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Kleine Seminare und gute Ausstattung

Alexander-Newski-Kathedrale in Tallinn Estland [Quelle: unsplash.com, Beau Swierstra]

Quelle: unsplash.com, Beau Swierstra

Estland, Lettland oder Litauen – überlegst du im Baltikum zu studieren, kannst du dich im Beitrag über Hochschullandschaft, Studienaufbau und Voraussetzungen informieren.

Überblick Baltikum

Mit 7,7 Millionen Einwohnern insgesamt gehören die drei baltischen Staaten zu den kleineren EU-Mitglieden. Im Sommer 2003 haben Estland, Lettland und Litauen sich nach einem Volksentscheid für den Beitritt zur EU entschlossen, der sie nun seit Mai 2004 angehören. Die drei Länder wurden 1918 als unabhängige Republiken gegründet, aber im Zweiten Weltkrieg sowohl durch die Rote Armee als auch durch die deutsche Wehrmacht besetzt. Von 1944 bis 1990 waren Estland, Lettland und Litauen Teil der Sowjetunion. Erst 1991 konnten sie wieder ihre Unabhängigkeit erlangen.

Die Hoffnung auf Aufschwung

In frisch renovierten Häusern in den baltischen Hauptstädten siedeln sich heute "hippe" Kneipen an, das Nachtleben boomt. Abseits der touristischen Plätze sieht es jedoch meist weniger modern aus. Von der EU erhofft sich das Gros der Bevölkerung, dass sich die finanzielle Situation bessert. Und natürlich, dass durch die neuen Freundschaften ausländische Investitionen ins Land fließen und neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Estland, Litauen und Lettland

Estland, der nördlichste der baltischen Staaten, ist mit seinen 1,4 Millionen Einwohnern auch der kleinste. Lettland, in der Mitte liegend, ist wie Estland seit 1991 unabhängig. Riga gilt als die ungekrönte Hauptstadt der baltischen Länder und ist zudem ein Schmelztigel der Kulturen: Dort mischen sich die bohemehafte Prager Gemütlichkeit und die kühle Eleganz von Paris. Litauen ist das südlichste, größte und mit 3,5 Millionen Einwohnern das am stärksten besiedelte Land im Baltikum. Sein ganzer Stolz ist die Hauptstadt Vilnius.

Studienbedingungen im Baltikum

Wen der hohe Norden reizt, der wird dort mit guten Studienbedingungen belohnt: gute Betreuung, kleine Seminare und gute Ausstattung. Die Studiengebühren liegen zwischen 500 und 3.000 Euro – je nach Hochschule und Land.

Baltische Hochschullandschaft

In Lettland konzentriert sich das Hochschulleben sehr auf die Hauptstadt. Estland und Litauen haben auch in der zweitgrößten Stadt eine bedeutende Hochschule. Im estnischen Tallinn gibt es die große Technische Universität, die trotz ihres Namens auch Wirtschaftswissenschaften anbietet. Daneben gibt es mehrere kleinere, spezialisierte Hochschulen. Die größte estnische Uni liegt in Tartu. In Litauen sind Kaunas und die Hauptstadt Vilnius die zwei klassischen Universitätsstädte.

Private Hochschulen

Die großen, traditionsreichen Universitäten beifnden sich in staatlicher Hand. In den vergangenen Jahren haben aber mehr und mehr private Hochschulen ihre Pforten geöffnet. Diese haben sich meist auf eine Fachrichtung spezialisiert – häufig Wirtschaftswissenschaften – und bieten noch bessere Studienbedingungen: wenige Studenten, gut ausgestattete Bibliotheken und Computerpools. Manche der privaten Hochschulen genießen allerdings einen zweifelhaften Ruf: Studenten berichten davon, dass man sich Studienleistungen erkaufen könne. Bevor man sich an einer der privaten Hochschulen einschreibt, sollte man sich bei einem Professor der Heimatuniversität oder beim DAAD nach deren Ruf erkundigen. Anabin ist das Informationssystem der Kultusministerkonferenz zur Anerkennung ausländischer Studienabschlüsse.

Überwiegend Master- und Bachelorabschlüsse

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion haben die drei baltischen Staaten ihre Hochschulsysteme schnell nach westlichem Muster umstrukturiert. Heute sind sowohl Bachelor- und Masterstudiengänge als auch das European Creditpoint Transfer System (ECTS) an den meisten Hochschulen Standard. Nach Angaben des DAAD ist Estland das einzige Land Osteuropas, in dem schon alle Studiengänge auf Bachelor- und Master umgestellt sind.

Studienaufbau im Baltikum

Die Studiengänge an den baltischen Hochschulen sind meist nach dem angelsächsischen Muster aufgebaut. In der Regel erwirbt man nach drei bis vier Jahren einen Bachelor und nach weiteren ein bis drei Jahren einen Master. Im Anschluss ist eine Promotion möglich. Interessant für Studenten aus Deutschland: Für eine Promotion im Baltikum reicht in der Regel der deutsche Fachhochschulabschluss aus.

