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Studium in Harvard – ein Ding der Unmöglichkeit?

Christin Brutsche Harvard MBA 1280x720 Pixel gesperrt [Quelle: Christin Brutsche]

Quelle: Ivery Group

Christin Brutsche hat ihren MBA an der Harvard Business School 2018 absolviert. Zwischen der harten Vorbereitung auf den GMAT und dem Bangen auf den Zulassungsbescheid steckt am Ende die Erkenntnis, dass an dieser Top-Universität nicht nur akademische Leistungen ausschlaggebend sind.

 

Habe ich überhaupt eine Chance?

Als ich im Jahr 2014 den Entschluss gefasst habe, an einer der besten Business Schools der Welt zu studieren (und damals war die Harvard Business School schon meine Favoritin), hatte ich unsagbare Angst, nicht angenommen zu werden.

Stunden verbrachte ich vor meiner Bewerbung auf LinkedIn, um die Profile von Alumni zu analysieren. Genau achtete ich auf die Universitäten, an denen sie ihr Bachelor-Studium verbrachten. Ich verglich die Praktika und Arbeitserfahrungen mit meinen eigenen Tätigkeiten. Ihre Lebensläufe klangen inspirierend und atemberaubend spannend – die Personen waren auf verschiedenen Kontinenten tätig, arbeiteten in den besten Unternehmen der Welt, besuchten private Schulen und Universitäten. Mehr und mehr fragte ich mich, ob ich mit meinem Profil überhaupt eine Chance hatte.

Mein Abi schloss ich mit 1,0 ab, meinen Bachelor mit 1,4. Ich studierte dual mit Siemens, einem Unternehmen, das mir verschiedene Positionen ermöglichte und mit dem ich in Malaysia und Großbritannien mehrere Monate tätig sein konnte, aber das einfach nicht so sexy klang wie ein hippes Startup oder McKinsey.

Der GMAT als Hürde

Nichtsdestotrotz wollte ich meine Chancen nicht ungenutzt verstreichen lassen – eine Absage ist immer noch besser, als es nie versucht zu haben und vielleicht sogar eine Zusage erhalten zu können. Und rückblickend hätte ich es mir vermutlich mein Leben lang vorgeworfen, wenn ich es nicht versucht hätte. Ich kaufte mir relevante GMAT-Bücher und las mich in verschiedenen Foren zu GMAT, TOEFL und der MBA Bewerbung ein. In einem der Foren traf ich auf Rahul (Name geändert) aus Indien, der sich damals bereits seit vier Jahren äußerst ambitioniert auf den GMAT vorbereitete. Für eine Bewerbung an einer der Top Business Schools sah er sich allerdings noch nicht als vorbereitet genug. Panik machte sich breit – wenn andere sich Jahre darauf vorbereiten, wie konnte ich dann überhaupt eine Chance haben, einen sehr guten Score zu erhalten und mich im gleichen Jahr zu bewerben?

Ich übte und übte, wagte mich erst sehr spät an den Übungstest und egal wie sehr ich es versuchte, mein Ziel von über 740 Punkten erreichte ich nie. Nicht einmal über 700 kam ich. Eigentlich hatte ich vor, mich in der ersten Runde zu bewerben, doch da ich den GMAT unbedingt erneut machen wollte, um irgendwann über 700 zu gelangen, verstrich die Bewerbungsfrist.

Letztendlich musste ich mich mit einem GMAT von 690 in der zweiten Runde bewerben. In meiner Bewerbung gab ich alles. Meinen Essay konnte ich nahezu auswendig, so häufig schrieb ich ihn um und schärfte ihn nach. Ich erhielt unfassbar gute Empfehlungen und dennoch war ich am Entscheidungstag der Harvard Business School unfassbar nervös.

Ich erhielt die Zusage für ein Interview.

