellen Mitteln ab, die ihnen aus dem Staatshaushalt zugewiesen werden. Das Angebot an gebührenpflichtigen Studienformen wird von den staatlichen Hochschulen ständig erweitert, so dass heute der Haushalt der meisten nur zur Hälfte aus staatlichen Mittel finanziert wird. Die Gesellschaft ist umgekehrt durchaus bereit, für eine gute Ausbildung zu zahlen – dies schlägt sich auch in der wachsenden Zahl privater Hochschulen nieder. Schon seit mehreren Jahren fordert die Universitätsrektoren-Konferenz die Einführung allgemeiner Studiengebühren, dieser Forderung wurde von Seiten der Politik aber bislang nicht entsprochen.

Stipendien von DAAD und EU

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mit einem Stipendium in Polen zu studieren. Das Stipendienangebot des DAAD für Polen ist im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit Polens mit dem Ausland das umfangreichste. Um das Interesse an Polen, polnischer Kultur und Sprache zu steigern, führt der DAAD seit 1996 Programme in verschiedenen Fachbereichen durch. Diese umfassen Sprachkursstipendien für Anfänger und Semesterstipendien für Studierende verschiedener Fachrichtungen, die eine ergänzende Ausbildung in polnischer Sprache und Landeskunde anstreben. 2005 vergab der DAAD 119 "Go East"-Stipendien an deutsche Studierende und Graduierte für Aufenthalte an polnischen Hochschulen. Polnische Hochschulen sind zudem Teil des EU-Programms SOCRATES, das die Kooperation zwischen europäischen Bildungsinstitutionen auf allen Ebenen und in zahlreichen Bereichen fördert. ERASMUS als Teil dieses Programms zielt darauf ab, die Kooperation von Hochschulen zu fördern und den europäischen Austausch von Studenten zu koordinieren www.eu.daad.de (Programminhalte).

Stipendien des polnischen Staates

Auch das polnische Ministerium für Nationale Bildung und Sport bietet Stipendien an, die auf solche ausländische Studenten beschränkt sind, die auf Basis einer internationalen Vereinbarung oder einer Entscheidung des polnischen Bildungsministers in Polen studieren. Ausländische Studierende können sich um dieses Stipendium bewerben. Die Bewerbung muss bei der polnischen Botschaft oder den polnischen Konsulaten eingereicht werden. Diese leiten sie an das polnische Büro für Akademische Anerkennung und Internationalen Austausch weiter. Die Bewerbungen werden von verschiedenen Institutionen geprüft, die abschließende Entscheidung trifft der polnische Bildungsminister. Stipendien können auch auf Basis von Vereinbarungen zwischen polnischen und ausländischen Hochschulen über den Austausch von Studenten vergeben werden. Dabei bestimmen die einzelnen Hochschulen die jeweiligen Voraussetzungen für den Erhalt des Stipendiums. Manche polnische Hochschulen haben darüber hinaus eigene Stipendienprogramme. Der DAAD informiert über weitere Förderungsmöglichkeiten für Polen.

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