Veranstaltungen mit nur 30 Studenten

Das akademische Jahr ist wie hierzulande zweigeteilt. Es beginnt in allen drei Ländern im September und endet im Juni beziehungsweise Juli. Das Herbstsemester dauert von September bis Dezember oder Januar. Das Frühjahrssemester beginnt Ende Januar oder Anfang Februar und dauert bis Juni. Die Prüfungen finden meist im Anschluss an das Semester statt. Im Vergleich zu Deutschland ist das Studium im Baltikum ähnlich wie in der Schule: Oft herrscht Anwesenheitspflicht, Hausaufgaben sind die Regel. Dafür sitzen in vielen Veranstaltungen nicht mehr als 30 Studenten.

MBA in Lettland

In Riga bieten die Stockholm School of Economics (SSE Riga) und die Riga International School of Economics and Business Administration (RISEBA) den international bekannten Managementabschluss MBA an. Beide Hochschulen arbeiten eng mit ausländischen Institutionen zusammen: Die SSE Riga ist eine Kooperation zwischen der schwedischen Handelshochschule in Stockholm und dem lettischen Staat, die RISEBA vergibt den MBA-Titel der englischen Salford University. Beide MBA-Studiengänge dauern zwei Jahre und sind so konzipiert, dass sie berufsbegleitend belegt werden können. Während bei RISEBA wöchentlich an zwei Abenden unterrichtet wird, finden die Veranstaltungen der SSE Riga einmal im Monat von Mittwoch bis Samstag statt und richten sich ausdrücklich auch an Studenten, die außerhalb Lettlands leben. Beide Hochschulen erwarten von ihren Studenten mehrjährige Berufserfahrung und verlangen Studiengebühren. An der SSE Riga werden 12.500 Euro fällig, das MBA-Studium bei RISEBA kostet umgerechnet rund 6.500 Euro.

Internationale Abschlüsse in Estland

Auch die Estonian Business School (EBS) bietet einen Master of Business Administration. Trotz der Namensgleichheit ist dieses Programm keine typische MBA-Ausbildung, wie sie von vielen Hochschulen in Amerika angeboten wird, sondern eher ein gewöhnlicher Master. Die Anforderungen, die die EBS an ihre Studenten in diesem Studiengang stellt, sind geringer. Allerdings stehen auf dem Abschlusszeugnis die gleichen begehrten drei Buchstaben. Wesentliche Voraussetzung ist eine dreijährige Hochschulausbildung, Berufserfahrung wird nicht ausdrücklich verlangt. Das zweijährige Programm kostet rund 10.000 Euro Gebühren. Zudem gibt es an der EBS einen International Bachelor of Business Administration (BBA), der ebenfalls komplett in Englisch unterrichtet wird. Abitur und fließende Englischkenntnisse sind Mindestvoraussetzung für den Studiengang. Die dreijährige Ausbildung kostet je Semester etwa 2.000 Euro.

Erfahrungen aus Estland

Austauschstudenten von einer der Partneruniversitäten der ESB bekommen die Gebühren erlassen. Der BWL-Student Volker Starrach hat ein Semester des BBA-Studienganges besucht. Auf seinem Stundenplan standen unter anderem Business Law und Transformation Economics. Anders als an seiner Heimathochschule in Augsburg war die Atmosphäre an der estnischen Hochschule mit maximal 30 Studenten im Kurs geradezu familiär. "Dadurch kam es viel leichter zu Diskussionen", berichtet er. Während des Semesters werden die Leistungen ständig überprüft: An der EBS gibt es zusätzlich zu den zwei Examen in jedem Kurs Hausaufgaben und Tests. "Das ist wie früher in der Schule, hat aber den Vorteil, dass man konstanter lernt als in Deutschland", meint Volker Starrach.

Studienplatz

Estland, Lettland und Litauen nehmen schon seit einigen Jahren am Erasmus- und Sokrates-Programm der EU teil. Mittlerweile unterhalten zahlreiche deutsche Universitäten Austauschbeziehungen mit Partnerhochschulen im Baltikum. Noch kommen deutlich mehr Studenten aus den baltischen Ländern nach Deutschland als umgekehrt. Das hat den Vorteil, dass ein Erasmus-Studienplatz in einem der drei baltischen Staaten relativ einfach zu bekommen ist. Informationen zum Erasmus-Programm gibt es im akademischen Auslandsamt der Heimatuniversität. Dort, und nicht an der Gastuniversität in Estland, Lettland oder Litauen, wird entschieden, ob ein Student den gewünschten Studienplatz an der Partnerhochschule erhält.

Bewerbung direkt bei der gewünschten Uni

Alternativ kann man sich natürlich auch bei den Gastuniversitäten direkt bewerben. In diesem Fall entscheidet die Gastuniversität über die Aufnahme. Die Bedingungen sind von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. Für Ausländer ist es in der Regel relativ einfach, ein oder zwei Semester an einer Hochschule im Baltikum zu verbringen. Weil die Nachfrage aus dem Ausland noch relativ gering ist und zudem oft Studiengebühren gezahlt werden müssen, gibt es kaum Hürden zu überwinden. Üblicherweise bewirbt man sich mit seinem Abiturzeugnis und einem Nachweis über das bisherige Studium in Deutschland. Strengere Bestimmungen gelten für diejenigen, die einen kompletten Studiengang im Baltikum absolvieren möchten. Welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, hängt vom Studiengang ab. Informationen gibt es beim International Student Office der jeweiligen Hochschule.

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