Mein Interview – anders als erwartet

Als ich mich im Februar für mein Interview an der Harvard Business School in den Flieger setzte, war ich unsicher, wie die Studierenden sein würden. Wie ist jemand, der an einer der besten Business Schools der Welt studiert? Arrogant? Überheblich? Adelig? Würde ich mit Menschen im Warteraum sitzen, die alle die allerbesten ihrer Gruppe waren?

Und tatsächlich: Im Warteraum waren unfassbare diverse Menschen. Einige arrogant und überheblich, andere nahbar und freundlich. Mit einem von ihnen verbindet mich übrigens eine tiefe Freundschaft – wir lernten uns am Interviewtag kennen und wohnten am Campus Tür an Tür.

Auf das Interview bereitete ich mich tagelang vor. Ich übte jede mögliche Frage, egal wie fern sie war. Auf keinen Fall wollte ich überrascht werden und meine Chancen verspielen. Aber als ich dann im Interviewraum saß, war die Aufregung verschwunden. Meine Interviewerinnen waren herzlich und freundlich. Wir unterhielten uns sogar über meinen Opa und eine Freundin, der ich Sand von der Küste Bostons mitbringen wollte.

Und dann, die gefürchtete Mail. Die Mail, die darüber bestimmen sollte, ob ich angenommen oder abgelehnt wurde.

The answer is Yes.

The answer is Yes!!!!!

Noch heute habe ich diesen Satz im Ohr. Ich erhielt ein Yes. EIN YES!

Die HBS Community

In meinem Studium an der Harvard Business School lernte ich schließlich die großartigsten und inspirierendsten Personen kennen. Herzliche und liebevolle, aber auch so interessante Persönlichkeiten. Menschen, mit denen ich abends bei einem Glas Wein über Gott und die Welt diskutieren konnte. Mit denen ich nachts in einem sehr ekelhaften Langstreckenbus von Los Angeles nach San Francisco fuhr und nach der Fahrt morgens für eine heiße, säubernde Dusche eine Hot Yoga-Probestunde machte (durch die ich mich richtig durchquälte). Menschen, die auch noch Jahre nach dem Abschluss tief im Herzen sind und die man tatsächlich auf die eigene Hochzeit einlädt.

Die Personen aber, die auf dem Interviewtag nicht mit Freundlichkeit überzeugten und andere ignorierten und herablassend behandelten, die sah ich in meinem Studium nicht. Kein einziger davon wurde angenommen.

Und dann gibt es noch ein Konzept, das ich zu Beginn meines Studiums kennenlernte: das des "Admission Mistakes". Scheinbar war es sehr verbreitet zu glauben, dass die Zulassungskommission bei der eigenen Bewerbung einen Fehler gemacht hatte und man eigentlich den Platz in diesem prestigereichen MBA-Programm gar nicht verdient hat. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: hier wurde nie nur nach den Besten der Besten gesucht, nie nur nach den Überfliegern, die alle hinter sich lassen, sondern es wurde nach Menschen gesucht, die die "hard facts" erfüllen, aber durch Persönlichkeit überzeugen.

Denn Leader – und für ihre Ausbildung zeichnen sich diese große Business Schools aus – führen nicht mit Ignoranz und Überheblichkeit, sondern mit Sympathie, Inspiration und Authentizität.

Zweifle nicht an dir!

Daher bin ich froh, dass ich es gewagt habe, mich an meiner Traum-Uni zu bewerben – und das obwohl ich anfangs dachte, dass ich mit meinem Profil niemals eine Chance hätte. Und deshalb helfe ich zusammen mit vielen weiteren Menschen aus den anderen Top Business Schools (die das ein oder andere Mal auch an sich gezweifelt haben) heute gerne all denjenigen, die ähnliche Träume haben. Die gerne auch an die HBS wollen, nach Wharton, Stanford, ans MIT oder an eine der anderen Top Business Schools, aber Angst haben, dass ihr Profil vielleicht nicht stark genug ist.

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